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Ich habe auf Cannoo.net folgenden Satz gelesen:

Du hast gewonnen, worüber sich alle freuen.

Ich denke, es soll ein Beispiel sein für ein wo-Wort, dass sich auf einen ganzen Satz bezieht. Hier freuen sich die Leute also über den Fakt, dass "du" gewonnen hat. Allerdings klingt der Satz in dieser Lesart für mich etwas komisch. Nicht wirklich falsch, aber nach Abituraufsatz, in dem auf Krampf versucht wird, kompliziert zu schreiben (zu viele "welche"-Referenzen und so).

Dann fiel mir schließlich auf, dass es eine zweite Lesart gibt, und die fühlt sich komplett richtig und elegant an.... hier mal in der Langform:

Du hast das gewonnen, worüber sich alle freuen (zum Beispiel den Pokal).

Der worüber-Satz bezieht sich also jetzt allein auf "das" und definiert es. Jetzt meine Fragen:

  • Welche Lesart ist die natürlichere?
  • Kommt die erste Version (worüber bezieht sich auf den Fakt) nur mir so rumpelig vor?
  • Gibt es Beispiele für einen Satzbezug, die KEINE andere Lesart zulassen?
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Wenn sich die Leute über den Sieg an sich freuen, dann könnte man den zweiten Satz zu "Du hast das Spiel gewonnen, worüber sich alle freuen." erweitern, was mMn nicht besser ist als die erste Variante. –  Grantwalzer Jul 17 at 13:00
    
Wenn du aber "das, worüber sich alle freuen" gewonnen hast, dann hat das doch nichts mehr mit dem ersten Satz zu tun, oder? (Außer man liest auch den ersten Satz so, was eig. auch grammatikalisch vertretbarer ist.) –  Grantwalzer Jul 17 at 13:07
    
@Carlster... doch, ich geb dir mal ein anderes Beispiel... "Du hast gefragt, was ich nicht zu denken wagte". Der zweite Teil kann sich auf den Fakt des Fragens an sich beziehen, oder auf das, was gefragt wird... wobei ich auch hier zweiteres viel viel besser finde –  Emanuel Jul 17 at 13:10
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@Em1: Die zweite Variante der zweiten Variante (»Du hast das gewonnen, worüber sich alle freuen würden, wenn sie es denn selbst gewonnen hätten.«) läse ich da nur, wenn da auch ein Irrealis stünde, also »Du hast gewonnen, worüber sich alle freuen würden.«. –  Wrzlprmft Jul 17 at 13:21
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Wäre "Du hast geschrien, worüber alle entsetzt waren." eine gleichwertige Konstruktion? –  Grantwalzer Jul 17 at 13:23

2 Answers 2

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  • Die erste Lesart ist meiner Meinung nach die natürlichere, zumindest in diesem Fall, hundert pro wäre aber bei noch ambigeren Sätzen auch das anders. Beispiel:

    Du liest, was alle in der Zeitung lesen.

Hier ist die natürlichste Lesart wohl, das der Angesprochene liest, was alle anderen in der Zeitung auch lesen. Könnte aber auch unter Verbiegungen bedeuten, dass alle in der Zeitung lesen, dass der Angesprochene liest. Die Frage gehört also vielleicht eher in die Semantik als in die Grammatik/Syntax.

  • Die erste Version ist rumpelig, weil jeder Sprecher einfach zwei Sätze machen würde oder die natürlichere Variante wählen würde:

    Wir freuen uns darüber, dass du gewonnen hast.

  • Klar gibt es solche Sätze, die nicht ambig sind, wenn zum Beispiel (wiederum semantisch) sich der erste Satzteil nicht auf den zweiten beziehen lässt:

    Du bist grün, worüber wir uns freuen.

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Beachte, dass »Wir freuen uns darüber, dass du gewonnen hast.« nicht äquivalent zum Beispielsatz ist. Jener enthält »du hast gewonnen« als neue, zentrale Information, während sie in diesem schon als bekannt vorausgesetzt wird oder nebensächlich ist. –  Wrzlprmft Jul 17 at 13:26
    
sehr schöne Antwort... die hilft mir extrem weiter –  Emanuel Jul 17 at 13:52

Der Reihe nach:

Welche Lesart ist die natürlichere?

Die erste. Die zweite ist zwar grammatikalisch denkbar, funktioniert aber nur mit spezieller Betonung in gesprochener Sprache – wenn überhaupt.

Kommt die erste Version nur mir so rumpelig vor?

Der Satz kommt mir auch unnatürlich vor, was aber weniger an der Grammatik als am Inhalt liegt. Ein hoffentlich natürlicheres Beispiel:

Meine Schwiegermutter besuchte uns, worüber ich mich sehr ärgerte.

Außerdem würde ich diese Konstruktion nur nutzen, wenn beide Teilsätze sehr kurz sind und ich so eine Parataxe vermeiden kann; ansonsten würde ich die Teilsätze zu eigenen Sätzen machen oder durch und verbinden und den zweiten mit darüber einleiten (siehe unten).

Gibt es Beispiele für einen Satzbezug, die KEINE andere Lesart zulassen?
Wie kann man den Beispielsatz abändern, sodass er eindeutig ist?

Diverse:

Du hast gewonnen – worüber sich alle freuen.

Du hast gewonnen. Darüber freuen sich alle.

Du hast gewonnen und darüber freuen sich alle.

Du hast gewonnen; eine Tatsache, über die sich alle freuen.

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"Welche Lesart ist die natürlichere? -> Die erste" Strongly disagree. Als ich den Satz las, dachte ich spontan an die 'zweite' und bin erst durch Emanuels Erklärungen auf die andere gekommen. Das liegt aber tatsächlich am Beispiel. Dein Beispiel lässt die andere Interpretation gar nicht zu. –  Em1 Jul 17 at 13:21
    
@Em1 Naja, es geht ja auch nur um Beispeile, wo sich "worüber" auf den ganzen Satz bezieht. –  Grantwalzer Jul 17 at 13:25
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Den Hinweis auf den Irrealis in Deinem Kommentar zur Frage halte ich für einen zentralen Punkt. So gesehen ist die Fassung "Du hast [sc. dasjenige] gewonnen, worüber sich alle freuen [sc. würden, hätten sie es denn]" eine elliptische Konstruktion. Versteht man das canoo-Beispiel in diesem Sinne, dann setzt man eine doppelte Ellipse voraus - weggelassen werden "das(jenige)" und "würden". Das ist dann m.E. keine Frage der Grammatik mehr. –  tohuwawohu Jul 17 at 13:31
    
Sehr schönes Beispiel, das mit der Oma... das meinte ich eigentlich mit "Beispiele ohne andere Lesart"... die Punktierungsspiele kannst du meiner Ansicht nach wieder rausnehmen, da man hier sehr viel diskutieren kann... was die Betonung angeht, das sehe ich anders. Man muss beide Lesarten verschieden betonen, aber nicht die eine garnicht und die andere voll ungewöhnlich –  Emanuel Jul 17 at 13:51
    
@Emanuel: Wieso kann man über die Alternativen mit anderer Zeichensetzung viel diskutieren? Sie leisten doch das Gewünschte, halt nur in geschriebener Sprache. –  Wrzlprmft Jul 17 at 16:49

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