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Mit Ge- anfangende Wörter seien sächlich, so wurde mir mal gesagt, weil sie ein Kollektiv bedeuten würden. Zum Beispiel sind sächlich:

Gelände (←Land)
Gewässer (←Wasser)
usw.

Warum sind dann Geschmack und Geruch männlich? Sind sie etwa nicht das Kollektiv, das Dinge, die man schmeckt bzw. riecht, darstellen?

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die Geschichte, der Gestank, die Gewalt, der Gehorsam, der Gemahl... – Emanuel Jan 7 '14 at 19:56
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Hm... In Gelände steckt "das Land", in Gewässer steckt "das Wasser". Was steckt ihn Geschmack und Geruch? "Der Schmack" und "Der Ruch" – genau genommen sind die Wörter veraltet und wenn dann Synonym zu den Ge- Wörtern. Das gilt nicht für Land und Gelände. Was steckt in "die Geburt"? "Die Burt" (auch veraltet). Ich denke, man sollte diese Regeln nicht zu sehr verallgemeinern. Es stimmt für "Das Gebräu" abgeleitet von "brauen", "Das Gedeck" von "decken". Und dann gibt es noch Wörter, wo ich gar keine Ableitung zu finde, bsp. "die Gegend" – Em1 Jan 7 '14 at 19:57
    
@Em1... Geschmack von schmecken, Geruch von riechen, Geburt von gebähren von bähren (wie "to bear"). Gute weitere Beispiel hast du gefunden :)...bis auf Gegen. Das dürfte wohl von "gegen" kommen... gleiche Idee wie "zugegen" – Emanuel Jan 7 '14 at 20:20
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Die alles überschreibende Regel ist, daß im Deutschen das Wortende das Genus bestimmt, und nicht der Wortanfang. Wenn man aus dem Ende nichts herleiten kann, sollte man es tunlichst vermeiden, etwas aus dem Anfang herzuleiten. Bestenfalls ist das Scharlatanerie, schlimmstenfalls Zeitverschwendung. – RegDwight Jan 7 '14 at 21:49
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Ausserdem, ich zitiere (erster Absatz) "Wie kommt ein Nomen zu seinem Genus? Die Frage ist leicht zu beantworten für Nomina, die Menschen und höhere Tiere bezeichnen: männlich ~ mask., weiblich ~ fem." ... also wirklich... die Katze, der Hund, das Huhn, der Elefant, die Giraffe.. und weiter "Genusunterschiede bestehen im Deutschen nur im Singular. Pluralformen entsprechen generell dem Feminum (die Männer, die Frauen, die Kinder – sie).".. auch das ist falsch. "Die schönen Frauen" vs "die schönen Frauen". Die Quelle sieht seriös aus, bedarf aber der Überarbeitung. – Emanuel Jan 7 '14 at 22:34
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Hier stehen wir wieder vor der alten Frage, ob sich die Sprache nach den Regeln richtet, oder ob die Regeln der Versuch sind, die Sprache zu beschreiben.

Tatsächlich ist es so, dass Menschen schon Sprache benutzt haben, als noch niemand auf die Idee kam, Regeln zu deren Gebrauch zu formulieren. Das ist übrigens auch der normale Weg des Spracherwerbs, den Kleinkinder beschreiten. Kinder hören zu und sprechen dann nach. Kinder sind nicht in der Lage, anzugeben nach welchen Regeln sie sich beim Sprechen richten, und auch Erwachsene benutzen Sprache fast immer, ohne an Regeln zu denken. Der Normalfall ist, dass man viele der Regeln gar nicht kennt. (Ich habe z.B. noch nie zuvor von der Regel mit den »Ge-«-Wörtern gehört.)

Regeln, die man in klugen Büchern findet, und die von Lehrern an Schüler weitergegeben werden, sind kein Korsett, in das sich die Sprache zu zwängen hat. Sie sind der nachträgliche Versuch, auffällige Muster in der Sprache zu beschreiben. Aber nicht alle Muster verlaufen in der natürlichen Sprache so schön sauber und geradlinig, wie es die einfachen Regeln oft vorgaukeln.

Gerade im Fall natürlicher Sprachen gibt es daher zu fast jeder Regel eine ganze Reihe von Ausnahmen, und die Nominalklassen von Substantiven in natürlichen Sprachen (die im Deutschen durch das grammatikalische Geschlecht und somit durch den Artikel wiedergegeben werden) sind ein hervorragendes Beispiel für das Versagen von Regeln.

Ganz offensichtlich ist das dort der Fall, wo einander widersprechende Regeln auf denselben Begriff anzuwenden sind.

Ein Beispiel:
Regel 1: Das grammatikalische Geschlecht weiblicher Personen ist weiblich.
Regel 2: Das grammatikalische Geschlecht von Verkleinerungsformen ist sächlich.

»Mädchen« ist eine weibliche Person und zugleich eine Verkleinerungsform (nämlich die Verkleinerung der Magd).

Nach Regel 1: Dort drüben steht eine Mädchen, sie sieht sehr hübsch aus.
Nach Regel 2: Dort drüben steht ein Mädchen, es sieht sehr hübsch aus.

Im »wirklichen Leben« werden die beiden widersprechenden Regeln aber gerne vermischt:

Tatsächlicher Gebrauch der Sprache: Dort drüben steht ein Mädchen, sie sieht sehr hübsch aus.

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Es sieht sehr hübsch aus. – user unknown Nov 16 '15 at 0:06

Ganz aus der Luft gegriffen ist die „Regel“ nicht, wonach Substantive mit der Vorsilbe Ge- Neutra seien. Es gibt nämlich gleich zwei Wortbildungsprozesse, die neutrale Substantive mit Ge- entstehen lassen; daneben gibt es aber auch andere Muster, die ebenfalls Substantive mit der Vorsilbe Ge-, aber nicht unbedingt neutralem Genus, produzieren und somit für die Ausnahmen von der Faustregel sorgen.

Zum einen wird Ge- genutzt, um Kollektivwörter aus anderen Substantiven abzuleiten; die sind dann Neutra: Gehölz (zu Holz), Geflügel (zu Vogel mit späterer Beeinflussung durch Flügel), Gemüse (zu Mus), Geschmeide (zu einem ausgestorbenen Wort smîda mit der Bedeutung ‘Metall’), Gebein (zu Bein in der Bedeutung ‘Knochen’), Gerät (zu Rat wie in Hausrat).

Zum zweiten dient Ge- auch der Bildung von abstrakten Begriffen aus Verben, die dann ebenfalls Neutra sind: Geräusch (zu rauschen), Gestöber (zu stöbern, stieben), Gerüst (zu rüsten), Gebet (zu bitten, beten).

Viele andere Substantive mit Ge- folgen völlig anderen Bildemustern, die gar nichts mit der Substantivvorsilbe Ge- zu tun haben. Beispielsweise kann aus einem Verb mit der Endung -t, ggf. mit Vokalwechsel, ein Substantiv abgeleitet werden (die Fahrt zu fahren); hat das Verb von vornherein schon ein ge-, bleibt dieses im Substantiv erhalten (die Geburt zu gebären). Von Verben auf ge- sind nach diesem Prinzip über verschiedene Bildeweisen etwa die Geschichte (zu geschehen) und der Gehorsam (zu gehorchen) abgeleitet.

Einige Verben hatten auch einmal die Vorsilbe ge- und sind danach ausgestorben oder haben die Vorsilbe verloren; die von ihnen damals abgeleiteten Substantive habe das Ge- behalten. Einige Beispiele hierfür sind die Gewalt (zu gewalten), das Gewerbe (zu gewerben) und auch der Geschmack (zu geschmecken), von dem die Frage ausging.

Schließlich gibt es natürlich auch noch Substantive, die zwar mit Ge- anfangen, bei denen das aber gar nicht diese Vorsilbe ist, wie etwa die Gegend, das Genus, die Geranie und die Genese.

Ein vergleichbarer Fall wäre die Faustregel, wonach Substantive auf -e häufig Feminina sind (Lampe, Gabe, Biene usw.). Auch sie hat eine gewisse sprachhistorische Grundlage (feminine ō-Stämme), aber auch reichlich Ausnahmen (der Hase, das Auge usw.).

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