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Immer wieder verwende ich beim Schreiben Ausdrücke aus der sogenannten "Umgangssprache". Auch hier bei uns wurde "Umgangssprache" und "umgangssprachlich" schon mehrfach genannt. Eine klare Definition dessen, was Umgangssprache und was Standardsprache sind, fehlt mir aber.

Bei vielen Wörtern und Ausdrücken mag es vielleicht unstrittig sein, dass sie nicht in die hochdeutsche Standardsprache gehören. Manchmal ist das aber nicht so klar. Hier ein Beispiel:

langen Verb
Gebrauch: umgangssprachlich (Duden, DWDS)

Das mag für Sätze wie

"Mir langen meine Vorräte noch bis Montag. Der Zopf langt bis an den Boden. Er hat ihm eine gelangt"

auch zutreffen. Was ist aber in einer Konstruktion wie dieser:

Der Schiffbrüchige langte nach einer vor ihm treibenden Planke.

Wer definiert, was Standardsprache und was Umgangssprache ist? Wo liegen die Grenzen? Gibt es Gründe für eine solche Trennung? Sollte man und - falls ja - wann sollte man Umgangssprache meiden?

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Ich lang dir gleich eine, solche Fragen zu stellen. ;) –  John Smithers Feb 9 '12 at 13:17
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Mir langt auch eine schöne Antwort. –  Takkat Feb 9 '12 at 13:28
    
Ist ziemlich Sueddeutsch. Also Umgangssprache in einem bestimmten Dialektraum. –  Jules Feb 9 '12 at 16:54
    
@Jules: guter Einwand. Das Beispiel langen war allerdings nur, um zu zeigen, dass es evtl. auch eine Verwendung außerhalb der (von mir so gefühlten) Umgangssprache gibt, auch wenn sie so von Duden nicht vorgesehen ist. Siehe auch meine weiteren Beispiele im Kommentar zur Antwort unten. –  Takkat Feb 9 '12 at 19:56
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2 Answers

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Laut dem Tutorium "Einführung in die Sprachwissenschaft" von Patrick Bal (TU Darmstadt) gelten (unter anderen) folgende Merkmale:

Standardsprache:

  • überregional
  • stark normiert (Aussprache, Rechtschreibung, Grammatik)
  • in der Schule vermittelt (stellt i. d. R. nicht die primäre Sprachform im Spracherweb dar)
  • "flexible Stabilität" (widerstandsfähig gegenüber Veränderunge, trotzdem anpassbar an neue Situationen)

Umgangssprache:

  • unscharf definiert und daher umstrittener Begriff in der Sprachwissenschaft
  • Begriff bezieht sich auf den heterogenen Bereich von Sprachvarietäten zwischen überregionaler Standardsprache und kleinräumig gebundenen Dialekten
  • Umgangssprache ist in diesem Sinne eine "Ausgleichsvarietät" zwischen Standardsprache und den Dialekten; sie beinhaltet in unterschiedlicher Gewichtung Elemente der Standardsprache und des Dialekts

Daraus schlussfolgere ich, dass die Standardsprache zu einem großen Teil normiert ist (siehe Rechtschreibreform) und sich in ihr die überregionalen Verwendungen niederschlagen.

Umgangssprache jedoch enthält weit verbreitete (aber nicht überregionale) Abweichungen von der Standardsprache. Wenn man also vom Standard abweicht und "ich lang Dir eine" sagt, dann ist das Umgangssprache, sonst würde ich Dir eine runterhauen ;)

Also: immer wenn im Duden "umgangssprachlich" steht, bedeutet das "regionale Abweichung der Standardsprache".

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Was machen wir aber mit den überregional gültigen Wörtern, die ebenso wie die Standardwörter sogar den "offiziellen" Rechtschreibregeln des "Rates" unterworfen sind? Beispiele: sündhaft teuer, etwas ausbaden, ein mulmiges Gefühl, ein Junge, dran für daran, herumkommen, Kumpel, sich verhaspeln ... (endlose Liste). +1 nur für umstrittener Begriff ;) –  Takkat Feb 9 '12 at 19:57
    
@Takkat: Wenn Du mein "überregional" unbedingt auf die Goldwaage legen willst, dann nimm die Formulierung mit der "Ausgleichsvarietät" ;) Ich empfehle auch dem Link zu folgen und die anderen aufgeführten Punkte zu beachten. Ich habe mir einige Kürzungen erlaubt. (Wenn die kein Copy/paste erlauben, dürfen sie sich nicht wundern, dass sie nicht richtig zitiert werden) –  John Smithers Feb 9 '12 at 20:02
    
Das Konzept der "Ausgleichsvarietät" und Folgendes bestärkt mich darin, dass die Unterteilung völlig willkürlich vorgenommen wird. –  Takkat Feb 9 '12 at 20:10
    
Wie kommst Du denn darauf, @Takkat :) –  John Smithers Feb 9 '12 at 20:11
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Was die Definition angeht, gibt es zumindest beim üblichen Verdächtigen etwas zur Umgangssprache im Gegensatz zur Standardsprache.

Was die Grenzen angeht, so sind sie zumindest bei der Umgangssprache nicht festgelegt, sondern richten sich wie der Begriff schon sagt nach dem alltäglichen Umgang damit.

Gründe für eine Unterscheidung liegen dann einfach darin, dass es Sinn macht, eine einheitliche Regelung für Deutschland und ggf. den gesamten deutschsprachigen Raum zu haben, es aber immer reginonale Sitten und Gebräuche geben wird.

Ein gutes Beispiel ist der Gebrauch des Präteritums. In einem Buch liest man

Peter sagte mir, er habe Hunger.

Die meisten Deutschen würden das aber als "gestelzt" ansehen beim sprachlichen Gebrauch und eher etwas sagen wie

Peter hat mir gesagt, er hat Hunger.

Das gleiche gilt aber auch für die in der Frage genannten unterschiedlichen Bedeutungen eines Wortes. Wenn langen schon laut Duden mehrere Bedeutungen haben kann, so gibt es in der Umgangssprache noch deren mehr.

Bezüglich des letzten Punkts aus der Frage gilt wie immer bei Kommunikation der Kontext und die Personen, die daran beteiligt sind. Den selben Satz sage ich anders, wenn ich ihn in einer Rede ausspreche oder zu Hause sage und wenn ich ihn meinem Chef oder meinem Kumpel sage.

Als Fazit würde ich formulieren: Umgangssprache ist etwas, das sich aus dem alltäglichen Gebrauch bildet und vielen Einflüssen und Veränderungen unterworfen ist und man in der alltäglichen Kommunikation benötigt. Standardsprache ist der Versuch, aus den vielen Möglichkeiten eine Einheitlichkeit herzustellen, die man vor allem in der Schriftsprache und in offiziellen Kommunikationen benötigt.

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