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Wie in dieser Frage festgestellt, wird z. B. vom Duden (z. B. hier und hier) oder Bastian Sick (hier) empfohlen, diverse eingedeutschte Farbadjektive nicht zu beugen, und stattdessen Folgendes zu schreiben bzw. sprechen:

Ein rosa Kleid.
Eine pink Schleife.
Ein türkis Eimer.

Während ich in einigen Fällen wie rosa sehe, warum eine normale Beugung nicht ohne Weiteres problemlos möglich ist (siehe einmal mehr hier), fällt mir nichts ein, was dagegenspricht, z. B. türkis oder pink ganz normal wie z. B. fies oder flink zu beugen. Mal ganz zu schweigen davon, dass das Unterlassen der Beugung sich zumindest in meinen Ohren ziemlich falsch anhört.

Was ist der Grund für diese Regel?

Es geht mir wohlgemerkt weder darum, welche Variante besser, schöner, richtiger, weiter verbreitet oder Standardsprache ist, noch darum, ob die zitierten Referenzen irgendeine Autorität diesbezüglich haben, sondern nur darum, wie überhaupt jemand auf die Idee kommen konnte, z. B. pink nicht zu beugen.

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Also wenn ich den Dudenlinks folge, erhalte ich keine Empfehlung gegen flektierte Farbattribute, sondern dafür. Bastian Sick ist normalerweise keine Referenz, aber in diesem Artikel zitiert er selber nur den Duden. Scheinbar (was laut Bastian Sick impliziert, dass es tatsächlich nicht so sei, was natürlich Humbug ist) hat der Duden vor nicht allzu langer Zeit seine Meinung geändert. –  Toscho Jan 19 at 15:58
    
@Toscho: Empfehlen im Sinne von zur bevorzugten Variante erklären, nicht notwendigerweise im Sinne von ausschließlich erlauben. Es gibt aber genügend Quellen (z. B. Sick), die nicht zu beugen als ausschließlich standardsprachlich richtig betrachten – Sick habe ich nur gewählt, weil er die ausführlichste verlinkbare Darstellung bietet, nicht weil ich ihm irgendwelche Autorität zuschreibe. So oder so geht es mir nicht darum, was man nun tun sollte, sondern nur darum, was überhaupt dafür spricht. –  Wrzlprmft Jan 19 at 16:32
    
OK, dann nimm Sick heraus. Die Dudenlinks zählen alle drei Varianten auf mit Komma getrennt auf, wobei die gebeugte Variante am Schluss steht. Siehst du das als Bevorzugung an? –  Toscho Jan 19 at 16:45
    
@Toscho: Ja, wenn auch nur als leichte. Wieso sollte ich Sick herausnehmen? Es ist immerhin die ausführlichste Abhandlung zu dem Thema. –  Wrzlprmft Jan 19 at 19:15
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Tja, in "Flexion" von Thieroff und Vogel (2012) steht dazu nur: "Während es als standardsprachlich nicht korrekt gilt, diese zu flektieren, kommen im Gesprochenen durchaus flektierte Formen vor" Leider aber ohne Erwähnung, wo die Standardsprache das her hat. Wenn ich noch irgendeine brauchbarere Quelle finde, mach ich vielleicht doch noch eine Antwort draus. –  fifaltra Jan 20 at 8:08

3 Answers 3

Schon Wikipedia merkt hierzu an:

Viele Fremdwörter und entlehnte Farbbezeichnungen, etwa rosa, sowie Adjektive der geographischen Herkunft auf -er (z. B. Elsässer) können weder dekliniert noch gesteigert werden (unveränderliche Adjektive). (1)

Die Eingliederung in die deutsche Sprache geschieht recht vorsichtig. Die Deklination wird erst nachfolgend mündlich "erarbeitet". Dazu wieder Wikipedia (siehe selber Link wie oben):

In Dialekten bzw. in der Umgangssprache werden auch sonst nicht komparierbare Wörter gesteigert oder Adverbien als Adjektive gebraucht: rosa – rosaner.

Die Akzeptanz der Deklination in die Schriftsprache erfolgt verständlicherweise erst viel später.

Die etymologische Erklärung zu rosa sei hier als Beispiel aus Wikipedia angegeben:

Für die Bezeichnung des Farbtons der in Europa einheimischen Wildrosen standen im mittelhochdeutschen die Wörter rōse(n)var, rœselvar, rōsīn, rōse(n)rōt und rōsic zur Verfügung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die neuhochdeutschen Entsprechungen (rosenfarb, rosenfarbig, rosenrot, rosig) nicht mehr genutzt. Der lateinische Blumenname rosa (‚Rose, Edelrose‘) als Benennung der Farbe wurde ins Deutsche übernommen. Für übernommene Farbwörter typisch ist die Flexion unsicher. Zunächst wurde es nur in Zusammensetzungen wie „Rosaband“, „Rosakleid“, „Rosatuch“ verwendet. Zunehmend wird es prädikativ und in der Umgangssprache auch attributiv als Adjektiv verwendet. (2)

Eine tiefgreifende wissenschaftliche Untersuchung zu rosa, pink und rot findet man bei Caroline Kaufmann: Zur Semantik der Farbadjektive rosa, pink und rot. Dort finden sich auch Überlegungen zu anderen Farbadjektiven. Grundsätzlich resultieren alle Probleme der Flektion aus den Unsicherheiten beim Eingliedern neuer Wörter in die Sprache.

Weitere unveränderliche Adjektive sind zum Beispiel: super und extra.

Wie aus den zur Antwort gehörenden Kommentaren hervorgeht, ist derzeit die Flektion der Farbadjektive in den regionalen Dialekten wie auch das (regional bedingt?) individuelle Empfinden zu den verschiedenen Varianten extrem unterschiedlich.

Es liegt sehr nahe, dass mit Rücksicht auf diese derzeitigen Unterschiede deshalb auf Festlegung einer Beugung für die Hochsprache vorerst verzichtet wird und sie so lange als unveränderliche Adjektive belassen werden.


Anmerkung (typische Mechanismen der Lehnwörter):

  1. Der Verlauf der Integration aus anderen Sprachen hängt auch davon ab, wie verwandt die Quellsprache mit der eigenen Sprache ist. Integration innerhalb der selben Sprachfamilie gelingt i.d.R. besser.
  2. Gelingt die grammatikalische Integration nicht auf Anhieb, besteht später kaum noch eine Chance, dass es zu Ende gebracht wird. Das wird im Falle der Farbadjektive sehr wahrscheinlich so eintreten, und sie werden immer ungebeugt bleiben.
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für mich klingen übrigens rosanes Kleid, pinke Schleife, türkiser Eimer völlig normal, und wenn ganz oben entschieden werden würde, das kommt so in die Schriftsprache, würde ich das OK finden. –  falkb Jan 19 at 23:39
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Dein Beispiel funktioniert für mich aus drei Gründen nur sehr bedingt: 1) Mega, super und extra entstammen ursprünglich Präfixen – ich würde heute noch Megaparty schreiben. 2) Mega endet auf einen Vokal, weswegen ich wie bei rosa einsehen kann, dass eine normale Beugung nicht so einfach möglich ist. 3) Bei diversen anderen jüngst entlehnten Adjektiven wie fair, cool, oder schick kam meines Wissens auch niemand auf die Idee, sie ungebeugt prädikativ zu nutzen. –  Wrzlprmft Jan 20 at 7:17
    
OK, ich hab's nochmal verbessert. Das wacklige mega ist jetzt auch raus. –  falkb Jan 20 at 13:09
    
@falkb Persönlich finde ich die Deklinationen von pink und türkis auch in Ordnung, störe mich aber an rosan, weil das eher zu den Materialattributen passt (steinern, irden, hölzern, golden, …). Als Farbattribut würde ich rosa eher ohne -n- deklinieren: rosaes Kleid, rosaer Hund, rosaes Haus. Der Doppelvokal ist aber sprachuntypisch. –  Toscho Jan 20 at 17:36
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Also hier in unserer Ecke dominiert im Falle von Deklination rosaner, rosane und rosanes im Dialekt. Das ist glaube ich das Problem, dass man noch keine deutschlandweite Version verordnen kann, ohne eine Ecke vor den Kopf zu stoßen. Also lässt man's lieber bei unveränderlich. –  falkb Jan 20 at 19:47

Deskriptive Grammatik

Beispielhaft steht dieses ngram: Seit Ende des zwanzigsten Jahrhunderts wird türkis eher gebeugt als nicht. Dies trifft aber auf viele ähnliche Farbattribute nicht oder nicht unbedingt zu: siehe diese ngram. (Man beachte, dass Google ngram einen Textkorpus durchstöbert. Die gesprochene Sprache wird nicht erfasst.)

Es lässt sich also keine derartige deskriptive Regel feststellen, geschweige denn begründen.

Präskriptive Grammatik

Seit Aufkommen dieser Farbattribute wurden die beugbaren Alternativen *-farben und *-farbig propagiert. Ein Großteil der Bevölkerung erwartet also diese Konstruktionen und empfindet gebeugte Farbattribute als Normverletzung und teilweise verwirrend oder sogar sinnentstellend (orange zu das orangene Kleid zu beugen, würde in der Tat aus der Farbe Orange das Material Orangenschalen machen. Die korrekte Beugung wäre, wenn man sie zulässt, das orange Kleid mit gesprochenem -e.).

Folgich sollt man im Sinne einer guten Kommunikation diese Alternativen verwenden.

Dem gegenüber steht aber ein wachsender Teil der Bevölkerung, der die Alternativen als gestelzt oder zumindest ineffizient empfindet und gebeugte Farbattribute verwendet oder akzeptiert.

Eine präskriptive Regel muss also die Adressatenschaft mit einbeziehen, was Bastian Sicks Regel nicht tut.

Eigenes Empfinden Wenn man gewisse Farbattribute beugt, kommen grauselige Wörter raus. Die häufigsten Beispiele rosa und lila sind gerade solche. Vermutlich deshalb hat man die Alternativen bevorzugt. Manche Farbattribute machen überhaupt keine Probleme, z. B. türkis, und bei manchen wirken selbst die Alternativen holprig, z. B. orange.

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Deine Antwort erklärt zwar, warum z. B. zum Suffix -farben greift statt zu beugen, aber nicht warum man das Adjektiv einfach ungebeugt stehen lassen sollte, insbesondere bei Fällen wie pink. Außerdem denke ich nicht, dass irgendjemand orangen als aus Orangenschalen bestehend versteht oder gar nutzt, und selbst wenn, wäre das wohl kaum ein relevantes Problem – wir unterscheiden ja auch nicht streng zwischen golden und goldfarben. –  Wrzlprmft Jan 19 at 19:26
    
@Wrzlprmft Naja, wenn du bereit bist mir einen goldenen Knopf im Austausch für einen goldfarbenen zu geben :) –  Hagen von Eitzen Jan 19 at 20:23
    
@HagenvonEitzen: Kein Problem, da golden sogar laut Duden goldfarben bedeuten kann – da die Mehrdeutigkeit eben in der Realität kein solches Problem wäre, dass man eine strikte Unterscheidung benötigen würde. –  Wrzlprmft Jan 19 at 20:42
    
@Wrzlprmft Damit hast du vollkommen recht. Deklarativ verstehe ich, dass man sie als undeklinierbar wie super ansieht, aber prozedural will es auch einfach nicht in meinen Kopf. –  Toscho Jan 20 at 17:40

Ich glaube, der Grund ist schlicht und einfach, dass diese Autoritäten diese Wörter nicht als Adjektive akzeptieren sondern als Substantive betrachten. Wenn man denn ein Adjektiv braucht, dann solle man doch gefälligst "blahblahfarbig/en" verwenden. Was nicht geht - und da sind sich alle einig - ist:

Ein türkis Haus...

Es geht also nicht um die Flektion an sich, sondern darum, dass Substantive keine Adjektivendungen erhalten können.

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Es sind sich eben nicht alle einig: Siehe z. B. die Beispiele hier oder hier. –  Wrzlprmft Jan 1 at 23:06
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@Wrzlprmft... ich bin erschüttert. Der Rechtschreibduden verliert langsam meinen Respekt. In Deutsch werden ALLE vorangestellten Wörter die als Adjektiv fungieren, so flektiert. Auch Fremdwörter "Freshe Sendungen in der ARD Mediathek"... und sogar Unfug wie "ein gut genuges Auto"... mir kann keiner erzählen, dass irgendwer "ein türkis Kleid sagt" ohne das als falsch zu empfinden. –  Emanuel Jan 1 at 23:10
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Zumindest bei super, extra und klasse ist es ziemlich normal, sie nicht zu flektieren. Und auch wenn ich seine Meinung nicht teile, ist der Duden damit nicht ganz alleine. –  Wrzlprmft Jan 2 at 1:03
    
@Wrzlprmft... super Beispiele. a hab' ich nicht dran gedacht. –  Emanuel Jan 2 at 16:19
    
@Emanuel: Mein volles Mitgefühl. Aber kein +, denn offenbar gehen die Gefühle auseinander. Ich finde ein rosa Kleid richtig und rosanes Kleid albern, bei türkis erlaubt mein Ohr nur türkises Kleid und das pinke Kleid soll es bitteschön heissen. Was ich aber in den Kommentaren als passend für orange lesen muss verwirrt mich total. Scheint wirklich noch in der Findung befindlich... –  user unknown Jan 22 at 3:57

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