Take the 2-minute tour ×
German Language Stack Exchange is a question and answer site for speakers of German wanting to discuss the finer points of the language and translation. It's 100% free, no registration required.

Wie ich in einem Kommentar erfahren habe, nennt man im Deutschen Verben auch Zeitwort.

  • Wieso?
  • Ist das wirklich sinnvoll oder nur ein komischer Versuch Fremdwörter zu vermeiden?
share|improve this question
7  
Schön ist das Zitat auf der Wikitionary-Seite: „Es ist ein Unglück, daß wir im Deutschen Verbum mit Zeitwort übersetzt haben. Tatwort müßte es heißen, denn es gibt die Tat, die Handlung, das Ereignis wieder.“ In meinen Augen richtig sind Tuwort und Tätigkeitswort. Alle anderen Begriff sind nonsense. –  Em1 Jan 9 at 18:40
1  
"Tätigkeitswort" und "Tunwort" stoßen auch an ihre Grenzen, wenn man an Verben wie "abwarten", "wissen" oder "vergessen" denkt. Hier steckt weder eine Handlung, noch ein Ereignis dahinter. –  Martin Drautzburg Jan 9 at 19:40
    
@MartinDrautzburg das ist so nicht richtig... "abwarten" ist auch ein tun. nämlich mit hinblick auf ein abgewartetes Ereignis nichts. aber bei wissen und vergessen stimme ich dir voll zu, obwohl beide auf ein vorheriges "tun" hinweisen.. –  Vogel612 Jan 9 at 20:01
2  
Tuwort und Tunwort sollten nur zur didaktischen Reduktion eingesetzt werden. Der Standard ist Verb und sollte es auch bleiben. –  Toscho Jan 9 at 20:35
1  
@MartinDrautzburg Warum so kompliziert? Die Kopulaverben "sein", "werden" und "bleiben" sind doch schon tolle Beispiele für Verben, die keine Tätigkeiten ausdrücken (sodern eher Existenz) –  Em1 Jan 9 at 21:22
show 2 more comments

5 Answers 5

Laut Wiktionary heißen Verben Zeitwörter, da sie Formen für die verschiedenen Tempora (Zeiten) aufweisen. Man muss sie also je nach Zeit konjugieren. Aber ich weiß nicht, ob das der einzig wahre Grund ist.

share|improve this answer
    
Nach der Logik gibt es ja dann in Sprachen, deren Vergangenheit mittels Partikeln ausgedrückt wird, keine Verben... nichts gegen die Antwort an sich. –  Emanuel Jan 9 at 20:33
add comment

Wieso?

Ich frage mal andersrum: Warum sollte es ausgerechnet »Verb« heißen? »Verb« ist vom lateinischen »verbum« abgeleitet und das heißt nichts anderes als »Wort«. Also ist streng genommen auch »Haus« ein Verb, ebenso wie »grün«, »gestern« und »wieso«.

Da sind »Tatwort«, »Tunwort« und »Tätigkeitswort« schon passendere Begriffe, auch wenn es Wörter aus dieser Gruppe gibt, die keine Tätigkeit ausdrücken (z.B. »heißen«: Im Satz »Ich heiße Hubert« wird ein Zustand ausgedrückt, keine Tätigkeit)

Mit »Zeitwort« soll betont werden, dass mit dieser Wortart das Verstreichen von Zeit ausgedrückt wird. Allerdings gilt hier dieselbe Kritik wie im Fall von »Tatwort«.

Ich verwende die Bezeichnung »Zeitwort«, weil ich diesen Begriff so in der Schule gelernt habe. Der Ausdruck »Zeitwort« stand nämlich zu meiner Volksschulzeit (1971-1975) im Lehrplan für österreichische Volksschulen, und er steht auch heute noch genau so dort: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/3994/VS7T_Deutsch.pdf


Ist das wirklich sinnvoll oder nur ein komischer Versuch Fremdwörter zu vermeiden?

Ja, ich denke dass es sinnvoll ist. »Zeitwort« ist jedenfalls nicht unsinniger als »Verb« oder »Tatwort«.

Den Versuch Fremdwörter zu vermeiden finde ich generell nicht komisch. Warum sollte man, wenn man die deutsche Sprache beschreibt, dafür Begriffe verwenden, die nicht dieser Sprache entstammen?

Es ist durchaus sinnvoll, Fremdwörter parat zu haben, beispielsweise wenn man die Grammatiken verschiedener Sprachen vergleichen möchte. Vergleicht man z.B. Englisch und Deutsch, dann will man sicherlich nicht ständig zwischen »noun« und »Hauptwort« wechseln, wenn es dafür das Fremdwort »Substantiv« gibt.

Aber wenn ich mich in deutscher Sprache über die deutsche Sprache unterhalten will, warum soll ich dafür lateinische Wörter verwenden, wenn es gut eingeführte deutsche Wörter gibt?

Liste der deutschen Wortarten in deutscher Sprache:
http://de.wikipedia.org/wiki/Grammatikbegriffe_im_Deutschen#Wortarten

share|improve this answer
2  
Einen Vorteil hat die Verwendung von Fremdwörtern schon: Man kommt deutlich seltener auf die Idee, dass sie selbsterklärend wären, was ja gerade das Problem von Zeitwort und auch Tätigkeitswort ist. Ja, Verb bedeutet wortwörtlich genommen einfach nur Wort, aber das haben diejenigen, die sich mit diesem Begriff zurechtfinden müssen, (also vor allem Schüler) in der Regel nicht vor Augen. Und vor allem für diese ist es wichtig, missverständiche Bezeichnungen (also Zeitwort, Tuwort, usw.) zu vermeiden. –  Wrzlprmft Feb 6 at 14:30
2  
@Wrzlprmft, das schreibt auch Adelung: „Da der Begriff eines Verbi sehr zusammen gesetzt ist, so wird sich wohl nicht leicht ein schickliches Deutsches Wort ausfindig machen lassen, welches auch nur den Hauptbegriff mit Präcision und Geschmack ausdruckte, daher man lieber den Lateinischen Ausdruck beybehält, bey welchem man an die Wortbedeutung nicht mehr denkt, daher man jeden Begriff damit verbinden kann.“ –  Carsten Schultz Feb 6 at 16:27
    
@Wrzlprmft: Dein letztes Argument gilt auch umgekehrt: Ja, Zeitwort bedeutet wortwörtlich genommen ein Wort das mit Zeit zu tun hat, aber das haben diejenigen, die sich mit diesem Begriff zurechtfinden müssen, (also vor allem Schüler) in der Regel nicht vor Augen. Und vor allem für diese ist es wichtig, missverständiche Bezeichnungen (also Verb) zu vermeiden. –  Hubert Schölnast Feb 6 at 16:34
    
Darf ich fragen, wie du darauf kommst, das der Begriff "Zeitwort" das "verstreichen" betonen soll? In einer anderen Antwort heißt es, es sei der Tempora wegen. Wörter wie "explodieren, knallen, springen, schmeißen,..." haben wohl kaum einen Fokus auf dem Verstreichen von Zeit. Nach der Logik ist dann auch "später" ein Zeitwort, denn es unterstreicht das Verstreichen von Zeit. Mit "tunwort" habe ich kein Problem. Mit "Zeitwort" schon. Und bloß weil es früher so gehandhabt wurde, heißt das nicht, das es gut ist. –  Emanuel Feb 6 at 18:07
1  
@Hubert Schölnast: Doch, die meisten Schüler werden automatisch die Zusammensetzung von Zeitwort erkennen und naturgemäß erwarten, dass damit ein Wort gemeint ist, das irgendwie Zeit darstellt (also z. B. gestern, jetzt oder Montag) – genauso wie ein Eigenschaftswort Eigenschaften darstellt und Türgriff für den Griff einer Tür steht. Obendrein ist der Vorteil von Erbwörtern gegenüber Fremdwörtern doch gerade, dass sie direkt verständlich sind. Wenn Du dem Begriff Zeitwort diese Eigenschaft absprichst, geht damit auch sein einziger vermeindlicher Vorteil verloren. –  Wrzlprmft Feb 6 at 19:19
add comment

The literal meaning of "Zeitwort" is "time word."

Verbs are "time words" insofar as they deal with the past, present, and future (tenses).

Wortlich ist ein Zeitwort ein "time word."

Zeitworten sind "time words," insofern sie behandeln von der Vergangenheit, Prasens, und Futur.

share|improve this answer
add comment

In deutscher Grammatik werden Verben auch "Zeitwörter" genannt, weil sie die einzigen Wörter sind, die abhängig von der Zeit flektiert werden können.

Dass das in anderen Sprachen nun mal nicht so ist, tut ja nichts zur Sache. Im Japanischen kann man sowohl "Verben" als auch eine Klasse von "Adjektiven" konjugieren. "Zeitwort" würde demnach sowohl auf Verben, als auch auf bestimmte Adjektive zutreffen. (Genau deswegen nennt man diese Adjektive auch "adjectival verbs" also "adjektivische Verben" im Englischen.)

In einer anderen Sprache, in der keine Wortformen mit der Zeitform konjugieren, macht das Wort Zeitwort evtl. gar keinen Sinn. In einer deutschsprachigen Grammatik dieser Sprache benutzt man dann vielleicht besser den Begriff "Verb" (oder einen anderen, passenden Begriff).

Wie dem auch sei, in der deutschen Sprache macht der Begriff "Zeitwort" Sinn. Ob man den Begriff mag oder nicht, ist wieder ein anderes Thema. "Zeit" steht hier nämlich nicht für "hat irgendetwas mit Zeit zu tun" sondern für "inflektiert je nach Zeitform/Tempus".

share|improve this answer
    
Verben sind die einzigen Wörter die konjugiert werden können. Ob Zeit oder nicht ist egal. Zudem halte ich es für angebracht, für derart grundlegende grammatische Einheiten, eben auch einheitliche Definitionen zu finden, die in jeder Sprache funktionieren. Und nicht zuletzt... es sollte dann doch schon "Zeitformwort" heißen. –  Emanuel Feb 7 at 17:51
1  
Du darfst ja weiterhin "Verb" benutzen und "Zeitwort" ohne weitere Probleme ignorieren. Außerdem gibt es keine grammatische Einheiten, die in jeder Sprache funktionieren. Ich kann dir das Buch "The Language Instinct" von Steven Pinker empfehlen. –  Earthliŋ Feb 7 at 17:58
    
"Verben sind die einzigen Wörter die konjugiert werden können. Ob Zeit oder nicht ist egal.": Nomen inflektieren (deklinieren) je nach Fall. –  Earthliŋ Feb 7 at 18:01
    
@Earthling... Nomen konjugieren nicht. Keine Wortart konjugiert. Nur Verben. Ob die anderen was anderes machen ist egal. Der erste Satz in dieser Antwort klingt so also ob auch andere Wortarten konjugieren. Mach "flektieren" draus, und das Problem ist beseitigt. –  Emanuel Feb 7 at 18:55
add comment

Der Begriff "Zeitwort" ist völlig korrekt und nicht unüblich. Verben heißen Zeitwörter, weil man mit ihnen die Zeit ausdrückt.

Edit:

"... hat man das Verbum auch Zeitwort genannt, weil es ihm unter allen Redetheilen allein eigenthümlich ist, durch bestimmte Formen die Zeit in ihrem Wechsel oder Flusse anzudeuten" (Grammatik der neuhochdeutschen Sprache)

share|improve this answer
2  
Das stimmt leider nur bedingt. Morgen fahre ich nach Kölln. Womit habe ich jetzt Zeit ausgedrückt? Oder nimm einen Roman... "Er greift zu seinem Schwert." Heißt das, dass er es jetzt macht? Nein. Der Kontext gibt uns die Zeit. Sorry, aber dafür gibt's -1 –  Emanuel Jan 9 at 18:29
2  
"... hat man das Verbum auch Zeitwort genannt, weil es ihm unter allen Redetheilen allein eigenthümlich ist, durch bestimmte Formen die Zeit in ihrem Wechsel oder Flusse anzudeuten" (Grammatik der neuhochdeutschen Sprache) –  Martin Drautzburg Jan 9 at 19:23
    
Ok, aber es ist ja nun mal offensichtlich nicht so. Zeit kann durch alles mögliche ausgedrückt werden. "Von stolz erfüllt setzte Klaus den ersten Spatenstich." dann neues Kapitel "Der neue Mondflughafen war wirklich ein Meisterwerk." Hier etabliert die Nominalphrase, wann wir uns befinden. Das Verb ist in beiden Fällen Vegangenheit. Nimm dazu noch an, dass die Geschichte im Jahr 2300 spielt und das Verb hat garnichts mehr mit der Zeit zu tun. Mag sein, dass das die Begründung war, aber solange dein erster Satz steht, steht auch mein -1. Die Aussage ist einfach falsch. –  Emanuel Jan 9 at 19:46
1  
+1 noch zwei Links die dies unterstützen: dwds.de/?qu=Zeitwort woerterbuchnetz.de/DWB/… –  Takkat Jan 9 at 21:42
    
@Emanuel Es bestreitet ja keiner, daß man die Zeit auc noch anders andeuten oder ausdrücken kann. Das wichtige Wort hier ist "eigenthümlich". Und grammatisch haben eben nur die Zeitwörter Zeitformen. –  Ingo Jan 9 at 23:03
show 1 more comment

Your Answer

 
discard

By posting your answer, you agree to the privacy policy and terms of service.

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.