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Im Fraktursatz gibt es zwei Arten des Buchstabens "s": "s" (das runde s) und "ſ" (das lange s). Das ß ist im Fraktursatz eine Ligatur aus ſ und z. (Also ß = ſz). Im Gegensatz zum Englischen wird dieses im Deutschen nach semantischen anstatt graphischen Regeln gesetzt.

Im Duden stehen Regeln für die neue Rechtschreibung. (Die im Übrigen etwas merkwürdig sind, so wird z. B. das "dass" "daſs" geschrieben...) Aber welche Regeln gelten für die alte Rechtschreibung?

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Die Frage ist nicht so recht sinnvoll: das lange ſ ist eine typografische Konvention, die es zudem nur in der Fraktur gibt. Mit Sprache hat das nichts zu tun (auch wenn, wie Du korrekt bemerkt hast, semantische Regeln über den Satz bestimmt haben), und da Fraktur nicht mehr üblich ist, ist auch das lange ſ ausgestorben. –  Konrad Rudolph May 25 '11 at 19:51
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@Konrad Rudolph Lt. Duden gibt es Regeln zur Benutzung des langen s (Ich habe nur eine 26. Auflage, daher nur für neue Rechtschreibung). Es ist somit nicht nur Konvention sondern auch den Regeln der deutschen Rechtschreibung unterworfen. –  Hellenologophilist May 25 '11 at 20:00
    
@user unknown Dem muss ich entgegentreten. Jede Sprache (und jede Form der Rechtschreibung) hat eigene, möglicherweise andere Regeln für die Setzung des ſ, die Trennung von Ligaturen und weiteren typographischen Konventionen im Fraktursatz. Ich möchte wissen, inwiefern es Unterschiede zwischen alter und neuer Rechtschreibung gibt. –  Hellenologophilist Mar 9 '13 at 13:13
    
@userunknown Die Frage ob man s oder ſ setzt ist je nach Sprache und Rechtschreibung eine typographische (Englisch) oder semantische (Deutsch). Da sich einige Semantiken (z.B. Silbentrennung) mit der Rechtschreibreform geändert haben, ist es schon wichtig, die Rechtschreibreform zu betrachten. –  Hellenologophilist Mar 9 '13 at 18:28
    
@user unknown: Das ist schlichtweg falsch: Das lange ſ kann für jedes Phonem stehen, für das heute ein s genutzt wird. Lediglich das runde s kann nicht für einige Phoneme stehen, was aber eher Nebenprodukt als Wesen der Regeln ist. Mehr dazu hier. –  Wrzlprmft Mar 9 '13 at 22:21
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In den Regeln der Orthographischen Konferenz von 1901 zur Schreibung der S-Laute steht folgendes:

  1. ſ steht außer zur Bezeichnung des weichen S-Lautes ferner ohne Rücksicht auf die Aussprache
    • im Anlaut der Nachsilben -sel, -sal, -sam.
    • im Inlaut nach Mitlauten.
    • vor einem zur Stammsilbe gehörigen p und t sowohl im Anlaut [...], als auch im Inlaut und Auslaut.
  2. ſz steht zur Bezeichnung des harten S-Lautes
    • im Inlaut nur nach langem Selbstlaut.
    • im Auslaut aller Stammsilben, die im Inlaut mit ſz oder ſſ zu schreiben sind.
  3. ſſ, die Bezeichnung für den doppelten harten S-Laut, steht nur im Inlaut zwischen zwei Selbstlauten, von denen der erste kurz und betont ist.
  4. s steht nur im Auslaut, und zwar
    • aller Stammsilben, die im Inlaut mit ſ geschrieben werden. [...] Jedoch bleibt das inlautende ſ vor einem t der Biegung.
    • aller Endungen, auch der Nachsilbe -nis.
    • solcher Wörter, die vor einer mit einem Selbstlaut beginnenden Nachsilbe nicht vorkommen.[...] Man unterscheidet das als Geschlechts- und Fürwort und daß als Bindewort.
    • in Zusammnesetzungen.

In lateinischer Schrift steht s für ſ und s, ss für ſſ, ß für ſz; für ß tritt in großer Schrift sz ein.

Hier online ein Faksimile der Originalregeln inklusive der oben gekürzten Beispiele und in Fraktur gesetzt.

Bereits 1901 ist also festgehalten, dass das lange 'ſ' nur im Fraktursatz verwendet wird, und in der lateinischen Schrift nicht vorkommt.

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Das Problem ist, dass diese Regeln viele Fremdworte nicht abdecken oder für sie falsche Ergebnisse liefern. Ein paar Beispiele aus der Wortliste der verlinkten Regeln: Maske (rundes s im Inlaut), Diſziplin (langes s als scharfes s im Inlaut nach Selbstlaut, ohne das p oder t folgen), Disput (rundes s als scharfes s im Inlaut nach Selbstlaut, gefolgt von p), Pſalm (scharfes s im Anlaut). –  Wrzlprmft Mar 11 '13 at 1:15
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Schon vor der letzten Rechtschreibreform war das lange s nur noch im Fraktursatz vorgesehen (siehe Deutsche Rechtschreibung im 19. Jahrhundert).

Die allermeisten Fälle lassen sich mit den folgenden Regeln abdecken:

  1. Das runde s steht am Ende sinntragender Einheiten von Wortbestandteilen, wie Wörtern oder Vorsilben, sofern sie nicht verbunden mit dem nachfolgenden Wortbestandteil gesprochen werden (wie z. B. in Leſung).
  2. Das runde s steht zudem im Silbenauslaut, wenn es weder Bestandteil eines Polygraphen (z. B. ſch oder ſſ) ist noch der folgende Buchstabe p, t oder z ist.
  3. In allen anderen Fällen steht das lange s.
  4. Auslassung eines tonlosen e haben keine Auswirkung auf die s-Schreibung (z. B. in unſre = unſere).

In ein paar Fällen ist jedoch nötig, die genaue Etymologie des Wortes o. Ä. zu kennen, um über die s-Schreibung zu entscheiden, wie z. B. bei Aſbeſt (von α-σβεστος).

Ausführliche Beispiele finden sich unter anderem im Wikipedia-Artikel „Langes s“ oder bei Typographie.info.

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Dann sag mir mal bitte, warum der Duden in der 26. Auflage immernoch Regeln zum korrekten Gebrauch von langem und kurzem s enthällt, wenn diese doch schon längst abgeschafft worden sind? Im Fraktursatz (Und darauf bezieht sich meine Frage) hast du gar keine andere Möglichkeit, als ſ und s zu unterscheiden. –  Hellenologophilist May 25 '11 at 17:52
    
Mh. Mir war nicht klar, dass sich die Rechtschreibung mit der Typographie ändert. Sind die Regeln in dem Wikipedia Artikel denn die, nach denen du suchst? –  Stefano Palazzo May 25 '11 at 18:11
    
“Es wird nur dann verwendet, wenn es in Eigennamen vorkommt” – mir ist kein Eigenname bekannt, in dem ein langes ſ vorkommt – hast Du ein Beispiel? –  Konrad Rudolph May 25 '11 at 19:50
    
Es scheint wirklich selten. Dieses Bild taucht im Wikipedia Artikel auf; Ich würde wetten, die meisten jener Eigennamen sind Marken– oder Personennamen (und nicht unbedingt die, lebender Personen). –  Stefano Palazzo May 25 '11 at 20:06
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Das mit den Eigennamen ist nicht richtig: Ob ſ/s oder ausschießlich s verwendet wird, hängt nur davon ab, ob gebrochene Schriften oder Antiqua benutzt werden. Früher, v. a. in der Frühzeit des Buchdrucks, benutzte man ſ auch im Antiquasatz und hin und wieder tut man das immer noch, etwa um einen gestalterischen Effekt zu erzielen (wie im Bild) oder um ältere Texte buchstabengetreu wiederzugeben. In jeder Quellenangabe heißt es "Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte", z. B. hier. –  Florian Dec 2 '11 at 14:21
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Das Zeichen (von einem "Buchstaben" zu sprechen ist nicht korrekt) wird meines Wissens im modernen Deutsch der letzten Jahrzehnte nicht mehr verwendet.

Es wird nicht in Schulen gelehrt. Weiters ist das Zeichen auf handelsüblichen Computertastaturen nicht aufgedruckt.

Nach den verbindlichen amtlichen Rechtschreibregeln von 2006 ist das lange 'ſ' kein gültiger Buchstabe. Eventuelle Regeln sind allenfalls historisch zu betrachten.

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Zumindest unter Linux: [AltGr] [s] ergibt ſ. –  Hellenologophilist May 26 '11 at 9:00
    
Das Neo-Tastaturlayout enthält auch das lange s. –  Wrzlprmft Mar 8 '13 at 22:05
    
Computertastaturen unterstützen alle und kein Zeichen gleich. Sie senden einen Tastaturcode, und Software entscheidet dann, wie dieser zu interpretieren ist. Die aufgedruckten Zeichen bedeuten gar nichts. –  user unknown Mar 9 '13 at 18:17
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Die Verstimmung könnte daher rühren, dass in der Frage explizit nach den Regeln der alten Rechtschreibung gefragt wurde. –  Wrzlprmft Mar 9 '13 at 21:36
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@Wrzlprmft Okay, stimmt. Darauf bin ich in der Antwort nicht eingegangen. Ich wollte in meiner Antwort Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, erklären, dass die Rolle des Zeichens z. B. nicht den Stellenwert des "ß" hat. –  splattne Mar 10 '13 at 9:23
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Das runde s wird am Silben- / Wortende benutzt. Sonst schreibt man das lange s.

Also z.B. Haus mit rundem s und Gaſthof mit langem s.

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Also das ist zu dem Griechischen Sigma (σ,ς) ähnlich. –  Mark C May 25 '11 at 21:30
    
Das ς wird ausschließlich am Wortende verwendet. –  Hellenologophilist May 26 '11 at 8:59
    
Dass das runde s genau am Silbenende auftaucht, liest man zwar häufiger, ist aber falsch. Das lange s kann ebenfalls am Silbenende stehen, und zwar wenn ein ſ, t, p oder z folgt (laſſen, laſten, raſpeln, Diſziplin). In seltenen Fällen kann das runde s auch vor dem Ende der Silbe stehen, z. B. in grotesk. –  Wrzlprmft Mar 8 '13 at 22:04
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Auf jeden Fall kommt man als Deutscher auch gut zurecht, wenn man diese typografische Variante nicht anwendet.

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