Der Kluge (24. Aufl., 2002) sagt:
gemein (...) (8. Jh.), mittelhochdeutsch gemein(e), althochdeutsch gimeini, altsächsisch gimEni. Aus germanisch
ga-maini, "allgemein", auch in gotisch gamains, altenglisch gemäne, altfranzösisch mEne. Genau gleich gebildet ist lateinisch commUnis gleicher Bedeutung (wohl zu lateinisch mUnus "Verrichtung, Aufgabe"). Zugrunde liegt ein (indogermanisch)
moino- "Wechsel, Tausch" (Meineid); Ausgangsbedeutung ist also "worin man sich abwechselt, was einem im Wechsel zukommt". Die
Bedeutungsverschlechterung (die bei Wörtern dieser Sphäre häufig ist)
ist erst neuhochdeutsch. Die Ausgangsbedeutung ist erhalten in dem
Abstraktum Gemeinschaft, die neue Bedeutung speziell in
Gemeinheit. Ebenso neuniederländisch gemeen, neuenglisch mean. Siehe auch Gemeinde, Allmende, handgemein, Meineid und zum
lateinischen Wort immun, Kommune.
"Neuhochdeutsch" heißt also (grob!) ab dem 17. Jahrhundert.
Interessant auch der Wandel von niederträchtig:
niederträchtig (...) (15. Jh.) Zuerst als nidertrechtic "herablassend" zu mittelhochdeutsch sich tragen "sich benehmen"
(also "sich nach unten benehmend"). Im 16. Jh. dazu auch
hochträchtig "hochfahrend". Im 18. Jh. verschlechtert sich die Bedeutung zu "sittlich gemein", wozu dann als Rückbildung das
Substantiv Niedertracht.
Betont kein Wandel auch bei allgemein:
allgemein (...) (12. Jh.) Verstärkung von gemein in dessen ursprünglicher Bedeutung durch all. Bei der
Bedeutungsverschlechterung des Grundworts bleibt die alte Bedeutung
bei allgemein.
Ein paar Beispiele aus dem Neuhochdeutschen wären jetzt noch interessant ...