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(Der Titel diser Frage ist katastrophal, ich gebe zu. Hoffentlich lässt sich bald ein besserer finden.)

Hintergrund

Die Frage ist eigentlich ein bisschen komplizierter. Natürlich wäre denn ein paar Beispiel zuerst hilfreich, die nur als Aufwärmen betrachten werden sollen.

1. Beispiel.

  • Beispielswort: Arztbesuch
  • Verb: jemanden(Akk.) besuchen

Wenn man die Bedeutung dieses Wortes nicht wüsste, wie könnte man entscheiden, ob dieses zusammengesetzte Nomen „man besucht den Arzt“ oder „der Arzt besucht die Patienten“ bedeutet? Besser gesagt:

  • Wie könnte man entscheiden, in welche Richtung das Verb wirkt? Das heißt, ob das erste Nomen (hier Arzt) ein Subjekt oder ein Akkusativobjekt ersetzt?

Als Nicht-Muttersprachler hätte ich letzte Frage so beantwortet: "Rein statistisch gibt es mehr Leute, die den Arzt besuchen, als Leute, die von Ärzten besuchen werden. Daher wäre die erste Interpretation sinnvoller, d. h. Arztbesuch bedeutet „den Arzt zu besuchen“. Arzt ist hier Akkusativobjekt und das Subjekt ist stillschweigend".

2. Beispiel

  • Beispielswort: Beamtenbeleidigung
  • Verb: jemanden(Akk.) beleidigen

Der Kontext hier hilft nochmals, die Frage zu beantworten (d. h. Beamte ist natürlich das Akkusativobjekt). Aber man wünscht sich etwas kontextfreies. Dieses Beispiel lässt sich dann so verallgemeinern:

Frage

(Ich will verstehen, wie und wann man zwei Nomen zusammensetzen kann. Ich muss aber zuerst verstehen, wie man die liest. Daher diese Frage.)

Man betrachte ein (hier durch V bezeichnetes) Verb, das ein Akkusativobjekt annimmt. Angenommen man liest ein zusammengesetztes Nomen folgender Form:

X(irgendwelches Nomen) verknüpft mit N(einer Nominalisierung von V),

kann man denken, es bedeutet einer der folgenden Sätze:

  1. X(Nom.) V Y(Akk.)
  2. Y(Nom.) V X(Akk.)

wobei Y irgendwelches Nomen ist und V konjugiert ist. Wenn man über kein Wörterbuch verfügt (und man will ja oft keins nutzen müssen, wenn man Deutsch lernt),

  • wie kann man sich in einem kontextfreien Zusammenhang für eine Bedeutung entscheiden? 1 oder 2?

(Mein Traum hier wäre eine grammatische Regel – ich wäre allerdings hier mit guten Erklärungen zufrieden.)

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  • Ohne die Frage vollständig gelesen zu haben: Die Bedeutung ergibt sich tatsächlich nicht aus der Grammatik, wie das ebenso gebräuchliche Wort Krankenbesuch zeigt, dass beschreibt, dass man jemanden beispielsweise im Krankenhaus besucht.
    – Carsten S
    Feb 22, 2014 at 11:21
  • Ja eben, was ich befürchtet habe: Keine Regel.
    – c.p.
    Feb 22, 2014 at 11:31
  • Die deutsche Sprache hat halt keine ausreichend komplexe Grammatik!
    – Carsten S
    Feb 22, 2014 at 11:40
  • Btw, after rethinking it, I am not sure what the more common meaning of Arztbesuch is.
    – Carsten S
    Feb 22, 2014 at 14:12
  • 1
    Vielleicht ist ein anderes/weiteres Beispielwort nötig, um besser klarzustellen, dass hier eine allgemeine Frage gestellt ist.
    – Takkat
    Feb 22, 2014 at 18:41

4 Answers 4

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Die deutsche Sprache kennt keine allgemeinen Konventionen, die bei Komposita bestimmen ließen, was genau mit wem getan wird. Allerdings gibt es spezielle Konventionen, s.u.

In deinem Beispiel Arztbesuch ist ohne weiteren Kontext nicht eindeutig bestimmbar, wer wen besucht. Im Allgemeinen wird man, wie du richtig schreibst, annehmen, dass der Patient den Arzt besucht. Das Gegenteil ist allerdings nicht ausgeschlossen.

Um den Sachverhalt noch mehr zu komplizieren, werden bei manchen Komposita auch noch Präpositionen impliziert :

Feuerschutz könnte z.B. (manche Fälle eher theoretisch) bedeuten

  1. Schutz vor Feuer: "Die Feuerwehr belegte die benachbarten Dächer zum Feuerschutz mit einem starken Wasserstrahl"
  2. Schutz durch Feuer (militärisch): "Gib mir Feuerschutz"
  3. Schutz des Feuers: "Eine Steinreihe um das Lagerfeuer dient dem Feuerschutz"

Von diesen 3 theoretischen Möglichkeiten ist an sich durch Konvention nur (2) möglich.

Nimmt man den sehr ähnlichen Begriff Brandschutz, ist per Konvention eigentlich nur der Schutz vor bzw. bei Bränden möglich.

Die tatsächliche Bedeutung von Komposita lässt sich also nur durch den Kontext oder durch spezielle Konventionen (falls sie denn existieren) bestimmen.

1

Ich versuche es mal mit einem konkreten Beispiel:

Ich besuche den Arzt.

Das ist ein klarer Fall mit Akkusativobjekt.

Ich mache einen Arztbesuch.

Das scheint zunächst auch klar, ist es aber nicht: Wenn ich selber Arzt bin, kann auch gemeint sein, dass ich zum Patienten gehe. Das scheint damit eindeutig kontextfrei nicht vollstandig definiert zu sein.

4
  • der Besuch des Arztes beim Patienten ist aber ein Patientenbesuch, vobei der Patient vom Arzt besucht wird. Von demher wäre nominalisiert etwa: Arztbesuchung das "richtige" Wort..
    – Vogel612
    Feb 22, 2014 at 18:31
  • 3
    Der Besuch des Arztes beim Patienten ist ein "Hausbesuch", oder im Krankenhaus die "Visite".
    – elena
    Feb 24, 2014 at 10:02
  • Elena hat Recht. Eine weitere Möglichkeit wäre übrigens noch "Patientenbesuch". Ein Arztbesuch ist praktisch immer ein Besuch beim Arzt.
    – user2183
    Mar 18, 2015 at 15:38
  • PS: Allerdings kann ein Hausbesuch aus Patientensicht durchaus auch mal als "Arztbesuch" bezeichnet werden. ("Seit meine Mutter bettlägerig ist, muss ich mir jede Woche den ganzen Mittwoch Nachmittag freinehmen, um den Arztbesuch abzuwarten.")
    – user2183
    Mar 18, 2015 at 15:46
1

I guess the more common case is case 2. However, it is not determined and both cases are possible.

In dem von PMF erwähnten Fall, dass der Arzt der Sprecher ist, könnte genauso gut von einem Krankenbesuch oder Patientenbesuch die Rede sein. Dies schließt aber wiederum den umgekehrten Fall nicht aus.

Dennoch scheint Fall 2 näherliegend. Möglicherweise, weil das Subjekt meist aus dem Zusammenhang hervorgeht und das zusammengesetzte Nomen das Akkusativobjekt liefert.

Also consider the following examples

Peters Selbstfindung
- Peter fand [wen?] (sich) selbst
Die Schneeaufhäufung war durch den Wind bedingt
- Der Wind hat [wen?] den Schnee aufgehäuft
Nach der Erstklässlerbelehrung brauchte Tim eine Pause
- Nachdem Tim [wen?] die Erstklässler belehrt hatte brauchte er eine Pause.

but

Die Brandschutzbelehrung ist Pflicht

Brandschutz cannot be the accusative object, since it cannot be instructed

0

Die Frage, ob man natürliche Sprachen kontextfrei dechiffrieren kann, ist eo ipso sinnlos: in der "[Chomski-Hierarchie][1]" sind kontextfreie Grammatiken (deren bestimmendes Merkmal eben die Kontextfreiheit darstellt) vom Typ 2, während deren Übermenge Typ 1 genau diese Einschränkung nicht mehr aufweist (sogenannte kontextsensitive Grammatiken). Natürliche Sprachen sind in dieser Anordnung vom noch allgemeineren Typ 0 und durch sogenannte "Phasenstrukturgrammatiken" vermittelt.

Zu verlangen, daß sich eine Typ-0-Sprache (bzw. die sie definierende Grammatik) wie eine Typ-2-Sprache verhalte, ist schon aus diesem Grunde sinnlos. Wäre das der Fall, dann wäre sie eben keine Typ-0-Sprache mehr.

Auf das angeführte Beispiel "Arztbesuch" angewandt heißt dies: natürlcih kann es beides bedeuten, "Arzt besucht Patienten" oder "Patient besucht Arzt". Das wird aus diesen Beispielsätzen klar:

Ich muß noch den Arztbesuch abwarten, dann kann ich mich der Unterhaltung mit dir widmen.

Ich habe noch den Arztbesuch zu erledigen, danach komme ich zu dir.

Daß im ersten Fall der Arzt zum Hausbesuch kommt und im zweiten Falle aufgesucht wird, geht nicht nur aus dem Kontext hervor - es ist auch das auszeichnende Merkmal der natürlichen Sprachen, solchen Kontext ausdrücken zu können. [1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Chomsky-Hierarchie

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  • Was ist der Unterschied zwischen "etwas ist sinnlos" und "etwas ist eo ipso sinnlos"? May 9 at 19:19
  • Das erste Beispiel überzeugt mich nicht; typischerweise heißen die Gelegenheiten, bei denen der Arzt den Patienten besucht, Hausbesuche, siehe z. B. beim VdK.
    – guidot
    May 9 at 20:04
  • @guidot: genau darum, daß es "typischerweise Hausbesuche heißt", geht es aber hier nicht: es geht darum, daß man selbst in diesem Falle den gemeinten Sachverhalt (zB aus der Bedeutung der Vokabel "abwarten", die anstatt etwa "erledigen" gebraucht wird) ableiten kann. Genau das können Typ-2-Sprachen (zB "regular expressions") nämlich nicht.
    – bakunin
    May 10 at 7:21
  • Was hat denn "Kontext" in Produktionsregeln von Phrasenstrukturgrammatiken mit sprachlichem Kontext, Kommunikationszusammenhang zu tun?
    – David Vogt
    May 10 at 7:38
  • 2
    @jonathan.scholbach: "eo ipso" heißt "aus sich selbst heraus" und das ist in diesem Fall der Fall: zB ist die Frage "warum gibt es k/einen Gott" sinnlos (weil nicht beantwortbar), aber "warum ist es nachts kälter als draußen" schon aus sich selbst heraus sinnlos. Die Frage "warum gelten für Typ-2-Sprachen andere Regeln als für Typ-0-Sprachen" ist ebenso aus sich heraus sinnlos, weil diese Typ-0-Sprachen dann eben Typ-2-Sprachen wären, wenn für sie die Regeln für Typ-2-Sprachen gälten.
    – bakunin
    May 10 at 7:42

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