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In der heutigen Heute-Sendung um 19:00 Uhr und der anschließenden Diskussionsrunde wurde gefragt:

"Wer traut sich jetzt noch Präsident?"

d. h., das "… zu werden" wurde verschluckt, bzw. Präsident wird wie ein Verb im Infinitiv behandelt "Wer traut sich (angesichts der Krokodile) zu schwimmen". Ein Versehen ist ausgeschlossen – der Titel der Maybrit-Illner-Sendung trägt den Satz als Untertitel im elektronischen Programmführer und auch im Videotext.

Bereits in Bundestagswahlkämpfen wurde gefragt: "Wer kann Kanzler", so dass man sich fragen könnte "Wer kann Deutschlehrer" – ich will jedoch wissen, ob dies die erste Missgestaltung dieser Art war, oder ob dem ein Schlager, ein Werbespruch oder eine andere populär gewordene Wendung gleicher Bauart vorausging.

Eine wörtliche Übersetzung eines englischen Satzbaus erkenne ich nicht, frage mich aber, ob es in der Jugendsprache vielleicht zuerst hip war, so zu verkürzen.

Muss man befürchten, dass über die häufige Verwendung dies ebenso zur Regel wird wie das Verschwinden des Genitivs?

Die eigentliche Frage ist aber die erste: Was ist die Urform dieses Musters?

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@JohnSmithers this made my day: "Ich sollte beschließen, meine Sätze auch nicht mehr vollständig und schon gar nicht zu Ende!" –  Em1 Feb 19 '12 at 20:37
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Auch in der Literatur gibt es was ähnliches: "Dem Tod die Toten." von Frank Schätzing: german.stackexchange.com/questions/2238/… –  hmundt Feb 21 '12 at 2:06
    
@hmundt: Welches Verb ist hier verschluckt? –  user unknown Feb 21 '12 at 2:24
    
@user unknown: "Lass…" (Imperativ) oder "…gehören…" könnte hier verschluckt… –  hmundt Feb 21 '12 at 2:47

2 Answers 2

Dazu gibt es im letzten Spiegel (7/2012) einen passenden Essay: Linguist Uwe Hinrichs über den Einfluss der Migranten auf die deutsche Sprache.

Zusammengefasst: Die Sprache wandelt sich und in den letzten Jahren wandelt sie sich stärker, weil es in Deutschland viele Migranten gibt. U.a. vereinfacht sich die Grammatik.

Ausschnitt:

Das Erste, was eine Sprache verliert ist das, was sie für einfache Kommunikationszwecke mit fremden Sprechern am allerwenigsten benötigt: Das sind die Fälle, die Endungen und die Regeln der Verknüpfung.

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Gibt es denn Sprachen, aus denen das eine wörtliche Übersetzung sein könnte? Haben Journalisten so intensiven Migrantenkontakt, dass sie deren Sprache übernehmen? –  user unknown Feb 20 '12 at 6:32
    
Der Artikel Kanzler muss kein Komma können behandelt das Thema auch am Rande, liefert aber keine Ursprungstheorie, bis auf "in enger Anlehnung an den eigenwillig stakkatohaften Münte-Sprech". –  hmundt Feb 21 '12 at 0:05

Es klang zwar in der Frage und in manchen Kommentaren schon an, aber eben auch nicht mehr: zumindest was den Sprachgebrauch der Berliner Politik (und der darüber berichtenden Medien) betrifft, geht das Muster auf Franz Müntefering zurück.

Dieser sagte in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" im April 2006 über den damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck:

Dass er ein guter Mann ist, der Kanzler kann, ist ganz klar.

2009 äußerte er sich offenbar in ähnlicher Weise über Frank-Walter Steinmeier. Da hatte das ZDF die Formulierung aber schon aufgegriffen für seine Casting-Show "Ich kann Kanzler!" (2012 neu aufgelegt), und das Wort war in aller Munde, wie man an diesem Artikel aus der Main-Post oder diesem aus der Süddeutschen Zeitung sehen kann.

Ob Müntefering in dem Interview bewußt oder unbewußt selbst auf Vorlagen für diese Formulierung zurückgegriffen hat, kann ich nicht sagen.

"Wer traut sich jetzt noch Präsident?" verstehe ich als Anspielung des ZDF (mit leicht selbst-ironischem Unterton) auf dieses geflügelte Wort. Es ging nun nicht mehr darum, wie bei der Kanzlerfrage, wer sich bzw. wem man zutraut, das Amt auszuüben und es auszufüllen, sondern darum, wer es (unter den damaligen Umständen) überhaupt wagt, das Amt des Bundespräsidenten anzustreben.

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