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Ich habe mal gehört, dass das "Hause" in "zu Hause" ein Lokativ ist.

Gibt es noch andere Überbleibsel von ungewöhnlichen grammatischen Fällen im Deutschen?


Does German contain relics of other grammatical cases than the four usual ones?

I have heard that "Hause" in "zu Hause" (=at home) is a locative.

Are there any other residues of unusual grammatical cases in German?

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Uh... gute Frage. Es gibt generell diese Form mit "zu" (zu Hause, zu Pferde, Tische, etc.) aber ansonsten fällt mir nicht so richtig was ein. –  Hellenologophilist May 25 '11 at 15:50
    
Was meinst Du mit ungewöhlichen Fällen? –  bjoernz May 25 '11 at 15:56
    
Ist auf dem Lande auch ein Lokativ? –  ogerard May 25 '11 at 15:58
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Wie im Titel erkenntlich, meine ich damit Fälle, die nicht erster bis vierter Fall sind. In anderen Sprachen sind das etwa Lokativ und Vokativ. –  Phira May 25 '11 at 15:59
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Ausgezeichnete Frage (+1) –  Sean Patrick Floyd May 25 '11 at 17:03
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Middle High German used to have traces of an Instrumental case, used or discernible only with neutral nouns after prepositions like von und zu (ze) instead of dative. It would give von diu instead of von dëm (diu was the form for the modern die). It seems to have been assimilated completely into dative.

I have not found traces of its use in my documentation in Modern High German, so I believe the answer to the OP's question is no.

EDIT: I believed to have an example of Middle High German instrumental to show but it was a mistake with a plural form.

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Shouldn't it be "von der"? My Middle High German is a bit rusty, but if you start out with von diu which I have only ever seen together with a feminine word, then the correct dative would be von der (with or without weird e). –  fifaltra Dec 30 '13 at 9:16
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In der indogermanischen Ursprache gab es sehr wahrscheinlich den Vokativ (auch Anredefall). Darunter versteht man ein spezielle Form eines Nomens, die verwendet wird, um jemanden direkt anzusprechen oder anzurufen.

Dazu im Wikipedia-Artikel:

Auch Sprachen, welche keinen morphologischen Vokativ aufweisen, können vokativische Strukturen in ihrer Nominalphrase ausbilden.

Dies ist etwa im Deutschen der Fall, wo im Vokativ der Nullartikel gesetzt wird: Da ein Appellativum wie z.B. Gast in einer Prädikatphrase (also einem Satz mit Verb) für gewöhnlich nicht ohne Artikel steht (außer vor als), ergibt sich aus der artikellosen Verwendung (bzw. der Verwendung mit Nullartikel) eine Vokativphrase, welche üblicherweise mit einem Adjektivattribut angereichert wird. Dieses Attribut begleitet das Kopfnomen stets in seiner unbestimmten Form: Ø lieber Gast!

In der süddeutschen Umgangssprache und in den oberdeutschen Dialekten ist diese Art der Vokativphrase viel häufiger, da hier auch Eigennamen von Personen in der Prädikatphrase den bestimmten Artikel mit sich führen: Das ist der Peter. Aber: Lieber Peter!

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So habe ich das bisher nicht gesehen. –  Phira May 25 '11 at 16:00
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"Zu Hause" is a case of the "Dativ-e":

It used to be that e was appended to the dative singular of nouns whose genitive singular ends in "es", some of which has carried over into everyday speech:

  • Am eigenen Leibe
  • Im diesem Sinne

In addition to its idiomatic use this is still very common in legal texts, but it's not a different case. Similarly, nouns ending in e got an n appended to them (in der Hütten - which is still standard Austro-Bavarian), and female nouns ending in er got an extra n (auf der Leitern).

An argument could also be made that we are drifting towards losing the genitive and the dative over time. Take for instance a sentence like "Ich nahm mich seiner an", which is now uncommon.

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Es gibt auch den versteinerten Genitiv, wie z.B. "der Erlkoenig hat mir ein Leids getan". –  Jules Sep 12 '11 at 14:28
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Das steht in jedem Lehrbuch:

Wer? Was? - erster Fall (Nominativ)

Wer sitzt im grünen Auto? Hans sitzt im grünen Auto.
Was ist in dieser Suppe? Salz ist in dieser Suppe.

Wessen? - zweiter Fall (Genitiv)

Wessen Schuh ist das? Das ist Manitus Schuh. oder: Das ist der Schuh des Manitu.

Wem? - dritter Fall (Dativ)

Wem habe ich das zu verdanken? Das hast du deinen Eltern zu verdanken.

Wen? - vierter Fall (Akkusativ)

Wen hat der Gärtner vergiftet? Der Gärtner hat die Gräfin vergiftet.


Aber da wird's knifflig:

Die folgenden Beispiele werden im Deutschen mit Hilfe einer Präposition und einem der vier "normalen" Fälle gebildet. Es handelt sich also jeweils um eigene, feststehende Konstruktionen. In anderen Sprachen gibt es dafür ebenfalls eigene Konstruktionen, die aber in den Rang eines Falls (Kasus) erhoben sind.

Wo? - das ist in vielen Sprachen der Lokativ

Wo ist Anna? Anna ist im Haus. (im = in dem) [in + Dativ]

Wohin? - Allativ

Wohin gehst du? Ich gehe zum Ausgang. (zum = zu dem) [zu + Dativ]

Womit? - Instrumentalis

Womit hast du dieses Loch gegraben? Ich habe das Loch mit einer Schaufel gegraben. [mit + Dativ]

Wann? - Temporalis

Wann ist Lisa heimgekommen? Lisa ist um 18:23 heimgekommen. [um + ? Dativ?]
Wann wurde Florian geboren? Florian wurde am 19.4.1982 geboren. [am + ? Dativ?]

Vokativ (Wie fragt man nach dem Vokativ?)

Sehr geehrter Herr Maier, wie geht es Ihnen? [sehr geehrte(r) + Nominativ]

Ich denke, diese Liste ließe sich beliebig fortführen.


Noch eine Anmerkung, gehört nicht mehr 100%ig zum Thema:
Einige deutsche Dialekte verwenden andere Fälle als die hochdeutsche Sprache. Meine "Muttersprache" ist ein oststeirischer Dialekt (ein Dialekt aus der Familie der donaubairischen Dialekte), den ich heute aber kaum noch spreche. In diesem Dialekt gibt es keinen Genitiv. Alles, was im Hochdeutschen mit einem Genitiv gesagt wird, wird in diesem Dialekt durch den Dativ und ein Personalpronom ausgedrückt.

Hochdeutsch: Wessen Tasche ist das? Das ist Martins Tasche.
Dialekt (mit hochdeutschen Vokabeln): Wem seine Tasche ist das? Das ist dem Martin seine Tasche.
Dialekt (mit Dialekt-Vokabeln): Wem sei Toschn is des? Des is m Martin sei Toschn.

Dafür gibt es im selben Dialekt noch Reste des Duals, die es in dieser Form im Hochdeutschen nicht mehr gibt:

Singular: Griaß di! - (ich) grüße dich!
Dual: Griaß enk! - (ich) grüße euch! (Wenn man ein Paar begrüßt, nicht aber für zwei Einzelpersonen verwendbar)
Plural: Griaß aich! - (ich) grüße euch! (Für mehr als zwei Personen und auch für zwei Einzelpersonen die kein Paar sind)

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Die Formulierung auf Erden aus dem Vater unser dürfte noch ein Beispiel für den Lokativ sein.

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Ich denke nicht, dass Hause in zu Hause in einem Lokativ steht. Ich gehe eher davon aus, dass du 'Ich geh Heim' gemeint hast. Dort fehlt die Präposition, was ein Hinweis auf eine alte Fallform sein könnte. 'Alte' Fallformen sind immer dort zu vermuten, wo Präpositionen unterlassen werden.

In Schweizer Dialekten gibt es dies durchaus.

Beispiele:

Deutsch: Das Zuhause, Heim. Ich gehe nach Hause. Ich bin zu Hause.
Berndeutsch: Ds Heim, Dahei. I ga Hei. I bi Deheime.

Die Formen Hei und Daheime entalten Richtungs- bzw. Ortsinformationen ohne Nutzung von Präpositionen. Die Fälle könnte man als Illativ bzw. Inessiv bezeichnen.

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Im Saarländischen gibt es das übrigens auch: "Ich geh hemm." oder auch "Ich bin dehemm". Wobei "das Zuhause" einfach "dehemm" ist. –  swegi May 26 '11 at 5:52
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Heimgehen ist Hochdeutsch (genauso wie heimkehren, heimkommen, heimreisen). Hierbei ist heim- ein Präfix, kein Nomen. Auch "daheim" findet sich im Duden und im Wiktionary, als Adverb und kleingeschrieben, begleitet von dem Vermerk "besonders süddeutsch, österreichisch, schweizerisch". –  RegDwight May 26 '11 at 10:07
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