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Manfred Spitzer erklärt in seinen Büchern und Vorträgen, dass Menschen sich die Grammatik ihrer Muttersprache nicht über Einzelfälle, sondern über allgemeine (unbewusste) Regeln merken.

Dazu lässt er die Leser und Hörer Phantasiewörter ins Partizip Perfekt setzen, und zwar ein zweisilbiges Wort wie "quaffen" und ein dreisilbiges Wort auf "-ieren" wie "flagieren".

Er behauptet dann, dass das Ergebnis "gequafft" und "flagiert" bedeutet, dass Wörter auf "-ieren" eine Ausnahme bilden.

Ich glaube aber, dass das mit "-ieren" nichts zu tun hat, sondern rein damit, dass es sich um ein dreisilbiges Wort ohne Vorsilbe handelt.

Um diese Vermutung zu überprüfen, bräuchte ich aber mehr echt dreisilbige Zeitwörter, was im Deutschen selten ist.

Meine Frage ist nun: Liege ich mit meiner Vermutung zu der Dreisilbigkeit richtig? Kann mir jemand ein paar Beispiele für echt dreisilbige Zeitwörter geben, die meine Vermutung unterstützen oder widerlegen? Oder gibt es das sogar als Grammatikregel in einem guten Grammatikbuch? Oder hat das Zurückführen auf "-ieren" (gute oder schlechte) Tradition?

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Mit "Ausnahme" meinst Du, dass das Partizip Perfekt ohne die Vorsilbe "ge-" gebildet wird?

Hier ein paar dreisilbige Verben mit Partizip Perfekt (teilweise mit Vorsilbe, die aber nicht abtrennbar ist - zu pro-phezeien gibt es kein vorsilbenloses "phezeizen" - wie steht es mit "(a)dressieren"?):

  • adressieren -> adressiert
  • antworten -> geantwortet
  • arbeiten -> gearbeitet
  • beginnen -> begonnen
  • bewegen -> bewegt
  • flankieren -> flankiert
  • geschehen -> geschehen
  • gewinnen -> gewonnen
  • mäandern -> mäandert
  • prophezeien -> prophezeit
  • studieren -> studiert
  • tangieren -> tangiert

Fett sind alle Partizip-Perfekt-Formen markiert, die ohne (zusätzliches) "ge-" gebildet sind. Das trifft also für alle angeführten Verben zu, die auf "-ieren" enden, aber noch zusätzlich auf weitere Verben.

canoo.net bestätigt im Prinzip die Ausnahmestellung von Verben auf "-ieren" und ergänzt zwei weitere Verbgruppen:

  • Verben mit unbetonten Vorsilben wie be-, er-, ent-, ge-, ver-, zer-;
  • trennbare Verben, die mit einem Verb aus der ersten Gruppe ("-ieren", unbetonte Vorsilbe) gebildet wurden.

Die Rolle der Betonung zeigt sich auch in meiner knappen obigen Auswahl: ánt-worten und ár-beiten wird auf der ersten Silbe betont, alle anderen Verben auf der zweiten oder im Ausnahmefall auf der dritten (z.B. pro-phe-zéi-en). Insbesondere werden wohl alle Verben auf "-ieren" auf der vorletzten Silbe betont, also jener, die mit dem ie von "-ieren" gebildet wird: flan-kíe-ren, stu-díe-ren, tan-gie-ren.

canoo.net hat übrigens eine schöne Liste von Verben, deren Partizip Perfekt ohne "ge-" gebildet wird.

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Mir fallen nicht besonders viele dreisilbige Verben ein, die nicht mit einer Vorsilbe wie ver, aus, be etc. gebildet sind. Das Partizip Perfekt wird bei diesen Beispielen mit "ge-" gebildet:

  • arbeiten: gearbeitet
  • ängstigen: geängstigt
  • demütigen: gedemütigt

Ich nehme also an, dass der Autor nicht ganz falsch mit seiner Aussage über -ieren-verben liegt.

Bei Verben mit bestimmten Vorsilben wird – wie bei Wörtern mit weniger Silben – das Partizip Perfekt ohnehin nicht mit "ge-" als zusätzliche Vorsilbe gebildet:

  • erwähnen: erwähnt (nicht geerwähnt oder ergewähnt)
  • vergessen: vergessen

Bei anderen Vorsilben wird das ge- nach der Vorsilbe eingefügt:

  • austreten: ausgetreten
  • beifügen: beigefügt
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