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Beim Lesen von Literatur zu Goethe und Schiller fiel mir auf, dass deren Namen in manchen Texten mitgebeugt wurden, so wie wir das heute noch mit den Objekten machen.

Der Lautwandlungsprozess zum Neuhochdeutschen war meines Wissens nach bereits abgeschlossen, daher stellt sich die Frage, wie und wann diese Eigenart verloren ging.

Zum Beispiel:

Goethe an Schiller, 1. November 1794

Morgen frühe gegen 10 Uhr hoffe ich mit Meyern in Jena einzutreffen [...]

Quelle: http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/briefe/schiller/1/023.htm

Besonders interessiert mich außerdem, nach welchen Regeln gebeugt wurde.

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Hast du Beispiele dafür? –  Jemus42 Jun 3 '11 at 23:04
    
Such ich gerne raus. Dauert allerdings ein bisschen ;) –  Samuel Herzog Jun 3 '11 at 23:13
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Kleine Abschweifung der Vollständigkeit halber: Teil der Anrede wird immer noch mitgebeugt, nähmlich der Titel. "Ich hoffe mit Herrn Meyer in Jena einzutreffen." –  Stovner Jun 4 '11 at 8:28
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Es wäre interessant zu wissen, worauf sich der Ausreißer (1820-30) von "Meyern", der hier ersichtlich ist, zurückzuführen ist: ngrams.googlelabs.com/… –  splattne Jun 4 '11 at 9:29
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Nach Adam Riese... –  Andrew J. Brehm Jul 4 '11 at 9:38

1 Answer 1

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Vorab eine Präzisierung: Namen werden auch heute noch gebeugt, allerdings nur im Genitiv:

Ich habe Müllers Kuh gekauft.
Goethes Briefe sind aufschlussreich.
Es liegt auf Direktor Meyers Schreibtisch.

Bei einigen Namen wird auch der Plural gebildet:

"Alle Marias bitte aufstehen!"

Allerdings ist es wahr, dass z. B. im Dativ keine Kasusendungen mehr verwendet werden.

Dabei spielt die Tendenz des Deutschen, das Kasussystem immer mehr zu vereinfachen, eine Rolle. Das begann im frühen Mittelalter mit der Endsilbenabschwächung. Endungen, die keine Funktion mehr haben, sind verschwunden, weil sie redundant sind.

Früher sagte man zum Beispiel "im Hause" oder "mit dem Kinde". Auch das Genitiv-s bei Eigennamen mit Artikel wird immer häufiger weggelassen wie in "die Malerei des Barock".

Zur Frage, wie die Eigennamen zu Goethes Zeiten dekliniert wurden, habe ich hier diese schöne Tabelle gefunden:

Fälle         Nennender    Zeugender    Gebender    Klagender    Rufender
              (Nominativ)  (Genitiv)    (Dativ)     (Akkusativ)  (Vokativ)
---------------------------------------------------------------------------
Konsonant     -            -ens         -en         -en          -e
              Faust        Faustens     Fausten     Fausten      Fauste!
              Johann       Johannens    Johannen    Johannen     Johanne!
              Fritz        Fritzens     Fritzen     Fritzen      Fritze!
              Johannes     Johannesens  Johannesen  Johannesen   Johannese!
---------------------------------------------------------------------------
Auf -e        -            -ns          -n          -n           -
              Goethe       Goethens     Goethen     Goethen      Goethe!
              Margarete    Margaretens  Margareten  Margareten   Margarete!
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Danke, dass da auch ein Beispiel mit einem Namen der auf s endet dabei ist. Die alten Formen bilden sich ja manchmal auf der Zunge, aber erscheinen einem nicht richtig. War dann also Dorisens mal korrekt? –  bernd_k Jun 4 '11 at 7:31
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"dem Otto": aus einem Buch von 1789: goo.gl/Dvq9e –  splattne Jun 4 '11 at 9:25
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"bei der Mariä" (1808): goo.gl/ro9j9 –  splattne Jun 4 '11 at 9:26
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Sehr schön, dein Otto-Beispiel. Dort steht oben auf S.99: "Da wir eines Zugs unsers Otto nach Italien so eben erwähnt haben [...]", also Genitiv ohne "s" am Ende, und ich glaube, das ist immer so, wenn der Genitiv im Artikel (oder Possessivpronomen) ausgedrückt wird. "Es hatte nemlich unsern Otto, [Komma sic] der Pabst Johannes XV. (XVI.) dahin eingeladen [...]", Otto also auch hier unbeugsam. :-) –  Lumi Jun 4 '11 at 10:18
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@splattne Stimmt, aber warum hat es zuallererst die Flexion von Eigennamen abgeschwächt. Diese ist doch eben gerade nicht redundant, da Eigennamen im Regelfall schließlich ohne Artikel, also ohne jeglichen Kasusmarker benutzt werden. –  Debilski Aug 7 '11 at 18:51

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