Take the 2-minute tour ×
German Language Stack Exchange is a question and answer site for speakers of German wanting to discuss the finer points of the language and translation. It's 100% free, no registration required.

Es gibt in deutschen zwei phonetisch sehr ähnliche Ausrufewörter (Interjektionen): o und mit Dehnungs-h: oh.

Beispiele:

O du fröhliche (Weihnachtslied)

Oh, das tut mir leid!

Gibt es einen Unterschied in der Verwendung und/oder in der Bedeutung der beiden Wörter oder sind die beliebig austauschbar?

share|improve this question
    
Trotz der Bedeutungsgleichheit schlage ich vor "oh" zu verwenden. Zum einen fragt man sich dann nicht, ob ein Schreibfehler vorliegt, da es nur sehr wenige einbuchstabige Wörter im Deutschen gibt (mir fällt überhaupt keins ein ;). Zum anderen läuft der Leser nicht Gefahr den Buchstaben "O" mit der Zahl "0" (Null) zu verwechseln. Auch wenn das in Deinem Beispiel unwahrscheinlich ist :) –  John Smithers Jan 2 '12 at 16:22
    
@JohnSmithers Ich bin mir nicht sicher, ob O schöne Frau! und Oh schöne Frau!" nicht verschiedene Dinge vermitteln. "oh" drückt für mich Überraschung (oder ähnliche Gefühle) aus, während "o" eine Art Huldigung vermittelt. Oder bilde ich mir das nur ein? –  splattne Jan 2 '12 at 16:31
    
@JohnSmithers PS: Im Englischen gibt es anscheinend den Unterschied: weblogs.baltimoresun.com/news/mcintyre/blog/2011/03/uhoh.html –  splattne Jan 2 '12 at 16:33
add comment

4 Answers

up vote 5 down vote accepted

Der Unterschied ist semantisch und grammatikalisch:

Oh, stets mit einem Komma vom Rest des Satzes getrennt, ist eine Interjektion und wird als Ausdruck der Überraschung, Erkenntnis etc. (unwillkürlich) verwendet. ("Oh, das wusste ich nicht!", "Oh! Das tut mir leid.")

O, stets in Verbindung mit einem weiteren Wort ohne Komma dazwischen, ist eine Exklamation, ein (bewusster) Ausruf, eine Anrufung usw. ("O nein!", "Vergib mir, o Herr!")

Eine Gemeinsamkeit besteht darin, dass beides mit einem Ausrufezeichen abgeschlossen wird.

Da das heutige Sprachverständnis generell, auch in akademischen Kreisen, ein unreflektiertes ist, wird 'oh' oftmals (fälschlicherweise) synonym zu 'o' verwendet, welches heute kaum noch einer kennt. Der Rechtschreibduden ist übrigens seit 1996 nicht mehr verbindlich und das ist bei seinem rapiden Qualitätsverlust aus sprachwissenschaftlicher Sicht ein Segen.

share|improve this answer
    
+1 für "stets in Verbindung mit einem weiteren Wort ohne Komma dazwischen" –  fifaltra Jan 1 at 23:14
add comment

Es gibt also keinen Unterschied zwischen den beiden in Bedeutung oder Aussprache. In Verbindung mit anderen Wörtern wird's oft ohne "h" geschrieben.

(Duden entry for "oh")

share|improve this answer
    
Hmm, mir kommt aber O, ich habe mich verwählt. seltsam vor. Kann ich das wirklich verwenden? –  splattne Jan 2 '12 at 9:22
    
Nach Duden, ja. Ich finde auch vielleicht öfter "O je" aber "Oh, das habe ich verpasst" aber beide Formen sind technisch zulässig. –  Kevin Jan 2 '12 at 9:41
    
Da bin ich anderer Meinung. Oh ist eine Interjektion, die in einen Satz eingefügt wird. O - richtig verwendet - ist immer Teil einer Anrede/Anrufung: O Heiland, reiß' die Himmel auf...O Erd', schlag' aus, schlag aus, o Erd'! –  dervonnebenaan Nov 17 '13 at 0:38
add comment

Wie der Duden-Link in Kevins Antwort ausführt, wird das einzelne "O" meist in Verbindung mit anderen Wörtern geschrieben. Der Ursprung könnte aus Anrufungen wie "O Herr" oder "O Jesu" stammen, wo das "O" als Zusatz zum lateinischen Vokativ Verwendung fand und in der Übersetzung überlebte.

Diese Ausdrücke werden auch oft als Ausruf der Überraschung verwendet. Diesen Ausruf verkürzte man dann auf ein einfaches "O". Und da einbuchstabige Wörter im Deutschen nicht gebräuchlich sind, wurde daraus "Oh".

Man könnte damit einen Bedeutungsunterschied konstruieren, daß "O Gott" bei der Anrufung/beim Gebet verwendet wird und "Oh Gott" beim überraschten Ausruf. Ich halte diese Unterscheidung aber nicht für weitläufig bekannt und kenne niemanden, der sie verwendet.

Für eine ausführliche Behandlung des Themas empfehle ich den Belles-Lettres-Artikel.

share|improve this answer
    
Der Link ist toll, aber irgendwie sagt er etwas anderes als diese Antwort und eher das, was die anderen Antworten aussagen. –  fifaltra Jan 1 at 23:13
add comment

Du selbst zeigst in deinen Beispielen schon den Unterschied:

O du fröhliche Weihnachtszeit... = direkte Anrede der Weihnachtszeit

O entstammt dem lateinischen und griechischen Vokativ. Es war damals zur direkten Anrede zwingend erforderlich. Heute findet man es noch in alten Kirchenliedern und in der Poesie.

Dagegen:

Oh, das tut mir leid! = Interjektion, Ausruf

Der typische, heute noch ständig verwendet Ausruf zur Betonung von Überraschung (oder Sarkasmus).

share|improve this answer
add comment

Your Answer

 
discard

By posting your answer, you agree to the privacy policy and terms of service.

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.