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Könnte jemand mich erleuchten, was der Unterschied zwischen tatsächlich und eigentlich ist? Ich verstehe, dass die beide als actually ins Englische übersetzt werden, aber was ist der genaue Unterschied dazwischen?

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Das ist tatsächlich eine gute Frage. Eigentlich liegt der Unterschied, wie so oft, in der Bedeutung. –  Ingo Dec 22 '13 at 14:13

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Abstrakte Frage. Über folgende Wörter könnte man sich unterhalten:

Ich versuche mal Beispiele für die Verwendung unterschiedlicher Wörter im Deutschen zu geben, bei denen im Englischen überall mit actual gearbeitet wird:

Sagen wir, C. wird von seinem Freund H. gefragt, ob er ins Kino will:

C: Actually, I don’t want to go.

C: Ehrlich gesagt will ich nicht mitkommen.

Als H. einer Freundin I. erzählt, C. habe keine Lust, reagiert diese ungläubig:

I: Did he actually say that?

I: Hat er das tatsächlich so gesagt?

Daraufhin muss C. zugeben, dass er paraphrasiert hat:

H: Well, these weren’t his actual words.

H: Naja, das waren nicht seine eigentlichen Worte.

Und man fragt sich jetzt:

What is actually the point of this story? What is actually the difference?

Was ist eigentlich der Sinn dieser Geschichte? Was ist jetzt eigentlich der Unterschied?


Etwas Eigentliches ist auch immer etwas Tatsächliches, Wirkliches oder Wahres. Aber eigentlich zu sein, ist viel spezifischer.

Ich jedenfalls habe den Eindruck, dass lediglich diejenigen wirklichen Dinge eigentlich sind, die auch fehlleiten können: Die eigentliche Telephonnummer (nicht die falsche), die eigentliche Bedeutung (nicht die umgangssprachliche), die eigentliche Intention (nicht der Vorwand), die eigentliche Aussage (nicht die heruntergekochte Variante), das eigentliche Gesicht (nicht die Maske). Man beachte dabei die Wurzeln des Wortes im Worte eigen.

In diesem Sinne bedeutet eigentlich sowas wie wirklich oder tatsächlich , aber ganz explizit nicht fehlleitend (meistens dann im Vergleich zu einem fehlleitendem Ding).

Meistens kann man dann statt eigentlich auch getrost tatsächlich schreiben, allerdings mit einem gewissen Bedeutungsverlust, der aber durch Kontext kompensiert werden kann. Statt tatsächlich hingegen eigentlich zu schreiben, kann manchmal schiefgehen:

Er hat eigentlich tatsächlich den Kanzler beleidigt!

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Also, das ist jetzt keine genaue Untersuchung, sollte man dazu sagen, sondern nur eine grobe Beschreibung des Wortgebrauchs, wie ich ihn gewohnt bin. –  k.stm Dec 22 '13 at 16:20
    
Ist gut geworden! Ich würde vielleicht noch hinzufügen, daß "eigentlich" besonders dann geeignet ist, wenn die in Frage stehende Tatsache den Annahmen zuwiderläuft: Du ißt doch gern Gänsebraten?-- Nun ja, eigentlich bin ich Vegetarier und esse niemals Gänsebraten. - Das ist eine Art, jemandem mitzuteilen, daß er sich irrt, daß man ihn mit dieser Mitteilung aber nicht verletzen möchte. Vgl. Spinnst du? Ich esse doch keine Vogelleichen! –  Ingo Dec 22 '13 at 18:29

Man muss unterscheiden zwischen einer Verwendung als Adjektiv und einer als Adverb.

Adjektiv

Beide Wörter bedeuten actual, wobei eigentlich auf den Kern einer Sache zielt, während tatsächlich einen Unterschied zu einem "Dummy" ausdrückt.

Das eigentliche Problem … – the actual/core/essential problem

Der tatsächliche Preis … – the actual price (after tax and fees)

Adverb

Tatsächlich ist ein bisschen wie ein mitteldoll überraschtes really.

Das hat tatsächlich geklappt.

(Wow), that actually worked.

eigentlich tut drei Sachen. Zum einen kann es den Kern einer Sache ausdrücken.

Eigentlich hab ich keinen Hunger.

Actually (to be honest/as a matter of fact) I am not hungry.

Hier könnte man auch tatsächlich nehmen, jedoch ist dann der Kontrast stärker. Es klingt dann ein bisschen mehr wie eine super Enthüllung … tadah …

Eigentlich kann aber auch die auf es folgende Aussage in Zweifel ziehen.

Eigentlich ja …

Eigentlich nicht …

impliziert, dass ein aber folgt(folgen könnte), das das Gegenteil behauptet.

Eigentlich hab ich keine Zeit …

Hier könnte man weiter betteln, denn es klingt ein bisschen wie

Well, I don't really have time … (but if it is really REALLY important then I'll do it)

Die dritte Funktion ist ein by the way. Das funktioniert nur in Fragen, da aber sehr gut

Hast du eigentlich Maria mal wieder gesehen?

Have you seen Maria lately by the way?

Die meisten Deutschlerner verwenden eigentlich falsch, denn sie nehmen es vorwiegend in Funktion von actually im Sinne von … naja … actually

Eigentlich mag ich Berlin.

I actually like Berlin.

Das ist FALSCH. Das eigentlich impliziert ein aber hier. Die Leute denken, gleich kommen die negativen Aspekte zur Sprache. Tatsächlich funktioniert genauso wenig, denn es klingt zu überrascht/überraschend. Wie also würde man es übersetzen? Meiner Meinung nach gar nicht. Alle deutschen Übersetzungen von so einem actually fügen etwas in einer Stärke hinzu, die im Original nicht vorhanden ist. Wenn dein Gesprächspartner Berlin nicht mag, du aber schon, dann würde ich Folgendes vorschlagen:

"I was in Berlin and it sucked balls" "I actually like it"

"Ich war in Berlin und die Stadt ist einfach nur scheiße." "Also, ICH (Betonung) mag es."

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Man kann „Eigentlich mag ich Berlin.“ schon so sagen, so im Tonfall: „Ach, eigentlich finde ich das ganz nett!“, vielleicht sollte man da „eigentlich“ nicht unbedingt an die erste Position im Satz stellen. Ich persönlich finde Berlin eigentlich auch nicht so schlimm. –  k.stm Dec 27 '13 at 21:12
    
Ja, aber "actually" is viel viel stärker. So ein bisschen wie "Wow, who would have thought." –  Emanuel Dec 28 '13 at 19:39

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