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Ein Kind, das man aufzieht, ohne daß es das eigene wäre, heißt Stiefsohn/Stieftochter. Der Elternteil heißt Stiefvater/Stiefmutter.

Wenn ein Mensch für etwas weniger Aufmerksamkeit aufbringt als für andere Dinge, dann behandelt dieser Mensch diese Sache "stiefmütterlich".

Gilt das nur, wenn dieser Mensch eine Frau ist und würde man bei Männern stattdessen "stiefväterlich" sagen? Und falls nicht, warum nicht?

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4 Answers

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"Stiefväterlich" ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alle Wörter, die in der deutschen Sprache verwendet werden, auch Einzug in den Duden erhalten, dort ist dieses Wort nämlich nicht aufgeführt.

Dennoch finden sich "stiefväterlich" und "stiefväterlich behandelt" im deutschen Schrifttum, wie man leicht anhand einer Google Ngram Suche sehen kann:

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Auch im Grimm wird "stiefväterlich" belegt:

STIEFVÄTERLICH, adj. , von stiefvater; seit dem 15. jh. bezeugt: stieffvaderlich vitricus Diefenbach 624a; styffveuterlich vitriceus ebda;

Die Verwendung von "stiefväterlich" ist seit dem 19. Jahrhundert stark rückläufig; dennoch findet man es auch in neueren Quellen:

Wer heute »Stiefvater« wird – wir haben immer noch kein besseres Wort –, muss sich alle Mühe geben, gegen den (Selbst-)Verdacht anzuarbeiten, er behandele eines seiner Kinder stiefväterlich.Die Zeit 20.01.2005 Nr.4

Die Deutsche Richterzeitung hat jetzt die Ergebnisse der ersten juristischen Staatsprüfung von 1982 veröffentlicht Sie belegen, daß Jungjuristen vom Staat stiefväterlich behandelt werden - übrigens hat dies und haben die schlechten Examensergebnisse Tradition.Die Zeit 18.11.1983 Nr. 47

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"Stiefväterlich" wird nicht verwendet und "stiefmütterlich" wird unabhängig vom Geschlecht verwendet.

Der Grund ist vermutlich, dass die vernachlässigte Sache, von der die Wendung kommt, ursprünglich die (Stief-)kinder waren. Und damals war es eben Aufgabe der (Stief-)mutter, sich um diese zu kümmern.

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Eine Google-Suche nach "stiefväterlich" bringt etwa 3500 Ergebnisse, bei "stiefmütterlich" kommen 325.000 Treffer, also fast das hundertfache.

Aus dem Bauch heraus würde ich annehmen, dass die meisten Leser "stiefväterlich" verstehen würde, aber selbst nutzen würden die meisten wohl "stiefmütterlich".

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Standardsprachlich würde ich immer stiefmütterlich sagen, unabhängig vom Geschlecht. Die deutsche Sprache ist aber sehr flexibel, so dass stiefväterlich wohl von vielen sofort verstanden wird, wenn auch erst nach einem kurzen Moment der Überraschung. Der Duden verzeichnet das Wort nicht, bietet aber stiefmütterlich als Alternative an.

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