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Vor einiger Zeit schrieb ich als Antwort auf eine andere Frage dieses Forums den folgenden Satz (nämlich hier):

Mit der Zeit lernt es Sprechen, so wie es auch Gehen lernt.

(es = ein Kleinkind)

Heute wurden in diesem Satz die beiden Wörter »Gehen« und »Sprechen« zu »gehen« und »sprechen« korrigiert. Nach meinem Dafürhalten sind diese beiden Wörter aber Akkusativobjekte, also Substantive uns müssen daher groß geschrieben werden. Schließlich sind sie die Antwort auf die Frage: »Wen oder was lernt das Kind?«

Ist das denn falsch? Falls die Kleinschreibung richtig sein sollte (was ich bezweifle): Welche grammatikalische Funktion haben »Gehen« und »Sprechen« in diesem Satz?

  • Ich glaube fast, beides ist richtig. Du kannst auf jeden Fall problemlos einen Artikel einfügen und damit wäre schon mal bewiesen, dass das Substantiv richtig ist. Aber auch als Verb kann man es hier durchgehen lassen, man lernt eben "sprechen" und nicht "das Sprechen". – Em1 Nov 8 '14 at 18:12
  • Ich würde mich meinem Vorredner anschließen. Es kommt drauf an, wie man den Satz deuten will. Mit der Zeit lernt es (das) Sprechen ist eine Möglichkeit, eine weitere Möglichkeit ist Mit der Zeit lernt es sprechen. Hierbei wird "sprechen" als Verb verwendet. Auf Duden.de bin ich gerade auf das Beispiel mit sprechen kleingeschrieben gestoßen: Link – Kommodore Nov 8 '14 at 18:28
  • In case you (or other readers) are English speakers, I think we can think of this easier: With a capital S in Sprechen, it's like saying (made to sound better in English) "After some time he learns speaking". With a lower case, it's like "After some time he learns to speak". – Eichhörnchen Nov 13 '14 at 1:29
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Laut Duden – Die deutsche Rechtschreibung schreibt man

lieben lernen; schätzen lernen
wir haben ihn schätzen und lieben gelernt
rechnen, schwimmen, kochen lernen
Vgl. aber kennenlernen, kennen lernen

Laut Duden – Richtiges und gutes Deutsch steht zusammen mit „lernen“ der Infinitiv.
Der Infinitiv steht im Allgemeinen ohne „zu“, wenn das Verb allein steht:

Das Kind lernt sprechen.
Seine Frau lernt reiten.

Wenn das Verb nicht allein steht, kann auch der Infinitiv mit „zu“ stehen:

Ich lernte die Maschine bedienen. Oder: Ich lernte[,] die Maschine zu bedienen.
Ich habe die Maschine bedienen gelernt. Oder: Ich habe die Maschine zu bedienen gelernt.
Ich lernte[,] die Maschine fachgerecht und effektiv zu bedienen.

Solche Verbindungen aus zwei Verben werden auch im amtlichen Regelwerk unter § 34 (4) aufgeführt. Die dort genannten Beispiele lauten:

laufen lernen
arbeiten kommen
baden gehen
lesen üben  


An anderer Stelle wird in Duden – Richtiges und gutes Deutsch erwähnt, dass oft nicht klar ist, ob es sich um einen verbalen Infinitiv (mit Kleinschreibung) oder um einen substantivierten Infinitiv (mit Großschreibung) handelt, wenn die Infinitive ohne Artikel oder nähere Bestimmung stehen. In solchen Fällen kann sowohl Groß- als auch Kleinschreibung gerechtfertigt sein.

(…)
Emma lernt schwimmen / [das] Schwimmen.
(…)

Allerdings ist ein Infinitiv, der direkt von einem Modalverb abhängt, nicht substantiviert:

Sie will Auto fahren.
Ich muss Briefe schreiben.
Möchtest du Eis essen? Ebenso: Sie sind essen gegangen.

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Das Österreichische Wörterbuch, 39. Auflage schreibt im Kapitel 1.2.1.1 dazu:

Bei manchen Infinitiven (Nennformen) ist Groß- und Kleinschreibung möglich, weil man sie sowohl als nominales Satzglied als auch als Verb auffassen kann:

Sie übt Kopfrechnen/kopfrechnen (das Kopfrechnen/gut kopfrechnen). Er lernt Sprechen/sprechen (das Sprechen/zu sprechen). Es ist bekannt, dass Probieren/probieren über Studieren/studieren geht.

Zumindest hier in Österreich sind also beide Formen zulässig, weil nicht klar ist, ob zu + Infinitiv oder das + nominalisierter Infinitiv gemeint ist.

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Laut Grammatikduden (§ 594) geht beides, teilweise auch zu-Infinitiv:

  1. Die Kinder lernen rechnen/Rechnen. (Duden)
  2. Die Kinder haben gelernt, mit Variablen zu rechnen.

Bei (1) halte ich zu-Infinitiv auch für möglich.

Ich denke, es kommt darauf an, was ich betonen will - will ich die Tätigkeit oder das Fach/die Fertigkeit in den Vordergrund rücken. Ich würde ohnehin den zu-Infinitiv bevorzugen.

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