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Das in der Lesung des Kulturvereins von Frau Lohse von Lothar Frohlein Frohwein persönlich verlesene Gedicht geht so:

Melusine!

Kraweel, Kraweel!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
Trübtauber Hain am Musenginst!
Kraweel, Kraweel!

Für mich, als relativ Gedicht-unzugänglichen Menschen ist das Kauderwelsch und ich habe immer angenommen, dass es keinerlei Bedeutung hat (wenn man mal davon absieht, dass es zum totlachen ist wie Loriot es vorliest).

Ginst scheint mir ein erfundenes Wort zu sein, außer es soll Ginster heißen. Und was ein Musenhain sein soll ist mir auch unklar. Ein Hain in dem eine Muse lebt vielleicht?

Versteckt sich da also irgendwo ein Sinn drin?

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Ich habe noch nie was für Gedicht jeglicher Art übrig gehabt, und wenn ich das lese, weiß ich auch wieder, warum :D Achja... b2t de.wikipedia.org/wiki/Liste_geflügelter_Worte/… –  Em1 Sep 12 '12 at 14:55
    
achja, Ginst, und es wird wohl Krawehl geschrieben, wobei Kraweel tatsächlich noch ne Bedeutung hätte, wobei fraglich ist, was denn Hain und Ginst mit Schiffen zu tuen haben ;) –  Em1 Sep 12 '12 at 14:57
    
Dazu fallen mir als weitere Hilfsfragen ein: Welches v.d. Kritik geadelte Gedicht hat das gl. Versmaß? Welch ernsthafter Lyriker hat ähnliche Wortbildungen? –  user unknown Sep 12 '12 at 23:46
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5 Answers 5

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Loriot bewusst keine Bedeutung hinter den Zeilen hatte, da in besagtem Sketch ja gerade die Unsinnigkeit der Dichterlesung zum Ausdruck kommen sollte.

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Wenn man davon ausgeht, dass in Gedichten prinzipiell keine platte Bedeutung versteckt ist, die objektiv zu entschlüsseln ist, dann wäre einem gedichtkundigen Menschen durchaus zuzutrauen, dass er Gedichte damit auf die Schippe nimmt, dass er eins produziert, das wie ein solches aussieht, aber eben doch eine Bedeutung hat. Kraweel! –  user unknown Sep 15 '12 at 22:48
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In vielen Gedichten entsteht der Sinn erst im Kopf des Lesers. Ich denke, das wird beim vorliegenden Exemplar auch so der Fall sein.

Ich habe vor neun Jahren selbst mal ein Gedicht geschrieben und veröffentlicht, das völlig ohne beabsichten Sinn ist. Ich habe ein ansprechendes Versmaß verwendet und dann Wörter zusammengeklaubt die gut in dieses Schema passen. Die "Sätze" sind nicht mal grammatisch vollständige Sätze, aber das erwartet man von einem Gedicht ohnehin nicht.

Einen Sinn wollte ich damit keineswegs transportieren, dennoch hat es dieses Gedicht ohne mein Zutun auf mindestens zwei Literatur-Seiten im Internet geschafft, wo dann (ohne mich dazu zu befragen) darüber diskutiert wurde, wie den nun die Zefire, die in Strophe 2 vorkommen, in Hinblick auf die Einfalt, die in Strophe 3 vorkommt, zu deuten seien.

Link zum Gedicht auf meiner Website: http://hubert.schoelnast.at/texte/text/nebel.html
Das was wirklich dahintersteckte: http://hubert.schoelnast.at/texte/info/nebel.info.html

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"Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen." ― Mephistopheles/Goethe –  celtschk Sep 12 '12 at 15:36
    
@celtschk: Wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist lässt sich auch tatsächlich regelmäßig etwas dazu denken. –  user unknown Sep 12 '12 at 23:42
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Liebe alle, ich denke eigentlich schon, dass es sich "Kraweel" schreibt. Das Gedicht hat vielleicht keine tiefere Bedeutung, aber Melusine ist ja eine alte Geschichte, die in vielen Versionen erhalten ist (u.a. in dem erwähnten Prosaroman von Thüring von Ringoltingen). Sie handelt von einer Wasserfrau, die sich mit einem Ritter vermählt. Er darf sie jedoch immer dann nicht sehen, wenn sie sich zurück in ihr Fischwesen verwandelt.

Die Verse von Loriot sind ja nur die Anfangsverse des Gedichts, denn Lothar Frohlein (oder so) wird ja von seinem Schluckauf unterbrochen. Es ist also davon auszugehen, dass das Melusine-Motiv noch weiter ausgebaut würde. Die ersten Verse, so habe ich es immer verstanden, bilden sozusagen das 'Setting': Eine Kraweel ist ja ein mittelalterlicher Schiffstyp, der erste und der vierte Vers verstehen sich also als "Ein Schiff! Ein Schiff!". Dann wird es zugegeben etwas dunkel - immerhin handelt es sich ja um eine Parodie besonders verstiegener, abgelegener Gedichte -, aber 'Ginst' ist durchaus nicht bedeutungslos, sondern heißt, wenn mein Duden recht hat, 'Reisig' oder 'Gestrüpp'. Der Musenhain ist keine häufige Formulierung, aber gemeint ist ein kleiner Garten, in dem man sich zur Diskussion von Dichtung und Kunst trifft, in dem sozusagen die "Musen" leben. Der zweite und dritte Vers bedeuten also "Reisig, der vom Tau noch trüb ist, am Hain der Dichtung". Das hat natürlich mit der Melusine und der Kraweel auf ersten Blick wenig zu tun.

Also: Es handelt sich natürlich um eine Parodie und um ein Nonsense-Gedicht, das zudem ja im Film abgebrochen wird. Aber die einzelnen Elemente tragen alle Bedeutung und beziehen sich aufeinander - Melusine und Kraweel auf die Wasserfrau und ein Schiff -, - Ginst und der Musenhain auf einen Garten oder einen kleinen Wald. Vielleicht ist ein liebliches Ufer gemeint, auf das die Kraweel sich hinbewegt? Vielleicht, um die Melusine abzuholen? Aber das kann man nicht sicher sagen. Ziemlich sicher nur scheint mir, dass es sich "Kraweel" schreibt und dass die Wörter nicht ausgedacht sind. Warum aber der ziemlich unbekannte Arno Schmidt-Herausgeber Ernst Krawehl gemeint sein soll - einmal von der lautlichen Namensähnlichkeit abgesehen - will mir überhaupt nicht einleuchten.

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Sehr gut analyisiert! Vordergründig eine Parodie, eigentlich aber auch ein Tempel für den Lyriker. Das zeigt wieder die Genialität von Loriot. –  falkb Sep 26 '13 at 22:19
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Im Internet gibt es verschiedene Hinweise auf dieses Gedicht von Loriot, wobei sich die Schreibweise von "Kraweel" unterscheidet:

  • Kraweel (mit Verweis auf den Dichter Peter Handke)
  • Krawehl (mit Verweis auf den Dichter Peter Handke)
  • Krawehl (mit Verweis auf den Dichter Trakl und den Herrn Ernst Krawehl)
  • Ernst Krawehl (Verleger, Verlagslektor von Arno Schmidt; Verweis auf Loriot unter "Sonstiges")

Daraus schließe ich, dass "Krawehl" die richtige Schreibweise ist und Loriot sich hier auf Ernst Krawehl bezieht.

"Melusine" scheint der Name des ersten "Prosaromans" zu sein (Verweis auf erstes Gedicht?).

Mir entzieht sich die Kenntnis, ob Loriot einen der beiden Dichter Handke oder Trakl besonders geschätzt oder abgelehnt hat, aber ich denke, zusammen ergibt sich ein stimmiges Bild dieser genialen Parodie von Dichterlesungen, erfrischende "Respektlosigkeit" des Bürgertums und der Ratlosigkeit, die manche Werke hinterlassen ...

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Nein, Freunde... Kennt denn hier keiner "Iphigenie auf Tauris" von Goethe? Das ist ein Drama angelehnt an den griechischen Ursprung der Dramen. Die Urfassung ist auch von solch Kauderwelsch durchwachsen und ich denke, es handelt sich lediglich um eine Parodie eben dieses Werkes.

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Möchtest Du diese Vermutung in irgend einer Form durch Belege untermauern, oder ist das bloß Deine subjektive Meinung? –  bitmask Jan 26 at 16:08
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