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Hat man ein Adjektiv, welches im Kern aus einem Nomen besteht, dann wird das laut Canoonet kleingeschrieben. @Takkat war im Chat schon so freundlich mir diesen Link zu posten. Er hat mich aber gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass bei Adjektiven mit Bindestrichen die Situation anders ist.

Demnach schreibt man also

artefaktbehaftet

aber

Amerika-freundlich

Nun will es der Zufall, dass mein Satz wie folgt lautet:

Momentan extrahiere ich Informationen aus artefakt- und rauschbehafteten Experimentaldaten.

Frage: Wird nun "artefakt-" zu "Artefakt-" oder ist diese Regel hier außer Kraft gesetzt?

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Es wäre übrigens auch zulässig, amerikafreundlich zu schreiben. –  Wrzlprmft Mar 14 at 13:50

3 Answers 3

Ich hätte es genauso gesagt wie Takkat: der Eigenname Amerika erzwingt einen Bindestrich und die Großschreibung des ersten Buchstabens. Für artefakt- und rauschbehaftet gilt das nicht, da der Strich nach artefakt kein Binde-, sondern ein Trennstrich ist.

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Hier wird unterschieden zwischen einem Bindestrich zur Verdeutlichung von Zusammenhängen

Amerika-freundlich

und einem Bindestrich als Ergänzungsstrich.

artefakt- und rauschbehafteten

Amerika ist zudem ein Nomen, wird also in allen Fällen großgeschrieben, außer es wird adjektiviert.

amerikanisch

In deinem Beispielsatz heißt es also quasi:

Momentan extrahiere ich Informationen aus artefaktbehafteten und rauschbehafteten Experimentaldaten.

Da dies allerdings redundant wäre, fügt man einen Bindestrich ein und streicht das erste "behafteten", um die Verständlichkeit zu steigern.

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Warum nicht „Artefakt-behaftet“? –  Carsten S Mar 14 at 13:26
    
@CarstenSchultz Man könnte in einem Satz ggf. Artefakt-behaftet schreiben, jedoch ist dies in dem Beispiel nicht der Fall. Während "Artefakt-behaftet" nicht falsch ist, bevorzugte der Author (und jeder Deutschlehrer mit dem ich bislang redete) die pure Adjektive form "artefaktbehaftet"; In dem Beispiel handelt es sich jedoch wie oben gesagt um einen Bindestrich als Ergänzungsstrich, der Satzbau würde nur mit einer kleinen Änderung noch Sinn ergeben: "Artefakt- und Rausch-behafteten". Die andere Variante wird lediglich bevorzugt. –  Darian Mar 14 at 14:17
    
Dann gibt es wohl die Regel, die der Fragesteller meinte, gar nicht. Das sollte dann ein wesentlicher Teil der Antwort sein, oder? –  Carsten S Mar 14 at 14:42
    
Die Regel gibt es, Amtliche Rechtschreibreglung §55.2; Sie muss nur hier nicht angewendet werden. –  Darian Mar 14 at 14:56

Gerade bei horizontalen Strichen muss man in Sprachen, die das lateinische Alphabet verwenden, zwischen Aussehen und Funktion unterscheiden. Vom Aussehen bzw. typografisch geht es hier um den Viertelgeviertstrich¹, der im Deutschen für drei Funktionen genutzt wird:

  • Als Bindestrich, um Wortfugen anzuzeigen, z. B. in Amerika-freundlich, Fußball-Weltmeisterschaft, Castrop-Rauxel oder S-Kurve.
  • Als Trennstrich am Zeilenende, um anzuzeigen, dass das Wort in der nächsten Zeile fortgeführt wird.
  • Als Ergänzungsstrich, um das in einer Aufzählung von Elementen mit gleichem Bestandteil einer ausgelassen wurde, z. B. in Hoch- und Tiefbau; Glasfenster und -türen oder eben artefakt- und rauschbehaftet.

Verwirrenderweise wird der Viertelgeviertstrich häufig generell als Bindestrich bezeichnet², aber die offiziellen Rechtschreibregeln trennen klar zwischen drei obigen Funktionen. Dadurch werden insbesondere durch das Setzen eines Ergänzungsstrichs keine Regeln, die den Bindestrich betreffen, “aktiviert”. Der Strich in artefakt- und rauschbehaftet ist eben ein Ergänzungsstrich und kein Bindestrich und deswegen liegt hier auch nicht plötzlich ein mit Bindestrich geschriebenes Adjektiv vor, dessen substantivische Bestandteile man großschreiben müsste.


¹ Der einem Strich entstammt, der ein viertel Geviert lang war, aber heute eine andere Länge haben kann – genauso wie der Halbgeviert- und Geviertstrich.
² genauso wie der Halbgeviertstrich häufig als Gedankenstrich bezeichnet wird, obwohl er auch als Bis-Strich, Streckenstrich o. Ä. fungieren kann.

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+1 für die Differenzierung von Typografie und Funktion. Allerdings gelten auch die Bezeichnungen wie Halbgeviertstrich in der Typografie nicht uneingeschränkt als glücklich, da dieser Strich gar nicht unbedingt ein halbes Geviert lang ist. –  Loong Mar 14 at 14:48
    
@Loong: Richtig, habe ich ergänzt. Immerhin ist den meisten typografischen Laien nicht auf Anhieb bewusst, wie lang ein Geviert ist. –  Wrzlprmft Mar 14 at 15:18

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