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Bei der Recherche des Wortes Bumstinazi stieß ich auf den höchst interessanten Eintrag bei Ostarrichi.org:

"Manche mögen folgendes Beispiel zurückweisen, aber es sollten jene gehört werden, die es erzählen. Bis heute ist es weit verbreitet, kleinen Kindern, die tollpatschig etwas fallen lassen, nicht mit 'Hoppala', sondern mit einem zärtlichen 'Bumstinazi' den Schrecken zu lindern. Einmal nachgefragt, erfuhr ich, daß dieses liebliche 'Bumstinazi' aus den dreißiger Jahren in Erinnerung ist, als man auf diese Weise Sprengstoffattentate der illegalen Nationalsozialisten, leicht verschlüsselt, zustimmend kommentierte. Eine Zustimmung, die sich in kindlicher Sprache konserviert und entfremdet erhalten konnte."

Nun suche ich eine möglichst aktuelle und gepflegte Onlinequelle, um mich in die Thematik einzulesen und „verdächtige“ Wörter nachschlagen zu können. Kann mir jemand helfen?

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Der Zusammenhang zu den illegalen Nazis war mir bekannt, aber dass das Zustimmung ausdrückt, habe ich noch nie gehört und würde das nicht ohne weiteren Beleg glauben. –  Phira Jun 4 '11 at 21:11
    
Darum such ich auch weitere Quellen und lese jetzt den Artikel aus dem es stammt. Wenn du willst berichte ich dir dann was darin steht ;) –  Samuel Herzog Jun 4 '11 at 21:14
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Er zitiert dabei aus Klemperer, Victor: "LTI". Die unbewältigte Sprache. Aus dem Notizbuch eines Philologen. München, 1969. Ich nehme das eher als vertrauenswürdige Quelle wahr. Leider scheint es keine Bücher des Autors in der Unibibo Salzburg zu geben. Sonst wär das definitiv ein guter Startpunkt für mich. –  Samuel Herzog Jun 4 '11 at 22:55
    
Interessante Thematik! @Samuel, falls du etwas interessantes findest hoffe ich, dass du dich daran erinnerst: Du kannst hier Jeopardy spielen. :) –  Stovner Jun 5 '11 at 11:04

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Neben Klemperers LTI finde ich immer noch lesenwert Aus dem Wörterbuch des Unmenschen von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind. Kriegt man derzeit nur gebraucht, fürchte ich.

Allerdings »endet« das Buch 1967 mit seiner dritten Auflage; wie aktuell das heute noch ist, muß man eben selbst einschätzen.

Zufälligerweise korrekte Daten aus der Wikipedia:

Es finden sich u. a. Kommentare zu folgenden Wörtern (bzw. deren spezifische Ausrichtung, also ihren Missbrauch bzw. Gebrauch im Nationalsozialismus): Anliegen, Ausrichtung, Betreuung, charakterlich, durchführen, echt, einmalig, Einsatz, Frauenarbeit, Gestaltung, herausstellen, intellektuell, Kulturschaffende, Lager, leistungsmäßig, Mädel, Menschenbehandlung, organisieren, Problem, Propaganda, querschießen, Raum, Schulung, Sektor, tragbar, untragbar, Vertreter, wissen um, Zeitgeschehen. In der dritten Auflage 1967 enthielt das Wörterbuch 33 Begriffe: Mädel wurde herausgenommen, Auftrag, Härte, Kontakte, Menschen, Ressentiments u. a. wurden hinzugefügt.


Ich fände in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Einfluß totalitärer politischer Systeme allgemein auf die deutsche Sprache spannend.
Ich habe die ersten 16 Jahre meines Lebens in der DDR verbracht – bis heute schmecken einige Ausdrücke für mich seltsam: Solidarität, Freundschaft, Kapitalismus und selbst Frieden (lauter »Konzepte«).
Die subjektive Seite ist bei den Ausdrücken aus der DDR natürlich noch viel lebendiger; ihr Verschleiß läßt sich vermutlich besser mit modernen Methoden untersuchen. Bestimmt passiert das auch, da würde ich mal in die Germanistik-Ecke der nächsten Unibibliothek gucken.

Für jemanden, der Deutsch lernt, ist das vermutlich ein fürchterliches Minenfeld. Aber ich denke, einem Ausländer nimmt man Fehltritte hier nicht so krumm. Selbst die bundesdeutsche ARGE führt ja heutzutage Maßnahmen durch – und leider trifft sie damit fast wieder den alten Kern.

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Maßnahmen der Arge sind mit großer Sicherheit Verbeugungen vor Berthold Brecht (de.wikipedia.org/wiki/Die_Ma%C3%9Fnahme) –  user unknown Jun 5 '11 at 6:09
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@user unknown Wer auch immer das Vokabular der ARGE verbrochen hat, muß natürlich ein Brechtliebhaber gewesen sein. :) –  toscho Jun 5 '11 at 6:12
    
man beachte: 1930, also keine Brechtsche Kritik an der Naziherrschaft. –  user unknown Jun 5 '11 at 6:15
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@user unknown Ja, umgeprägt, oder letzte starke Färbung trifft es wohl am besten. Mich interessiert hierbei, wie die Bedeutung weiterwandert – oder ob die Ausdrücke für lange Zeit verbrannt sind. –  toscho Jun 5 '11 at 7:15
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@SamuelHerzog Die ARGE ist eine Art Arbeitsamt zweiter Klasse. Ich habe einen Link auf die Jobcenter gesetzt, die regionalen Instanzen dieser Behörde. –  toscho Jun 5 '11 at 18:56

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