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In der früheren Literatur war es üblich, das Hilfsverb im Perfekt oder Plusquamperfekt wegzulassen. Hier ist ein Beispiel (aus Reichtum, einer Kurzgeschichte von Arthur Schnitzler) in dem das letzte Wort "hatte" unausgesprochen bleibt:

Er sah sich mit jenen ärmlich gekleideten Leuten an einem Tische sitzen und Karten spielen, wie er es so oft getan.

Ich habe den (vielleicht falschen) Eindruck, dass dieses Weglassen heute nicht mehr auftritt und möchte wissen, seit wann und warum der Brauch verschwunden ist.

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Der Eindruck täuscht nicht - diese "afinite Konstruktion" findet man nur noch sehr selten. Nach Sekundärliteratur konnte ich bisher nur oberflächlich suchen. Google Books liefert zu afiniter Konstruktion schon mal ein paar Treffer. Admoni geht in "Die Entwicklung des Satzbaus in der deutschen Literatursprache des 19. und 20. Jahrhunderts", Berlin 1987, ab S. 114 ausführlicher auf diese syntaktische Form ein, von ihm habe ich die meisten folgenden Details. Von Google Books abgesehen, dürften Online-Quellen zu diesem speziellen Thema eher rar sein.

Was ich gefunden habe, ist in etwa folgendes: Vermutlich stammt diese grammatikalische Praxis aus der Kanzlei-, also der Juristensprache (16. Jhd.?) und wurde später in andere Literaturgattungen und den breiteren Schriftgebrauch übernommen. Während juristische Texte im 19. Jahrhundert eine höhere sprachliche Genauigkeiten anstrebten und dabei auch auf grammatikalische "Vollständigkeit" achteten, hat sich die afinite Konstruktion in der Prosa länger halten können. Das Schnitzler-Zitat (von 1891?) ist ein wunderbares Beispiel dafür, finde ich.

Warum diese besondere Syntaxvariante so selten geworden ist, kann man nur vermuten. Ich nehme an, dass dieses Phänomen grundsätzlich als Ausnahme von der Regel der vollständigen Ausformulierung empfunden wurde, also als - "rechtfertigungsbedürftige" - Abweichung, nicht als Normalfall. Gerade der gezielte Einsatz in der Prosa, etwa um den Nebensatz noch stärker zurücktreten zu lassen, impliziert ja einen bewußten Einsatz dieses Stilmittels. Zudem nehme ich an, dass die afinite Konstruktion schon zu Schnitzlers Zeiten nicht mehr "modern" klang, noch weniger im 20. Jahrhundert. Aus juristischen und diplomatischen Texten war sie da wohl schon verschwunden, Naturwissenschaftler hatten keinen Grund, sie im technischen Bereich einzuführen; und in der Prosa klang sie wahrscheinlich nach 18. und 19. Jahrhundert, also antiquiert. Man würde heute einen anderen Effekt erzielen als jenen, der vielleicht im 18. und 19. Jahrhundert verfolgt worden war.

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tohuwawohu, ich bin von Deiner Belesenheit wirklich beeindrückt und habe Deine ausführliche und klare Erklärung sehr genossen : vielen Dank. Übrigens, für jemand der tohuwawohu unterschreibt, scheinst Du eine sehr ordentliche Person zu sein! –  Georges Elencwajg Jun 25 '11 at 10:27
    
Ein Schriftsteller, der die Konstruktion bewußt systematisch eingesetzt hat, um Nostalgie über eine vergangene Zeit auszudrücken, war Stefan Zweig, und zwar in den 1920er Jahren; schon damals war sie also stark antiquiert. –  Kilian Foth 7 hours ago
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