Take the 2-minute tour ×
German Language Stack Exchange is a question and answer site for speakers of German wanting to discuss the finer points of the language and translation. It's 100% free, no registration required.

Es gibt seltene Varianten, in denen Zahlwörter ein Suffix "-e" erhalten:

Sie streckten alle viere von sich.
Beim Kegeln fielen alle neune.
"Ach, du grüne Neune!"
"Wir treffen uns um Zwölfe."

Mein Eindruck ist, dass dies nur in Redewendungen, umgangssprachlich oder im Dialekt (letztes Beispiel) vorkommt. Stimmt dieser Eindruck und war das früher anders? Welche Regeln stecken (oder steckten) hinter diesen auf "-e" endenden Zahlwörtern?

share|improve this question

2 Answers 2

up vote 12 down vote accepted

Der Duden hilft wie immer. Eine e-Endung deutet, bis auf wenige Ausnahmen (Junge, Kaese u.A.), auf ein feminines Substantiv hin. Zahlsubstantive sind ausnahmslos feminin. Ich nehme an, dass die Endung schlicht verloren ging.

Bei den Zahlwörtern von zwei bis zwölf waren früher bei substantivischem Gebrauch die Formen auf -e durchaus gebräuchlich, heute beschränken sie sich auf Redewendungen wie alle viere von sich strecken, alle neune werfen, fünf[e] gerade sein lassen und auf den Gebrauch in Dialekten (vor fünfe aufstehen, vor zwölfe schlafen gehen). Standardsprachlich ist nur die ungebeugte Form korrekt: Von der Turmuhr schlug es zwölf (nicht: zwölfe). Nur zwei (nicht: zweie) kehrten zurück.

http://www.duden.de/sprachratgeber/beugung-von-zahlwoertern

share|improve this answer
2  
Der Duden Artikel koennte allerdings ein bisschen ausfuehrlicher sein. Es waere zumindest interessant zu wissen, in welchen Dialekträumen das "e" erhalten blieb (mein Gefühl sagt, eher süddeutsch) und wann es aus der Mode kam... –  Jules Mar 26 '12 at 13:16
    
Die Behauptung "Zahlsubstantive sind ausnahmslos feminin" ist falsch. In Österreich heißt es: "Ich habe auf meine Schularbeit einen Einser bekommen." oder "Mit welcher Straßenbahnlinie kommt man in den Prater? - Mit dem Einser." –  Hubert Schölnast Jun 10 '12 at 18:01
    
Vielen Dank fuer den Hinweis zu den Oesterreichischen Dialekten. Wenn ich mich auf den Duden beziehe, dann impliziert das einen Bezug auf das Standarddeutsche. Das "ausnahmslos" bezieht sich somit auf alle Zahlwoerter, nicht auf alle Formen der deutschen Sprache. Also bitte nicht einfach sagen die Behauptung sei falsch. –  Jules Jun 11 '12 at 9:42
    
Ich habe nicht von Dialekten gesprochen, sondern von österreichischem Deutsch. Österr. Deutsch ist kein Dialekt, sondern eine Standard-Varietät der Deutschen Sprache. Der Duden ist seit 1996 kein Standardwerk irgendeiner Sprache mehr. Die in Deutschland gesprochene Varietät der deutschen Hochsprache hat kein Standardwerk mehr. Das amtliche Standardwerk der österreichischen Varietät der deutschen Hochsprache ist das Österreichische Wörterbuch. Dort steht (Ausgabe 39 von 2001, Seite 170): Ein|ser (1er) der, -s/-: die Ziffer 1; einen E. hinschreiben; als Note einen E. (ein Sehr gut) bekommen. –  Hubert Schölnast Jun 11 '12 at 14:00
    
Wikipedia: Österreichisches Deutsch. Beachte den Abschnitt "Zahlen, Uhrzeit": de.wikipedia.org/wiki/Österreichisches_Deutsch - geographische Verteilung der Varietäten der deutschen Sprache ohne Beachtung von Dialekten: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/81/… –  Hubert Schölnast Jun 11 '12 at 14:12

In Österreich jedoch sind die Zahlwörter männlich (und es wird in vielen Fällen die Endung -er angehängt).
-Ich habe einen Einser bekommen. (Schule)
-Sie ist mit dem Fünfer gefahren (Straßenbahn)
[siehe: Das österreichische Deutsch, Robert Sedlaczek, ISBN 3-8000-7075-8, S.89]

share|improve this answer
    
Das Buch von Sedlaczek ist zwar gut, aber warum nicht gleich auf das offizielle, amtliche Standardwerk verweisen? Österreichisches Wörterbuch, herausgegeben vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Seit wenigen Tagen (seit 1.6.2012) in der 42. Auflage erhältlich: ISBN: 978-3-209-07361-7 (Umfang: 1056 Seiten) –  Hubert Schölnast Jun 11 '12 at 14:26

Your Answer

 
discard

By posting your answer, you agree to the privacy policy and terms of service.

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.