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Heutzutage ist der Präteritumstamm von werden wurde. Früher war es ward.

Mir scheint, dass ward die eigentlich regelmäßge Ablautfolge ist (vgl. helfen, werfen). Und doch ward es nicht mehr gesehen.

  • Warum hat sich wurde durchgesetzt?
  • Seit wann existiert wurde?
  • Welche Verben haben das gleiche Ablautmuster wie werden?
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Das heutige Deutsch hat im Großen und Ganzen eine Stammform weniger als das Urgermanische und Althochdeutsche und auch z.B. als das moderne Isländische, das in dieser Hinsicht das ursprüngliche germanische Muster bewahrt (ich verwende es hier anstelle des Standardaltnordischen, das es genauso gut getan hätte).

Im Isländischen sehen wir beispielsweise immer noch das System verða (Infinitiv), varð (1./3. Sg. Prät.), urðum (1. Pl. Prät.) und orðið (Partizip Prät. im Neutrum). Wenn wir das Isländische betrachten, so gilt zu sagen, dass es ein ursprüngliches v vor u und o verliert, dass also die Formen urðum und orðið aus *vurðum und *vorðit (mit t) enstanden sind. Die Formen urðum und orðið gehen genau wie die deutschen Formen wurde und (ge)worden auf die selbe Ablautstufe zurück (die verschiedenen Vokale sind durch Umlaut zu erklären, der in seinem Ursprung auf das Germanische zurückgeht und somit einige Jahrtausende jünger ist als der Ablaut, der indogermanischen Ursprung hat), allerdings wären Formen wie wurden und wurdet ursprünglich nur im Plural des Präteritums zu erwarten, während ward und wardst Singularformen des Präteritums sind, genau wie im modernen Isländischen.

In der Entwicklung zum modernen Neuhochdeutschen(, die in Bezug auf die 2. Person Singular im Westgermanischen noch einer besonderen Schwierigkeit unterlag), sind allerdings im Präteritum die Ablautstufen zusammengefallen. Im Falle von finden zum Beispiel hat sich im Präteritum die Singularablautstufe durchgesetzt, sodass es ich fand und wir fanden heißt, anstelle ursprünglich ich fand, wir funden, so auch im Isländischen ég fann, við fundum (der Konsonantwechsel im Isländischen spielt an dieser Stelle keine Rolle). Im Falle von werden ist die Entwicklung leicht unregelmäßig, und nicht nur deswegen, weil sich die Pluralform mit dem Stamm wurd- durchgesetzt hat, sondern auch, weil die Standardform ich wurde auf -e endet, was für starke Verben ungewöhnlich ist. Andere starke Verben haben Formen wie ich fand, ich las, ich goss oder ich biss, ohne Endung -e.

An dieser Stelle weiß ich nicht genau, wieso werden so einen besonderen Fall darstellt, aber ich vermute, es liegt daran, dass es als Hilfsverb für das Futur und das Passiv eine besondere Rolle spielt und somit auch viel mehr mit Modalverben verknüpft wird, die häufig ein reguläres schwaches Präteritum mit der Endung -(t)e aufweisen.

Um deine Frage zu beantworten, welche Verben dasselbe Ablautmuster haben wie werden, so ist zu sagen, dass es einige sind, die das Muster ursprünglich hatten, z.B. helfen, gelten, finden, binden. Sie alle gehören der germanischen Ablautklasse III an.

Im 16. Jhdt. hatte Luther immer noch die alten Ablautverhältnisse, z.B. fand mit a im Präteritum Singular, aber funden mit u im Präteritum Plural. Dasselbe gilt für Luther in Bezug auf das Verb werden. Er hat ward im Singular und wurden im Plural. Dies kannst du z.B. überprüfen, indem du dieses Textstück auf die entsprechenden Verbformen hin durchsuchst:

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Wow... diese Antwort ist deutlich fundierter als ich es mir je erhofft hätte. Danke :) –  Emanuel Sep 24 '13 at 9:43

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