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Das Pronomen der ersten 1. Person Plural in der kölschen Mundart lautet "Mer", und in einigen angrenzenden Dialekten "Mir".

Diese Pronomen können gedeutet werden als Variation des deutschen "wir". Andererseits sind Wortwurzeln beginnend mit "m-" für Personalpronomen der ersten Person in den indogermanischen Sprachen nicht selten – siehe etwa Deutsch und Latein, dort allerdings nur im Singular. Hingegen kennen die slawischen Sprachen auch "Mi" als 1. Person Plural.

http://en.wiktionary.org/wiki/Appendix:Proto-Slavic/my

Frage: Was ist die Etymologie des kölschen "Mer"? Besteht hier eine etymologische Verwandtschaft mit slawischen Sprachen?

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Auch in vielen österreichischen Dialekten sind Pronomen mit "m-" für die 1. Person Plural gebräuchlich. –  Hulk Aug 12 '14 at 13:33
    
Ich bin nicht sicher ob das ein Regionalismus ist, der sich auf Köln und Umgebung beschränkt. –  Vogel612 Aug 12 '14 at 13:49
    
Im Hessischen gibt es das auch. Zumindest hinter "haben" (wo es oft vorkommt) kann man es einfacher durch Maulfaulheit und Angleichung erklären: haben wir -> ham' mer –  dirkt Aug 12 '14 at 14:06
    
@dirkt: Bei "haben wir" ist "Maulfaulheit" (sprich Assimilation) denkbar, weil das "-en" von "haben" sich an das "b" bzgl. des Artikulationsortes angleicht (haben>habm, legen>legŋ). Bei Kontraktionen wie "simmer" für "sind wir", funktioniert diese Argumentation aber leider nicht mehr. –  Chris Aug 12 '14 at 14:13
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@Chris: "Sind" funktioniert ganz genauso, siehe "Sempf". :-) Das n ist einfach zu weit vorne, und für Dentale muss man die Zunge auch noch an die Zähne bringen, dann doch lieber gleich m, da muss man nicht viel tun... –  dirkt Aug 12 '14 at 15:50

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In der englischen Wikipedia wird behauptet, dass das Plural-Pronomen "mir" auf mittelhochdeutsche Zusammenziehungen wie "loufemir" aus "loufem wir" (laufen wir) zurückzuführen ist, wie sie heute noch in "hammer", "simmer" statt "haben wir" und "sind wir" auftreten. Laut der englischen Wikipedia war die entsprechende mittelhochdeutsche Verbendung nicht -en, sondern -em.

Anhand von der mir zur Verfügung stehenden Literatur (Bergmann: Alt- und Mittelhochdeutsch) finde ich aber nur die althochdeutsche Endung -emēs und die mittelhochdeutsche Endung -en. Eine Zwischenstufe -em ist meiner Meinung aber denkbar. (Wobei man nicht zwangsweise eine m-haltige Endung braucht. Es würde auch reichen, wenn "-en" und "w-" aufeinanderträfen und eine Assimilation derart stattfände, dass die Artikulationsart (nasal) von "n" und der Artikulationsort (labial) von "w" sich zu einem "m" kombinieren.)

Dass "mir" statt "wir" auch an anderen Positionen als hinter einem deklinierten Verb steht, wäre dann auf einen Analogieschluss zurückzuführen.

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Nicht zu vergessen: Resi Berghammers "Oiso, gemma!" –  Grantwalzer Aug 12 '14 at 14:40
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Übrigens ist wohl ähnlich das "n" im schwedischen Pronomen "ni" (2. Person Plural) zu erklären. Fiel mir nur gerade ein ;) –  Carsten Schultz Aug 15 '14 at 7:04
    
Da wäre ich vorsichtig. Beispielsweise haben auch viele romanische Sprachen ein "n" als Anlaut in der 2. Pl. Das nur so am Rande ;) –  Patric Hartmann Aug 15 '14 at 10:33
    
@PatricHartmann, die romanischen Sprachen haben das n doch eher in der 1. Person Plural. Das schwedische vi/ni ist gerade anders herum als z. B. französisch nous/vous, was in dem zweiwöchigen Schwedischkurs, den ich mal besucht habe (und der mich selbstverständlich zum Experten gemacht hat), auch einige verwirrt hat. Dabei hätten wir das vi alleine wohl problemlos mit wir in Verbindung gebracht, und i wäre auch nicht so weit weg von ihr, doch da hat sich halt ein n eingeschlichen. –  Carsten Schultz Dec 29 '14 at 14:59

Swiss-German also uses "mer" instead of "wir".

"Das Schweizerische Idiotikon" (a dictionary of Swiss-German words with explanations on linguistics) had a short paragraph on this. According to that the "mer/mir/mör" is actually an assimilation where the w changed to m after words ending on -en.

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The "Idiotikon" only mentions "mer". Just to clarify for the case that somebody checks the sources and can't find the other references. They haven't been added by me. –  Patric Hartmann Aug 15 '14 at 10:35

Im Norwegischen gibt es zwei gängige Formen der 1. Person Plural (als Subjekt): "vi" (in Bokmål, Nynorsk und den meisten Dialekten) und "me" (vor allem in Nynorsk und südwestnorwegischen Dialekten).

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Vielleicht noch etwas ausführen, wie das zusammenhängen könnte. Sonst wäre es vielleicht eher als Kommentar geeignet (obwohl, ja, du bist neu und kannst noch keine Kommentare schreiben, aber das wird schon :) ) –  fifaltra Dec 29 '14 at 12:25
    
Ja, mein Beitrag ist durchaus als Kommentar zu verstehen. Ich wollte nur darauf hinweisen (oder bestätigen), dass die pronominalen m-Formen der 1. Person Plural in germanischen Sprachen (und Dialekten) eine recht weite Verbreitung haben. –  Kjell Dec 30 '14 at 12:49

Das "mer" für "wir" ist eine einfache Assimilation von w zu m (fast an der gleichen Artikulationsstelle), die nach bestimmten Konsonanten eintritt. Wurde oben bereits erwähnt. Typisches Beispiel:

"haben wir" wird in der lässigen Umgangssprache zu "ham" und "ham+wir" wird zu "hammer".

Da steckt also keine andere Etymologie dahinter, es ist das gleiche Wort, das durch Assimilation verändert wurde. Also eine Sprechvereinfachung, wie sie vielfach und überall (in allen Sprachen) vorkommt.

Assimilation ist Konsonantenangleichung.

Das "mer" ist nicht nur Kölsch. Ich verwende es auch, obwohl ich in Bayern lebe. Ich bin zwar kein Bayer und spreche nicht bairisch, eher süddeutsches Hochdeutsch, mit Kölsch hab ich aber nichts zu tun. Und ich versteh die Burschen von da oben auch schlecht.

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