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Als ich mit dem Deutschlernen angefangen habe, ist ein typisches Gespräch zwischen mir und meiner Deutschlehrerin ungefähr wie folgt gelaufen:

Ich: „Der Ball gehört mich.“

Lehrerin: „Hoppla, nicht so schell! Wen oder wem gehört der Ball?“

Das hat mich immer genervt, denn hätte ich nur die Antwort der Frage gewusst, hätte ich den Satz nie falsch gesagt!

Mir scheint die Situation so zu sein: Ob wen oder wem gesagt werden muss, wird von dem Kasus bestimmt, aber ob mich oder mir gesagt werden muss, wird auch von dem Kasus bestimmt. Deshalb bin ich keinen Schritt weiter: Ich muss auf jeden Fall den Kasus bestimmen.

Später habe ich derartige Fragen oft gehört, wenn Deutsche den Fall eines Nomens enträtseln wollen. Dieses Ritual stammt vermutlich von der Schulbildung, in der es wie ein pädagogischer Trick benutzt wird, um den Kasus zu lernen. Für mich ergibt die Frage aber immer noch keinen Sinn.

Warum hilft diese Frage dabei, den Kasus zu bestimmen? Gibt es einen logischen Grund, oder dreht es sich um das Sprachgefühl?

Ist es anders, wenn die Frage mit einer Präposition gestellt wird? Beispiel:

Auf wen oder wem stehst du?

Beachtet bitte, dass ich nicht nur am Wen- und Wemfall interessiert bin, obwohl das Beispiel nur diese Fälle erwähnt und ich diese Fälle am schwierigsten finde. Das wer und wessen wäre auch in der Diskussion willkommen.

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7 Answers 7

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Die Verwendung dieser Fragen ist in den ersten Schuljahren üblich und für Muttersprachler auch hilfreich (interessanterweise war es aber in meiner Schule keineswegs üblich, dass die Lehrerin die richtige und falsche Version zur Auswahl gestellt hat, sondern sie hätte im Eingangsgespräch gesagt: Nicht so schnell. WEM gehört der Ball?).

Als Gründe sehe ich:

Gerade die Verwendung von "mir" und "mich" weicht in Dialekten häufiger von der Hochsprache ab, das ist bei den Fragewörtern eher nicht der Fall.

Der Fall des Objekts soll auch für seltenere Wörter bestimmt werden, die Fragewörter hat aber jedes Kind schon oft verwendet und ist damit viel eher vertraut.

Dass das Zitieren dieser Methode für fremdsprachige Lerner der deutschen Sprache lästig ist, kann ich aber gut nachvollziehen. Was die Methode macht, ist es, die Entscheidung zwischen den beiden Fällen von der tatsächlichen Formenbildung für das konkrete Wort zu trennen.

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Es ist (vermutlich auch in anderen Sprachen) einfacher, über einen Anwendungsfall das Sprachgefühl zu aktivieren, als eine grammatikalische Regel abzurufen. Würde mich jemand fragen: "Steht gehören mit Dativ oder Akkusativ?", würde ich auch spontan einen Beispielsatz bilden und daraus die grammatikalische Regel ableiten: "Mit Dativ". Ein Muttersprachler wird fast immer die grammatikalische Regel über ihre Anwendung gelernt haben, nicht die Anwendung über die Regel.

Umgekehrt lernt wohl ein Großteil derjenigen, die eine Fremdsprache lernen, anhand der grammatikalischen Regeln (wie bildet man die Tempora, Singular-/Pluralformen etc. pp.). Dann ist es auch naheliegend, dass der "Appell ans Sprachgefühl" ins Leere geht (oh, sehe gerade, thei hat das schon geschrieben...).

Um also die Ausgangsfrage zu beantworten: Jemandem, der Deutsch als Fremdsprache lernt, hilft die Frage "wem/wen" wahrscheinlich gar nicht. Hilft sie, ist das aber ein sehr gutes Zeichen :-) - dann ist das Sprachgefühl bereits sehr gut ausgeprägt!

Interessant übrigens: leo.org hat für Sprachgefühl gar keine Übersetzung, sondern sieht den deutschen Begriff auch für das Englische vor...

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Die Unterscheidung zwischen Akkusativ und Dativ ist im Deutschen schwierig und fällt auch Muttersprachlern mitunter schwer. Im Zwiebelfisch steht ein amüsanter Artikel zu diesem Thema, hier ein kurzes Zitat:

Auch im Hochdeutschen ist es längst nicht immer eindeutig. Heißt es "auf sein Recht beharren" oder "auf seinem Recht beharren"? Der Duden lässt hier nur den Dativ gelten. Bei "auf etwas bestehen" geht hingegen beides, man kann "auf seinem Recht bestehen" (wenn man darauf beharrt), und man kann "auf sein Recht bestehen" (wenn man es einfordert). Immer wieder gerate ich ins Grübeln, wenn ich mit der Frage konfrontiert werde, ob es "Er hat ihm auf die Füße getreten" heißt oder "Er hat ihn auf die Füße getreten". Aber auch hier ist beides möglich.

Viele Kinder können diesen Unterschied nicht - sie benutzen überwiegend den Akkusativ - bis sie Schreiben lernen. Beim Hören und Sprechen fällt die Verwendung des Akkusativ auch nicht weiter auf.

Im genannten Beispiel "auf wen/wem stehst Du?" ist beides möglich, wenn auch mit anderer Bedeutung:

Gabi steht auf dem Teppich = sie steht mit ihren Füßen auf dem Teppich

Gabi steht auf den Teppich = sie mag den Teppich sehr

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  • Interessant, aber ein bisschen abschweifend. Ich versuche meine Frage ausführlicher zu erklären: Wenn man nicht weiss, ob "auf etwas bestehen" Dativ oder Akkusativ fordert, schreibt manche den Satz um: "Auf wen oder wem bestehe ich?" Diese Umschreibung scheint den Muttersprachlern zu helfen. Warum ist jene Fragen hilfreich?
    – Stovner
    Commented Jun 13, 2011 at 7:57
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    Die wem oder wen Frage hilft meines Erachtens im Einzelfall nicht weiter (man muss den Kasus bereits kennen, um die Frage richtig stellen zu können).
    – Takkat
    Commented Jun 13, 2011 at 8:12
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Die Frage ist ein didaktisches Mittel, implizites Wissen explizit zu machen. Sie wird benutzt, um muttersprachlichen Kindern Einsicht in die Grammatik der deutschen Sprache zu geben. Kinder haben aus ihrer Sprachpraxis bereits ein implizites Wissen über die Verwendung der Fälle. Dieses spiegelt sich darin wieder, wie sie die Fragewörter richtig bestimmen können. Die Frage macht dieses Wissen explizit, indem sie den Kindern erlaubt, auf diese Weise Dativ und Akkusativ zu erkennen.

Für Nichtmuttersprachler, die eine Sprache anders lernen als Kinder im Ersterwerb, ist diese didaktische Methode fehlgeleitet: Sie haben das implizite Wissen ja gerade nicht, und müssen es sich in der Regel explizit aneignen (indem sie die Verbvalenzen auswendig lernen).

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Wenn du die Konstruktion nicht weißt, hilt dir die Frage wem/wen überhaupt nicht. Man muß im Lexikon nachschauen, wie das Verb gehören konstruiert wird: etwas gehört mir (Dativ). Deine Lehrerin hätte dir also sagen müssen, nach "gehören" steht der Dativ der Person. Übrigens genau wie im Englischen: something belongs to me and not: something belongs me.

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Wem und Wen sind prima um Muttersprachlern die Grammatik beizubringen. Sie kennen die richtige Formulierung und die Frage dient nur dazu, daß Sie den Kasus identifizieren. Toll für Muttersprachler und Anfängerlinguisten. Komplett ungeeignet für den DaF-Unterricht.

Ich habe mir für meine Schüler was ausgedacht, worüber vielen hier die Haare sträuben werden. Es geht folgendermaßen, ob das nun nützlich ist oder nicht, kann der OP entscheiden:

Das Subjekt interagiert mit den Objekten im Satz. Bekommt das Objekt nach der Interaktion nichts, steht es im Akkusativ. Bekommt es etwas (oder besitzt es etwas, steht er im Dativ).

Beispiel: Ich gebe dem Mädchen einen Ball. Ich interagiere mit dem Ball, er hat aber nach der Interaktion nichts in dazugewonnen, folglich Akkusativ. (Das ist wohl bekannt, das entscheidende, was zur Differenzierung hilft, kommt jetzt gleich.) Das Mädchen hat aber nach der Interaktion etwas mehr als sie vorher hatte (nämlich den Ball), deswegen steht das Objekt Mädchen im Dativ.

Ich gebe ihr/ihm (Dat./Wem?) etwas (Akk./Was?) Ich wünsche meinem Freund alles Gute. (Was hat er bekommen? Nichts Materielles, aber gute Wünsche. Die hatte er voher nicht. Aus demselben Grund funktioniert Alle Verben, die als Folge haben, daß das Objekt (infolge der Aktion des Subjekts) etwas dazugewinnt, provozieren einen Dativ: schicken, schenken, kaufen, usw. (Es ist früh morgens, viele Beispiele fallen mir nicht ein.)

Übung für den OP: Welches der folgenden Verben bereichern das Objekt und welche nicht? anrufen, schreiben, sehen, hören, zuhören, sagen, versprechen.

Besitzt das Objekt etwas, steht er auch im Dativ, deshalb: Der Ball (Subj.) gehört mir (Objekt, das den Ball besitzt). (Das nur, um auf das Beispiel des OP zurückzukommen.)

Sicher, meine Krücke funktioniert nicht immer, aber meistens.

Kommen Präpositionen ins Spiel, ändert sich alles. Man muss auswändig lernen, welche Präposition welchen Kasus verlangt. (Und dann kommen die unterschiedlichen Situationen des Wo/Woher/Wohin bei den Wechselpräpositionen dazu, Takkat ist darauf eingegangen. Ist aber ein anderes Thema.)

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  • Die "Krücke" funktioniert und funktioniert gut für den "Kern" des Dativs - (immerhin kommt "Dativ" von "dare" = "geben"). Der Dativ hat aber auch andere Verwendungen, z.B. den ethicus ("mach' mir keinen Ärger"), wo deine Krücke nicht sehr gut (oder nur mit sehr viel gutem Willen) funktioniert, und leider überhaupt nicht mit Dativ-Präpositionen.
    – tofro
    Commented Apr 27 at 7:41
  • @tofro, gute Bemerkung. Meine Krücke hilft, hoffentlich, Anfängern. Ethikus ist schon höheres Niveau. Was die Präpositionen betrifft, da habe ich noch nichts anderes gefunden als Auswändiglernen. Commented Apr 29 at 15:09
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Der "wie fragt-man-danach"-Test funktioniert wunderbar bei Muttersprachlern in der Grundschule, die 5-7 Jahre lang nur Deutsch gesprochen und verstanden haben, und denen man beibringen will, dass sie da eigentlich den Dativ verwenden. Man baut mit dieser Hilfe das grammatische "Gerüst" in das bereits bestehende "Haus" (praktiziertes Deutschsprechen) ein.

Er funktioniert leider überhaupt nicht bei DaF-Lernenden, die bisher (im Vergleich dazu) oft praktisch keinen Kontakt (und schon gar nicht dauernd) mit der deutschen Sprache hatten, und denen deshalb die praktische Erfahrung und Fähigkeit zur "Mustererkennung" fehlt. Wie soll ein Lernender wissen, wie man "danach fragt", wenn er nicht weiß, wie man die Antwort formulieren würde? Es ist im Prinzip eine Aufforderung, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen....

Da der Test für deutschsprachige Grundschüler so gut funktioniert, wird er deswegen auch oft im Deutschunterricht eingesetzt - Leider eben deswegen dann aber auch oft ohne Nachdenken direkt in den DaF-Unterricht übernommen - Hier hilft er eben aber leider gar nicht, oder nur, wenn der Lernende bereits umfangreiche Sprachpraxis hat (dann braucht er den Test aber oft nicht mehr). Ich finde, dass sich DaF-Ausbilder mit den Angebot dieser "Hilfe" eher disqualifizieren bzw. zeigen, dass sie sich überhaupt nicht in die Rolle des Lernenden hineinversetzen können.

Sehr oft findet sich das Angebot dieser eigentlich ziemlich unnützen "Hilfe" leider auch in Antworten hier, es fehlt vielen das Bewusstsein, was den Unterschied zwischen natürlichem Spracherwerb und Erlernen einer Fremdsprache ausmacht.

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