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Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen darüber, weswegen die Konjunktion "weil" derzeit einen Sprachwandel erlebt? Mein Eindruck ist, dass die anderen Konjunktionen vergleichsweise statisch sind.

Offenbar wandelt sich "weil" von einer Konjunktion zwischen Hauptsatz u. Nebensatz zu einer Konjunktion zwischen Hauptsätzen. Mich interessiert, ob diese Phänomen hinsichtlich seines zeitlichen Aufkommens und seiner sprachlichen Ursachen untersucht worden ist.

Meine Vermutung im Bezug auf die Motivation ist, dass kausuale Beziehung eine erhöhte Denkleistung beanspruchen, so dass die Satzstellung SOV durch die für den deutschen Sprecher natürlichere Satzstellung SVO ersetzt worden ist. Insbesondere bei Konstruktion mit Hilfsverben ist dies naheliegend.

"Warum ist so wenig Salz in der Suppe"- "Weil du kannst doch nicht zuviel Salz essen, das ist ungesund."

"Ich habe die Hausaufgaben nicht gemacht, weil ich musste meinen Hund wegen Magenschmerzen ins Krankenhaus fahren."

Würde man im ersten Beispiel die Antwort in SOV formulieren, dann würde man noch nicht einmal mit einem richtigen Satz antworten, sondern nur mit einem Adverb. Ebenfalls vermutlich eine Motivation.

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Ich habe keine Quelle für eine Untersuchung aber dieser Wandel wurde in 2 oder 3 Büchern, die sich allgemein mit der Deutschen Sprache beschäftigt haben und teils von Linguisten geschrieben wurden (den Jahren 2009 bis 2012) erwähnt. Die Wissenschaft dürfte das also auf dem Schirm haben :) –  Emanuel Mar 8 '13 at 16:52

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Üblicherweise und im geschriebene Standarddeutsch werden nebengeordnete Haupt- oder Nebensätze mit folgenden Konjunktionen gebildet:

aber, allein, außer, beziehungsweise, denn, doch, jedoch, oder, sondern, sowie, und und wie.

Die Konjunktion weil gehört zu den unterordnenden Konjunktionen.

Bei untergeordneten Nebensätzen rückt das Verb an das Ende des Nebensatzes:

Mein Computer ist langsam, weil er schon alt ist.

Nebengeordnete Hauptsätze erkennt man an der Verbzweitstellung (V2-Stellung) wie im folgenden Satz:

Mein Computer ist langsam, denn er ist schon alt.

Im gesprochenen Deutsch findet man aber zunehmend auch "weil" in der Funktion einer nebenordnenden Konjunktion, die aus obigem Beispiel den folgenden Ausspruch bildet:

"Mein Computer ist langsam, weil er ist schon alt."

Diese grammatikalische Funktion wurde in der Vergangenheit kritisiert (z.B. Bastian Sick - Zwiebelfisch 2005), aber es ist tatsächlich so, dass die Verwendung von "weil" mit Verbzweitstellung mittlerweile so gebräuchlich ist, dass sie schon längst Einzug in den Duden gefunden hat. Allerdings wird dort noch darauf hingewiesen, dass sie der gesprochenen Sprache vorbehalten sei, da standardsprachlich nicht korrekt.

Es gibt eine ganze Reihe sprachwissenschaftlicher Untersuchungen über die Verbzweitstellung nach weil. Häufig werden hier die Arbeiten von Schwitalla genannt, der zeigen konnte, dass diese Kontruktion nicht nur in der gesprochenen Sprache, sondern auch in der Schriftsprache verkommt, und zwar auch dann, wenn es nicht nur um Zitate eines gesprochenen Wortes geht.

Sprachwissenschaftler und Linguisten beschreiben hier aber meist nur die Häufigkeit von sprachlichen Ausdrücken und geben allenfalls Vermutungen zu den Gründen ihrer Verwendung. Weidacher vermutet ein stilistisches Mittel, um einen trockenen Text aufzulockern. In der gesprochenen Sprache diene es als diskursordnendes Element (Gansel 2007).

Es ist also tatsächlich so, dass man einen Sprachwandel beobachten kann, der zur Verwendung von "weil" als nebenordnende Konjunktion führt. Man sollte sich aber dessen bewußt sein, dass es derzeit noch nicht weit verbreitet ist und unter Umständen auch als falsch angesehen wird.

Weiterführende Literatur:

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Wow, ich würde für diese Antwort gerne +10 geben. Ich werd' mir mal ein paar Accounts machen :)... nebenbei bemerkt, Bastian Sick beklagt sich einfach über alle's und seine Comedy DVD ist nicht so gut. Das musste mal gesagt worden sein. –  Emanuel Mar 9 '13 at 19:53
    
@Emanuel: Warum kein Bounty? Das geht auch mit einem Account. –  frafl Mar 13 '13 at 17:44

In another thread about the same question (Is it possible that a native German speaker doesn't put a verb to the end of the sentence after a "weil"?) @jona mentioned that there is often a pause after the "weil". I like that observation.

It has always been the case that sometimes the subordinate clause introduced by "weil" is abandoned in mid-thought, especially if the reason to be presented is somewhat more complex, or the construction doesn't bind well to anything in the main sentence. The reason is then presented in a main sentence of its own: "Der Film ist schlecht, weil... man kann doch die Handlung nicht einfach auf die Gewalt reduzieren." The reason doesn't explicitly refer to "Film", so there is no obvious transition. Oppose that with the simpler "Der Film ist schlecht, weil er zu gewalttätig ist".

Another aspect is that a second main sentence emphasizes the presented reason. On occasion the reason for something may actually be the main topic, and the speaker may feel that sub-ordinating it may be not strong enough: "Du kannst die Wand nicht einreißen, weil dann bricht doch das ganze Haus zusammen!" (Duh.)

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Disclaimer: Diese Antwort ist nicht wissenschaftlich belegt, falls jemand Studien dazu kennt (Analyse von Pausenzeiten, EEG, MRT o.ä.) lösche ich meine Antwort gern zugunsten einer besseren. Für einen Kommentar war sie aber zu lang.

Zitat OP:

Meine Vermutung im Bezug auf die Motivation ist, dass kausale Beziehung eine erhöhte Denkleistung beanspruchen, so dass die Satzstellung SOV durch die für den deutschen Sprecher natürlichere Satzstellung SVO ersetzt worden ist. Insbesondere bei Konstruktion mit Hilfsverben ist dies naheliegend.

Gerade in der gesprochenen Sprache kann man auch mit einer Gedächtnisleitung argumentieren:

  1. Konstruktion des Schlusses als Hauptsatz
  2. Feststellung der Notwendikeit einer Bedingung
  3. Kognitive Aktivität zum Finden der Bedingung
  4. Konstruktion der Bedingung als Nebensatz

Während (3) muss die Satzkonstruktion im Gedächtnis behalten werden. Wenn dieses Szenario stimmt, sollten die Zeiten für/Aktivitäten bei (3) mit der Häufigkeit von finiten Verben in Zweitstellung bei (4) zusammenpassen. Allerdings gibt es Confounder (Intelligenz, soziales Umfeld), die sich sowohl auf (3) als auch (4) separat auswirken sowie Übungseffekte (v.a., wenn die Versuchsperson die Letztstellung als Norm empfindet). Sollte also nicht ganz leicht sein, das zu untersuchen.

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Neulich habe ich mich dabei ertappt, wie ich gegenüber einer Arzthelferin "weil" auf diese Weise verwendete. Hier kamen zwei Bedingungen zusammen: (1) die Ansprechpartnerin könnte sich durch korrektes Deutsch "von oben herab behandelt" fühlen und (2) mein Wunsch, eventuellen unangenehemen Konsequenzen einer solchen Wahrnehmung aus dem Weg zu gehen. –  Eugene Seidel Mar 16 '13 at 6:48

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