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In der alten Rechtschreibung bildete die Buchstabenkombination st eine Ausnahme bei der Silbentrennung, da sie nicht getrennt wurde, auch wenn es im Widerspruch zu den sonstigen Trennregeln stand. Man trennte z. B. Knos-pen, Kon-ten, hor-ten, aber ko-sten. Einzige Ausnahme waren Wortfugen (Diens-tag).

Die entsprechende Regel für gebrochene Schriften war schlicht »Trenne nie ſt« (da st immer und nur an Wortfugen auftrat).

Als Begründung für diese Regel wird meistens in etwa Folgendes genannt: ſt bildete im Fraktursatz eine sogenannte Zwangsligatur, die z. B. auch beim Sperren der Buchstaben zusammenblieb und teilweise wie ein eigener Buchstabe behandelt wurde (wie z. B. auch das ß, dessen Ursprünge auch in einer Ligatur liegen). Das ist zwar so weit richtig, aber nun gehörte neben ſt, ch und ck eben auch tz zu den Zwangsligaturen, und dieses wurde getrennt (z. B. Kat-ze) – und das obwohl es sowohl aussprachetechnisch als auch typografisch viel eher Eigenschaften eines Buchstabens aufwies. Das alleine konnte es also nicht gewesen sein. (Analog, nur etwas komplizierter auch für ck.)

Gibt es irgendeine Erklärung dafür, warum ſt nicht getrennt wurde, tz aber schon?

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Ich hätte den Superlativ im Verdacht (schöns-te), aber man müßte wohl in die Unterlagen der II. Orthographischen Konferenz schauen. –  chirlu Sep 17 '13 at 23:04

1 Answer 1

Aus Kosten- und Platzgründen standen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in der gebräuchlichen Frakturschrift das "s" als langes "s" und das "t" auf einem gemeinsamen Druckblock. Das Trennverbot wurde deswegen höchstwahrscheinlich beibehalten, um die alten Druckblöcke nicht wegwerfen zu müssen. (hier gefunden)

Der Verdacht wird fast schon zur Gewissheit, nimmt man noch diese Anmerkung zur II. Orthographische Konferenz hinzu: "... st (in den Fällen, in denen nach den Regeln des Fraktursatzes ein langes s gesetzt wird) jedoch nie getrennt werden dürfen ..."

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Das mit dem gemeinsamen Druckblock nannte man auch Ligatur (s. o.) und das galt auch für tz und ck. Selbst abgesehen davon ist das Argument schwach, da nur eine sehr geringer Anteil aller ſt eine Silbentrennung erfahren hätte und man die alten Ligaturen mit Nichten hätte wegschmeißen müssen. –  Wrzlprmft Sep 18 '13 at 8:40
    
Das erklärt auch nicht, wieso diese Regel für die Schreibschrift gilt. –  user unknown Sep 18 '13 at 20:45
    
fast zwei Drittel der Druckerzeugnisse wurden früher in Fraktur gedruckt –  falkb Sep 18 '13 at 22:09
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@user unknown: Dass eine Regel vom Gedruckten aufs Geschriebene überschlägt oder umgekehrt, ist wenig verwunderlich. Mir geht es aber vor allem darum, wie es dazu kommen konnte, dass diese Regel ſt betrifft, aber nicht tz oder ck. –  Wrzlprmft Sep 19 '13 at 16:40
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@user unknown: Es gibt noch andere Wege, sich Rechtschreibung anzueignen, als Lehrer, z. B. die Lektüre von gedrucktem Material – zumal diese Regeln teilweise aus der Zeit vor einer einheitlichen Rechtschreibung stammen. Warum nutzen denn reale Menschen das Deppenapostroph? Wohl kaum, weil sie es in der Schule so gelernt haben, sich der Rechtschreibregelausnahme bewusst sind oder aus Überzeugung. (Hmm, ich habe gerade im ersten Satz ein nettes Beispiel für Kommasetzung produziert.) –  Wrzlprmft Sep 20 '13 at 8:30

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