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Hier ist ein Zitat aus dem Buch Die Stadt der Träumenden Bücher von Walter Moers:

Es gibt Momente beim Schreiben, wo die Dinge in Fluß geraten und im Fluß bleiben müssen, und das geht nur, wenn man den richtigen Arm benutzt.

Ist dies grammatikalisch korrekt? Sollte es nicht

Es gibt Momente beim Schreiben, in denen...

heißen?

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3 Answers 3

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Der Satz ist m.E. korrekt. „Wo“ kann auch einen Relativsatz zur Temporalbestimmung einleiten: Beispiele bei canoo und im Duden.

EDIT:

Die Formulierung ist seit Langem Bestandteil der höheren Standardsprache und findet sich sowohl in überregionalen Tageszeitungen als auch bei anspruchsvollen Schriftstellern:

(Mehr Treffer etwa von faz.net, sueddeutsche.de oder zeit.de kann sich jeder selber ergoogeln).

  • Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß: „Man muß das Gefühl seines Lebens als eines ruhig Gleitenden in sich erwecken. In dem Momente, wo dies gelingt, ist man dem Tode ebenso nah als dem Leben.

  • Theodor Fontane, Schach von Wuthenow: „Ein gewisser Reiz der Erscheinung ist ihr freilich geblieben, aber es sind immer nur Momente, wo die seltene Liebenswürdigkeit ihrer Natur einen Schönheitsschleier über sie wirft, und den Zauber ihrer früheren Tage wiederherzustellen scheint.

  • Gottfried Keller, Die Leute von Seldwyla: „Es waren nur wenige Momente, wo sie etwas Entscheidendes und Energisches gegen seine junge Selbstaendigkeit unternahm, aber jedesmal zur rechten Zeit und so ploetzlich, einleuchtend und bedeutsam, dass es nie seiner bleibenden Wirkung ermangelte.

  • Christoph Martin Wieland, Oberon: „Als eine, die kaum ihren Augen glaubt, | Steht Rezia, des Athems fast beraubt. | Welch Wunder! ruft sie aus; und just in dem Momente, | Wo nichts als dieß uns beide retten könnte!

  • Friedrich Wilhelm Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches: „Die Religionsstifter unterscheiden sich dadurch von jenen großen Betrügern, dass sie aus diesem Zustande der Selbsttäuschung nicht herauskommen: oder sie haben ganz selten einmal jene helleren Momente, wo der Zweifel sie überwältigt; gewöhnlich trösten sie sich aber, diese helleren Momente dem bösen Widersacher zuschiebend.

  • Robert Walser, Aufsätze („Guten Abend, Jungfer“): „Er bewundert sie ohnegleichen in dem Moment, wo sie sich seinen entsetzlichen Plänen überliefert.

  • Max Brod, Über die Schönheit häßlicher Bilder: „Und dann, in dem Moment, wo er glaubt, diese Frau liebe ihn doch, schmeißt er seine Bücher weg, verschmäht eine Freundschaft, tanzt und bestellt Champagner (genau Champagner!).

  • Victor Hehn, Über Goethes Hermann und Dorothea: „Diese Worte malen aufs glücklichste den Zustand des Himmels und der Erde in dem Moment, wo Gewitterwolken die Sonne zu verhüllen drohen.

  • Johann Wolfgang von Goethe, Faust: Der Tragödie zweiter Teil: „Ehrt den Moment, wo manche Tausend schreiten, | Für oder wider mich zu streiten.

  • Alexander von Humboldt, Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents. Band 3: „Letztere Annahme scheint mir die wahrscheinlichere; denn hält man dem Culex cyanopterus ruhig den Handrücken hin, so ist der Schmerz anfangs sehr heftig, nimmt aber immer mehr ab, je mehr das Insekt fortsaugt, und hört ganz auf im Moment, wo es von selbst fortfliegt.

  • Theodor Mommsen, Römische Geschichte, Buch 3: „Die Schlacht bei Pydna bezeichnet aber auch zugleich den letzten Moment, wo der Senat noch festhält an der Staatsmaxime, wo irgend möglich jenseits der italischen Meere keine Besitzungen und keine Besatzungen zu uebernehmen, sondern jene zahllosen Klientelstaaten durch die bloße politische Suprematie in Ordnung zu halten.

  • Johann Gustav Droysen, Geschichte Alexanders des Grossen: „Ob der Zug des Epiroten Alexandros nach Italien im Einverständnis mit dem makedonischen Könige oder in Rivalität gegen denselben unternommen sein mochte, es gab einen Moment, wo er mit seinen Siegen das Griechentum Italiens sich stolzer denn je erheben zu sollen schien.

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+1 In der Tat. Laut Duden scheint sogar das ist der Mann, wo am Steuer gesessen hat korrekt zu sein. Was ist dann noch falsch? –  Rasmus Sep 9 '12 at 11:23
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Das ist explizit als „landschaftlich salopp, nicht standardsprachlich“ gekennzeichnet, und es ist kein Beispiel für eine Temporalbestimmung. Daher läßt sich das nicht mit Deinem Beispiel vergleichen. Der Bezug des „wo“ in Deinem Beispiel ist „Momente“ - der zeitliche Bezug ist daher offensichtlich. Es geht also nur um die konkrete Frage, ob eine Temporalbestimmung mit „wo“ standardsprachlich zulässig ist. –  tohuwawohu Sep 9 '12 at 11:29
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Der Duden ist auch nur ein Buch (schon die amtliche Rechtschreibung gibt er nicht korrekt wieder). Mir stößt "Momente, wo" in einem literarischen Text sehr auf. Ich denke, dass der Duden hier eine alltagssprachliche Sprechpraxis als Standard verzeichnet (also deskriptiv ist, nicht normativ). Moers' Sprache ist nicht literarisch, sondern ein Mischmasch aus literatursprachlichen Versatzstücken, gesprochener Alltagssprache und Idiosynkrasien. Meiner Meinung nach würde man "Momente, wo" niemals in einer überregionalen Tageszeitung oder bei einem anspruchsvollen Schriftsteller lesen. –  user1914 Sep 9 '12 at 21:10
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Deine Meinung, lieber @what, in allen Ehren - hier liegst Du offensichtlich falsch. Ich habe meine Antwort um ein paar - Deiner Meinung nach sicherlich nicht anspruchsvoller - Schriftsteller und Werkauszüge ergänzt. Wenn man mehr Zeit hätte, könnte man noch viel weiteres zu Tage fördern - aber ich denke, die Auswahl reicht, um die Dinge richtig zu stellen. –  tohuwawohu Sep 10 '12 at 5:29
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Du magst Recht haben, tohuwawohu, und "Moment, wo ist wirklich korrekt. Aber deine Beispiele sind alle veraltet. Schon mal was von Sprachwandel gehört? Niemand heute redet und schreibt wie Goethe. Finde mal Zitate aus der Gegenwart, dann bin ich überzeugt. –  user1914 Sep 10 '12 at 7:01

Marianna Glaßler, Der Moment (http://www.marianne-glasser.de/sites/texte.html)

Der Moment

In dem Moment, in dem. Eigentlich ein ganz normaler Satzanfang, aber es ist der Moment, in dem ich anfange, an meiner Sprache zu zweifeln. Oder aufhöre, mir meiner Sprache sicher zu sein. Also eigentlich eher ein Ende.

Angefangen hat es schon in den Wochen vorher. Immer öfter schlage ich beim Übersetzen Wörter nach, deren Sinn ich sofort verstehe, einfache Wörter, für die mir das deutsche Wort gleich einfällt, aber sobald ich sie mehr als einmal laut vor mich hinsage oder länger als zwei Sekunden darüber nachdenke, erscheinen sie mir plötzlich so seltsam, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob sie auch wirklich existieren oder ob ich sie eben erfunden habe, und wenn ich sie niederschreiben will, bekomme ich keine Luft mehr. Erst wenn ich ein Wort im Wörterbuch sehe, lässt die Beklemmung nach: Wenn es schwarz auf weiß auf dem Papier steht, muss es ja wohl existieren. [...]

Und dann, an einem ganz normalen Morgen, an dem ich mich wie immer mit meiner Kaffeetasse in der Hand an den Schreibtisch setze und auf den ersten Satz des Kapitels blicke, das ich an diesem Tag übersetzen will, kommt der Moment. Dès le moment où. Ich verstehe den Sinn der Wendung sofort und beginne den Satz niederzuschreiben. „In dem Moment, in dem“. Klingt holprig durch die Wiederholung. Ich lösche es wieder und schreibe „In dem Moment, wo“. Klingt unschön durch die Vermischung von zeitlicher und räumlicher Ebene. Außerdem hätte dann der Franzose au moment où geschrieben. Ich schlage im Wörterbuch bei moment nach und finde „Moment, Zeitpunkt, Augenblick“, außerdem eine Vielzahl von Wendungen, aber nicht die, die ich brauche. Ich schlage bei dès nach und finde „schon, seit, von ... an“. Eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet sich. „Seit dem Moment, in dem?“ „Seit dem Moment, wo?“ „Schon in dem Moment, in dem?“ „Schon in dem Moment, wo?“ „Von dem Moment an, in dem?“ „Von dem Moment an, wo?“ Von den Varianten mit „Zeitpunkt“ und „Augenblick“ einmal abgesehen – wie sagt man wirklich, was ist normales Deutsch, was ist richtig? Ich bin ratlos.

Nach einer Zeit des Nachdenkens, in der ich, während derer ich, wo ich es krampfhaft vermeide, an das Wort Moment zu denken, weil ich mich sonst erneut verwirre, kommt mir der rettende Einfall. Google. Wenn ich es selbst nicht mehr weiß, werden es doch die anderen wissen, die sich ihrer Sprache noch sicher sind, die keine Zweifel haben und ohne Nachdenken einfach schreiben, was ihnen in den Sinn kommt. Sie werden mir die Sicherheit wiedergeben, was normal ist und was man wirklich sagt. Meine Rettung ist Google.

Erleichtert, beinahe froh öffne ich die Suchseite und gebe „seit dem Moment, in dem“ ein.

131 Treffer.

Ich gebe „seit dem Moment, wo“ ein.

548 Treffer.

Ich gebe „schon in dem Moment, in dem“ ein.

210 Treffer.

Ich gebe „schon in dem Moment, wo“ ein.

121 Treffer.

Ich gebe „von dem Moment an, in dem“ ein.

732 Treffer.

Ich gebe „von dem Moment an, wo“ ein.

11.000 Treffer.

Die Entscheidung ist gefallen. Ich schreibe „von dem Moment an, wo“, auch wenn es holprig klingt und unschön die zeitliche und die räumliche Ebene vermischt. Es hat nun einmal die meisten Treffer. [...]

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Jaaaa, lasst uns irgendeinen Unsinn ausdenken, diesen ganz oft niederschreiben und wenn alle einfach nur das nehmen, was am häufigsten vorzufinden ist, wird unser Stuss irgendwann ganz groß rauskommen :) –  Em1 Sep 11 '12 at 9:33
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Das ist ja genau was tohuwawohu macht: Er googelt, und weil er ganz viele Belege findet, glaubt er, dass er damit die Korrektheit einer Wendung bewiesen hat. Dass die Mehrheit der Sprecher aber eben gerade nicht korrekt schreibt oder spricht, entgeht ihm dabei völlig. –  user1914 Sep 11 '12 at 13:21
    
Äh, ja und nein. Es ist sehr schwer hier zu sagen, was jetzt wirklich richtig ist. Letztlich ist es so, Sprache lebt. Wenn wir also davon ausgehen, dass wo durchaus seine räumliche Orientierung verlieren kann, warum kann es nicht auch zeitlichen Bezug darstellen. Und wo wird ja auch häufig weder räumlich noch zeitlich verwendet, bedingt eventuell abstrakt räumlich. "Das ist der Platz, wo"->räumlich/"Das ist der Moment, wo"->zeitlich/"Das ist Gedanke, wo"->abstrakt. Und wer sagt letztlich, wo "wo" falsch/richtig ist. Es ist der Anwender der Sprache, der Dinge die heute falsch sind morgen... –  Em1 Sep 11 '12 at 13:56
    
...richtig sein lässt. Und es gibt viele Belege, wo "wo" eben in allen möglichen Varianten verwendet wird. Und oft ist es dem Anwender nicht bewusst, dass es falsch ist; nur einer Handvoll Experten. Und die können sich nicht wehren. Unterzahl und dem Anwender ist es eh egal. - So, was ich nur aussagen wollte mit meinem Statement, dass es doch falsch ist, etwas als richtig zu deklarieren, nur weil es viele Google Treffer hat. Das kann ein Indiz sein, man muss aber eigentlich diese Beispiele untersuchen, seriöse Quellen ausfindig machen. Und dann daraus ableiten... –  Em1 Sep 11 '12 at 13:59

Klasse Frage - für mich als Schwabe ebenfalls interessant! :-)

In tohuwawohus Antwort plus Kommentaren wird ja schon eifrig über die offizielle Korrektheit diskutiert. Ich will eine persönliche Meinung/Erfahrung hinzufügen (.

Die für ihr ausgezeichnetes Hochdeutsch bekannten Schwaben (Achtung, Ironie!) benutzen dieses Wörtchen äußerst gerne. Ich bin allerdings der Meinung, dass dessen Gebrauch außerhalb der Ort- oder Zeitbestimmung nicht korrekt ist. So wurde es mir bisher beigebracht (alte, wie auch neue Rechtschreibung). Wie die Bespiele in tohuwawohus Antwort zeigen, ist der Gebrauch von "wo" dennoch vielfältig, was allerdings noch lang nicht die Korrektheit beweist.

Deswegen mein persönlicher Ratschlag an jene, die Deutsch als Fremdsprache lernen: Versucht den Gebrauch von wo außerhalb der Zeit- und Ortbestimmung zu vermeiden.

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Kurze Frage - vielleicht verstehe ich es ja einfach nicht: Wann wäre bitte genau "die Korrektheit bewiesen"? –  tohuwawohu Sep 10 '12 at 8:34
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Sorry, noch ein Nachtrag: Ich nehme nicht für mich in Anspruch, "die Korrektheit bewiesen" zu haben. Aber die Indizien dafür, dass man mit dieser Formulierung nichts falsch macht, halte ich bei der Quellenlage für überwältigend. Im Gegensatz dazu hat leider noch niemand einen Beleg (keinen Beweis, ein Beleg würde ja schon ausreichen) für das Gegenteil geliefert - oder anders gesagt: wird die Temporalbestimmung mit "wo" irgendwo explizit als (grammatisch oder stilistisch) falsch bezeichnet? –  tohuwawohu Sep 10 '12 at 8:40
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Ich versteh die ganze Diskussion um dieses kleine Wörtchen nicht, wo ich doch dennoch beiden Seiten recht gebe. Es gibt oft Momente, wo ein 'formelles' in denen oder Äquivalentes besser ist, wo ich mir aber nicht immer sicher bin. In jedem Fall kann man nahezu fast überall ein wo einsetzen, wo einem es gefällt, wo es aber nich unbedingt die beste Lösung ist. Aber warum einem Fremdsprachler anraten, das Wort zu meiden, wo es doch so schön kurz ist. Außerdem erspart man sich Fragen wie: Ist es Momente, in denen (Google 2 mio hits) oder Momente, bei denen (immerhin 200k hits). –  Em1 Sep 10 '12 at 9:01
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Vorneweg, in meiner Antwort beziehe ich mich auf die allgemeine Nutzung von "wo" und will damit Sätze wie "die, wo ..." verhindern. Dem Fragetitel ist nicht direkt zu entnehmen, dass es sich hier um den speziellen Fall der "wo-Nutzung" im temporalen Sinn handelt. Die Benutzung von wo scheint in diesem Fall in der Tat gebräuchlich, jedoch "fühlt" sich diese für mich weiterhin falsch/umgangssprachlich an. Wie tohuwawohu korrekt anmerkt, sollte ich dafür allerdings auch einen Beleg anführen. Ich mache mich auf die Suche! –  bit-pirate Sep 10 '12 at 9:13
    
Wie soll man bitte einen Beleg für die Falschheit einer gebräuchlichen sprachlichen Wendung erbringen? Falsches Deutsch existiert, ihre Falschheit kann niemals bewiesen sondern bestenfalls behauptet werden. Das habe ich oben. Wo ist örtlich, nicht zeitlich. Wer es anders verwendet, ist von dialektalem Gebrauch beeinflusst (wie übrigens auch Goethe, der ja geradezu berühmt dafür ist, nicht standardsprachlich zu schreiben). –  user1914 Sep 11 '12 at 8:43

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