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Neulich las ich in der "Zeit" einen Satz, der mich im Lesefluß stocken ließ. Ich kann mich nicht genau an den Satz erinnern, daher hier eine "in etwa-e" Wiedergabe:

Die Behauptung vieler Politiker, sie kennten sich aus....

Meine ursprünglichen Fragen waren diese:

  • Ist dies tatsächlich der "synthetische" Konjunktiv 2 von kennen?
  • Ist es normal, diesen zu benutzen, oder wäre die analytische Version "würde kennen" vorzuziehen?

EDIT:

  • Wäre eine Verwendung des Konjunktiv 1 auch vorstellbar? Es würde in meinen Ohren sogar natürlicher klingen ohne den "indirekte Rede" Moment zu verlieren.
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Canoo.net kennt die Form auch: canoo.net/inflection/kennen:V:haben –  elena Sep 3 '13 at 13:54
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Zur dritten Frage: Der Konjunktiv I ist hier ja mit dem Indikativ identisch (sie kennen sich aus). Gerade wenn man offenbar den Wahrheitsgehalt anzweifelt, braucht man schon etwas, das die indirekte Rede kenntlich macht. –  chirlu Sep 3 '13 at 14:13
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Auch wenn ich im eigenen Sprachgebrauch zu "kennen würde" tendiere, so ist es doch für mich absolut einwandfrei lesbar. Kein Holperstein. –  Em1 Sep 3 '13 at 14:43
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@alk: äh... wem? –  Emanuel Sep 3 '13 at 16:55
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1 Answer

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Kennen gehört zu einer kleinen Gruppe von Verben (mit brennen, rennen und nennen), die zwar schwach konjugiert werden, aber im Präteritum und im Partizip Perfekt den Stammvokal zu a wechseln:

ich kannte, wir nannten, ein gebranntes Kind, sie sind gerannt

Alle anderen Formen sind vollkommen regelmäßig gebildet und haben ein e. Somit lautet auch der Konjunktiv II kennte, kenntest, kennten, kenntet. Das ist insofern ungewöhnlich, als er bei schwachen Verben sonst mit dem Präteritum zusammenfällt:

Selbst wenn man sie trennte, würde das nichts ändern.
Man trennte sie, was nichts änderte.

Vermutlich deshalb sind die Konjunktiv-II-Formen von kennen usw. noch weniger „im Ohr“ als bei anderen Verben und werden noch stärker gemieden, d.h. meistens mit würde umschrieben. Es sind aber die historisch korrekten Formen (Belege bei Schiller und Goethe in einem Artikel der GfDS-Sprachberatung; Link beigesteuert von Wrzlprmft), die auch – in den letzten Jahrzehnten stetig abnehmende – Verwendung in der späteren Literatur finden (Statistik aus dem Google-Books-Corpus; Auswertung, modifiziert, nach falkb).


Zur nachgeschobenen Frage (die eigentlich nicht hierher gehört, weil sie nicht spezifisch für kennen ist), verweise ich auf diese Antwort, die es recht genau trifft.

Im Singular wäre Konjunktiv I normal („Seine Behauptung, er kenne sich aus“), im Plural bleibt – wegen des Zusammenfalls von Konjunktiv I und Präsens – nur Konjunktiv II („Ihre Behauptung, sie kennten sich aus“) oder die würde-Form („Ihre Behauptung, sie würden sich auskennen“). Indikativ wäre jedenfalls für einen Artikel in der Zeit falsch – da würde ich mein Abo kündigen, wenn ich es noch hätte.

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Zur Antwort auf die nachgeschobene Frage: 1) Es gibt keine Pflicht, den Konjunktiv Ⅰ durch den Konjunktiv Ⅱ zu ersetzen, wenn er mit dem Indikativ zusammenfällt (auch wenn es häufig empfehlenswert ist). 2) Der Wortlaut des Beispielsatzes legt nahe, dass hier der Irrealis (Konjunktiv Ⅱ) beabsichtigt ist, um zu unterstreichen, dass eine falsche Behauptung wiedergegeben wird (und Politiker sich also in Wirklichkeit gar nicht auskennen). –  Wrzlprmft Sep 17 '13 at 14:53
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@Wrzlprmft: Was heißt schon Pflicht? Normative Grammatiken sind arg aus der Mode gekommen. :) Trotzdem schreibt die Duden-Grammatik, der Konjunktiv sei in einem nicht mit daß eingeleiteten Satz „zwingend gefordert, weil er … das einzige Merkmal für die indirekte Rede ist“. Das kann man auch auf die Wahl von Konjunktiv II übertragen, wo die Duden-Grammatik sich allerdings zurückhaltender ausdrückt. – Daß eine stärkere Distanzierung vom Inhalt beabsichtigt ist, kann natürlich sein; wir kennen ja den weiteren Kontext nicht. Dann aber erst recht kein Indikativ. –  chirlu Sep 17 '13 at 15:07
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