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I learned that I should not entitle a female hairdresser "Friseuse" as this may be considered as rude.

Duden lists "Friseuse" as both, colloquial and antiquated, and recommends the usage of the appropriate title "Friseurin"

Why is it that "Friseuse" is now considered as inappropriate? Are there any references for that?

Google Ngrams indicate, that this is a relatively young process where the usage of Friseurin surpasses Friseuse only after 2000:

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Vielleicht liegt's ja auch an den Manta-Witzen, die Freundin war immer eine Friseuse. fun-humor-witze.de/manta-witz-4-von-297-manta-witzen –  starblue Aug 19 '11 at 16:07
    
@starblue: Es kam aber wohl erst lange nach den Manta-Witzen zum Tragen (siehe Ngram). Irgendjemand muss das so um 1995 beschlossen und publiziert haben. –  Takkat Aug 19 '11 at 16:19
    
Manta-Witze waren in den achtziger Jahren, da fängt auch die Häufigkeit von "Friseurin" an zu steigen. Eine gewisse Trägheit ist ja bei solchen Änderungen normal. –  starblue Aug 19 '11 at 17:00
    
@starblue: das wäre doch auch eine schöne Antwort, oder? –  Takkat Aug 19 '11 at 18:36
    
@starblue: Der Graph zeigt eine Steigerung ab 1971 würde ich sagen, nicht ab den 80ern - Mitte der 80er ist über die Hälfte des Anstiegs schon vorbei. Die Frage ist auch, wieso Mantawitze mit Friseuerin nicht hätten funktionieren sollen. Wegen des Reims auf Möse? –  user unknown Mar 9 '13 at 18:22

5 Answers 5

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Die Sprachwissenschaftlerin Antje Oldenburg (1998) sieht zwei Gründe für die Verdrängung des Lehnsuffixes -euse durch das deutsche Suffix -in.

Da die ursprünglich neutrale Berufsbezeichnung Masseuse im Laufe der Zeit die Zusatzbedeutung "Prostituierte" annahm, wurde es notwendig die Berufsbezeichung von dieser Bedeutung abzugrenzen. Dafür wurde das Suffix -euse durch das Suffix -in ersetzt. Diese Bedeutungsdifferenzierung breitete sich daraufhin auf andere Berufsbezeichnungen aus, mit der Folge, dass Berufsbezeichnungen mit -euse erotisiert und abgewertet erscheinen.

Feministische Wissenschaftlerinnen sehen eine Verteilung der Berufsbezeichnungen nach Berufsgruppen, wobei Berufe mit der weiblichen Endung -in eher prestigeträchtigeren Berufsgruppen (Ingenieurin, Regisseurin), Berufe mit -euse eher dem Niedriglohnsektor (Friseuse, Masseuse) zuzurechnen sind. (Pober, 2007) Die Verwendung der Endung -in kommt somit nicht nur einer Entsexualisierung sondern auch einem Versuch der Aufwertung der Berufsgruppe selbst gleich, wie sie sich auch bei der Neubezeichnung der Bauern als Landwirte findet.

Der zweite Grund ist das Aufkommen geschlechtsneutral formulierter Stellenanzeigen, in denen sich das Suffix -in besser an die männliche Berufsbezeichnung anfügen lässt als das Suffix -euse: Ingenieur/-in oder Ingenieur(in). Dasselbe ist mit der Endung -euse nicht möglich: Friseur/-euse ergäbe Friseureuse und Friseu(r/se) ist schlicht Unfug.

Literatur

  • Oldenburg, Antje (1998). Von Arzthelfern, Bauschlosserinnen und anderen Berufstätigen: Zum Gebrauch von Personenbezeichnungen in Stellenanzeigen. Muttersprache, 108(1), 67–80.
  • Pober, Maria (2007). Gendersymmetrie. Würzburg: Königshausen & Neumann.
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Gibt es denn mehr Bezeichnungen mit ~euse? Zwei Fälle, um darauf eine Regel aufzubauen, erscheint mir arg dünn. Mit Wächerin fällt mir auch prompt ein schlechtbezahlter Frauenberuf mit ~in ein. Souffleuse und Dompteuse finde ich noch. Die Ausbreitung der Bedeutung erscheint mir auch recht konstruiert. Ich höre bei Friseuse keine sexuelle Konnotation, erst recht nicht bei Souffleuse oder Dompteuse. –  user unknown Mar 13 '13 at 6:11

From the German Wikipedia:

Das Wort leitet sich aus dem Französischen ab, wo das Verb friser soviel wie „kräusen“ bedeutet. Der Begriff Friseur war im Französischen nie sehr gebräuchlich und ist mittlerweile völlig ausgestorben.

Ursprünglich lautete die „offizielle“ weibliche Form der Berufsbezeichnung lange Zeit Friseuse nach der französischen Scheinherkunft. Da diese Bezeichnung jedoch vielfach als abwertend empfunden wurde, setzte sich die Bezeichnung Friseurin durch.

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I saw that too but this merely describes the fact, not why it is considered rude. This really would be interesting to know. –  musiKk Aug 19 '11 at 13:02
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ineresting and a little bit funny german article –  oliholz Aug 19 '11 at 13:09
    
I heard it was not at all meant derogative. With the spelling reform in Germany a lot of foreign words were changed into something more fitting to the predominant logic. "Friseuse" was one of these words but some people simply didn't know the reason and the whole "discriminating term" up. –  con-f-use Aug 19 '11 at 17:01
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@con-f-use: I doubt it's connected to the spelling reform - after all, Friseurin is a different word with a different pronunciation! –  Hendrik Vogt Aug 19 '11 at 17:13

Maybe this is related to Masseuse meaning something quite different than Masseurin nowadays: The latter is a female Masseur, whereas from a Masseuse one will probably expect some sexual pleasure. For this reason, a Masseurin will be legitimately offended if you call her Masseuse. My guess is that this is how Friseuse got a negative connotation.

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I don't think so. If you look in Google Ngrams then the change from Masseuse to Masseurin comes later than the change from Friseuse to Friseurin. –  starblue Aug 19 '11 at 16:56
    
@starblue: To me it looks as if the changes happened at about the same time. –  Hendrik Vogt Aug 19 '11 at 17:17
    
Masseusen, die nicht nur den Rücken massieren bieten aber auch eine Massagetätigkeit an, daher ist es gar nicht möglich hier begrifflich zu differenzieren. Eine Person die im Massagesalon arbeitet kann ebenso, wenn sie sich Masseur/Masseurin nennt erhobene Augenlider erleben. –  user unknown Mar 9 '13 at 18:29

In my opinion, the only (or at least predominant) reason Friseuse was considered inappropriate was that some people used it in a derogatory manner, which was however not due to the word itself but due to the social context and other phenomena (like the Manta jokes). The whole process would have been the same, if another word instead of Friseuse had been in use during a certain period of time, e.g., Friseuse with a French pronunciation or Coiffeuse.

This can be compared to the fact that no matter what word you use for an immigrant, a disabled person or a coloured person, this word will be used derogatorily by a certain kind of people, as long as these people exist. This will make another kind of people consider the word inappropriate and propagate a new word. If the new word is established and the old one is considered inappropriate by a majority, the whole process starts all over again: the political-correctness treadmill. The only difference with Friseuse is that the social context which powered the treadmill ceased to exist.

I am aware, that this hypothesis is very difficult to proof and that other factors might have played into this, e.g., the fact that Friseuse is better suited for a derogatory pronunciaton than its alternatives.

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Friseuse ist immerhin ein Ausbildungsberuf, während die Kassiererin an der Kasse m.W. nur kurz angelernt wird. Es ist also überhaupt nicht zu verstehen, wieso Friseuse jenseits der Mantawitze abwertend verstanden werden sollte. Noch weniger, wieso das Wort Friseurin davon unberührt bleiben sollte - die Witze ändern sich keine Spur, wenn man Friseurin statt Friseuse sagt. –  user unknown Mar 9 '13 at 18:34
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@user unknown: Ist Dein Kommentar jetzt pro oder contra? So oder so: Der Witz ist ja gerade, dass das Wort Friseuse abwertend aufgefasst wird, ohne dass es vom reinen Wort her einen Grund dafür liefert. Es gibt viele derartige Beispiele – auch jenseits der als negativ empfundenen politischen Korrektheit. Zum Beispiel ist auch nichts inhärent Schlimmes an dem Wort Endlösung, aber seine Geschichte liefert äußerst gute Gründe, es nicht zu nutzen. –  Wrzlprmft Mar 9 '13 at 19:58
    
Die Endlösung war ein politischer Propagandabegriff, der nicht alle endgültigen Lösungen bezeichnete, sondern nur für die Vernichtung der Juden Europas benutzt wurde. Dagegen wurde Friseuse jenseits von Mantawitzen benutzt. Es ist auch nicht vernünftig anzunehmen, dass die Erinnerung an Mantawitze am Wort "Friseuse" hängt und nicht am Beruf, den diese ausüben. –  user unknown Mar 12 '13 at 3:24
    
@user unknown: Das ist alles richtig, steht aber auch nicht in Konflikt zu irgendeiner aufgestellten Behauptung. Um meine Hypothese nochmal ganz anders auszudrücken: Das Wort Friseuse hatte das Pech zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. –  Wrzlprmft Mar 12 '13 at 23:49
    
Damit jemand das Wort "Friseurin" statt "Friseuse" verwendet muss er eine Art Problembewußtsein haben. Wieso sollte jemand glauben, dass etwas am Wort "Friseuse" hängt, und nicht am Beruf? Würde kein Grund zur Ächtung des Wortes mehr existieren, weil Mantawitze out sind, könnte man doch bedenkenlos "Friseuse" verwenden. –  user unknown Mar 13 '13 at 5:54

Die Antwort auf deine Frage:

Friseurin ist die korrekte Berufsbezeichnung. Dass Berufstätige mit der korrekten Berufsbezeichnung bezeichnet werden wollen, bedarf keiner weiteren Begründung.

Vor einigen Jahren wurde ein Mechatroniker sehr unwirsch, als ich ihn einen "Automechaniker" nannte. Hier ist kaum eine Abwertung zu finden, dennoch wurde die veraltete Bezeichnung als vage Beleidigung empfunden.

Kritik an deiner Recherche:

Googles Ngramme reflektieren einzig die Verwendung in der Schriftsprache. Bücher werden aber nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung veröffentlicht, die sich zudem deutlich in ihrem Sprachstil von der Durchschnittsbevölkerung abheben. Ein Publizist schreibt in der Regel nicht so, wie ein Bäcker redet. Ob die Verteilung in der gesprochenen Sprache ähnlich ist und ob dort eine ähnliche Veränderung stattgefunden hat und zu welcher Zeit, lässt sich an Googles Ngrammen nicht ablesen.

Unklar ist mir im Moment, ob es einen Zusammenhang mit der Rechtschreibreform geben könnte: Der Trend bei "Friseuse" kehrt sich gerade um, als die neue Rechschreibung in Kraft tritt. Wurden zu dieser Zeit andere Schreibungen empfohlen oder in Schreibsoftware implementiert? So erscheinen gerade 1993, exakt auf dem Höhepunkt der Friseusen-Kurve, neue Word-Versionen.

Hier wäre eine gründlichere Recherche in die möglicherweise veränderten Entstehungsbedingungen der ausgewerteten Texte notwendig.

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Das Ngram für Frisöse/Frisörin zeigt einen ähnlichen Trend und zeigt, wie auch für Friseuse/Friseurin dass die heutige Berufsbezeichnung erst seit den 80er Jahren signifikant vorkommt. –  Takkat Mar 12 '13 at 11:39
    
Interessant. Als ich vorher deinem Link gefolgt bin und dort verschiedene Varianten eingegeben habe, bekam ich häufig die Meldung "Ngrams not found". So finde ich z.B. auch jetzt keine für "Frisörinnen". Hab jedenfall meinen Beitrag entsprechend geändert. –  user1914 Mar 12 '13 at 12:42
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Doch, genau das, eine Begründung bei mehreren, alternativen Berufsbezeichnungen ist hier gesucht. Das kann nicht einfach per Order di Mufti zum Tabu erklärt werden. Wenn sich ein Hausmeister heute zum Facilitymanager aufblasen will, dann soll er das versuchen - ich muss das nicht mitmachen. Wie heißt eigentlich ein Lokführer offiziell? Ein Soldat? Ein Polizist? Als Laie weiß man es oft gar nicht. –  user unknown Mar 13 '13 at 6:01
    
Ein kurzer Blick in die Liste der Ausbildungsberufe liefert ein Haufen offizieller Bezeichnungen, die einem sicher nur auf dem Papier begegnen. –  Wrzlprmft Mar 14 '13 at 8:40

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