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Südtirol ist ja ein recht beliebtes Urlaubsziel für Wanderer und Wintersportler aus Deutschland. Persönlich war ich noch nicht dort. Darum die Frage, wie weit kommt man mit Hochdeutsch in Südtirol eigentlich? Bei uns gibts ja schon Verständnisschwierigkeiten innerhalb von Regionen (lustiges Beispiel ist immer wieder Einblendung von hochdeutschen Untertiteln beim Interview von Niederbayern im Bayerischen Fernsehen!).

Sind die Tageszeitungen in perfekten Hochdeutsch in Südtirol oder ist das mehr ein Brei von subregionalen Dialekten je nach Bezirk. Sollte man etwas firm im bairischen Dialekt sein? Gibts vielleicht eine gute Kulturradiostation bei der man etwas schnuppern kann oder eine Kulturseite im Netz die sich mit der Sprache und/oder aktuellen Ereignissen dort befasst im vorherrschenden Dialekt? Fernsehen prägt ja Sprache ungemein, was schaut der typische Südtiroler für Fernsehsender, deutsche/ital./österreich.?

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...mit besten Grüßen an @splattne ;-) –  Jan Sep 16 '11 at 11:38
    
@Jan danke! Werde gleich mal antworten. –  splattne Sep 16 '11 at 13:25
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So klingt der Südtiroler Dialekt ungefähr:

Wenn i die Frog in meinem Dialekt beontworten tat, donn tat des epper so klingen. I vermut, es meischte waret verständlich, vor ollem die "modernen" Wörter. Es gipp a poor Lautverschiebungen, de man kennen sollet, zum Beispiel werd es "a" oft als "o" ("å") ausgesprochen.

In Südtirol leben rund 500.000 Menschen. Davon sind ca. 70% deutscher und 25% italienischer Muttersprache. Die restlichen 5% sprechen Ladinisch, eine alte rätoromanische Sprache.

Die deutschsprachigen Südtiroler sprechen im Alltag miteinander vorwiegend im Dialekt. In den Schulen wird normalerweise in Hochdeutsch unterrichtet und kommuniziert; viele Südtiroler klingen allerdings etwas holprig, wenn sie Hochdeutsch sprechen, da sie u. a. Fallfehler machen. Das liegt daran, dass im Dialekt häufig der Akkusativ gewählt wird, wo in der Hochsprache der Dativ verwendet wird:

Des Hemp honn i in Bozen unter die Lauben gekaft.
(Dieses Hemd habe ich in Bozen unter den Lauben gekauft.)

Ich vermute, das eine bundesdeutsche Person, die nördlich des Weißwurstäquators lebt, das meiste verstehen wird, was Südtiroler dialektal von sich geben. Es gibt jedoch sicher eine Reihe von häufig benutzten Ausdrücken, die nur den Einheimischen oder evtl. Bewohnern von Nachbarregeionen (Nord-/Osttirol in Österreich, evtl. Bayern, Salzbug und Kärnten) geläufig sind. Einige Beispiele:

  • gleim (nahe)
  • Glump (unnützes Zeug, Dinge mit schlechter Qualität)
  • Schlatterer (Taugenichts)
  • tratzen (necken)
  • Poppele (Baby)

Da Südtirol nach dem Ende des ersten Weltkriegs von Italien annektiert wurde, finden sich im Südtiroler Dialekt mittlerweile auch viele Italianismen, wie zum Beispiel

  • Hydrauliker (Installateur)
  • ma dai..., dai?, ma va?, seggo? (wirklich?)
  • Targa (Autokennzeichen)

In Südtirol gibt es zahlreiche private Radiostationen und eine öffentliche, den "RAI Sender Bozen". Die RAI strahlt vorwiegend in den Abendstunden auch ein Fernsehprogramm aus, deren bekannteste Sendung die "Tagesschau" ist. Der österreichische Rundfunk produziert täglich "Südtirol heute", eine 20 Minuten lange Boulevard-Nachrichtensendung, die auch in einem Internetarchiv verfügbar ist.

Es gibt weiters zwei Tageszeitungen: die "Dolomiten" und die "Tageszeitung". Beide sind - meiner Meinung nach - keine journalistischen Glanzleistungen. Die "ff" ist das einzige regionale wöchentliche Nachrichtenmagazin und behandelt vorwiegend Südtiroler Themen.

Wer mehr erfahren möchte: Es gibt in Wikipedia ein Kapitel zu den Tiroler Dialekten: Südtirolerisch. Außerdem zum Nachschlagen: Das Südtiroler Dialekt-Wörterbuch.

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Danke. Schön, dass wir einen Insider hier haben. "keine journal. Glanzleistungen" Gemessen an der deutschen Presse die du liest? Oder habt ihr da auch schon eine Berlusconisierung der Medienlandschaft? Seid ihr bei der Wahl des ital. Parlaments stimmberechtigt oder nur für das südtirol. Landesparlament? –  Hauser Sep 17 '11 at 10:28
    
@Hauser wie eben regionale Blätter so sind... die eine Tageszeitung hat quasi das Monopol und berichtet eher konservativ und tendenziös, die andere ist reißerisch und arbeitet unter der Gürtellinie. Als italienische Staatsbürger wählen wir auch bei den ital. Parlamentswahlen; Südtirol hat als autonome Provinz allerdings viele Kompetenzen vom Staat übernommen und genießt somit eine Sonderstellung (wie einige andere ital. Provinzen). –  splattne Sep 17 '11 at 10:45
    
Ihr habt noch die Superworte "zuscht, ebbes, lei, inni, obi, aui, garling und firi" vergessen. Das ist so der südtiroler Alltagswortschatz (eine in Südtirol lebende deutsche Deutschlehrerin mit Kulturschock;-)) –  user2108 Oct 31 '12 at 17:06
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