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In einem Kommentar zu einer Antwort auf eine Frage in diesem Forum (nämlich hier) wurde angezweifelt, dass »regelrecht« die Bedeutung »vorschriftsgemäß«, »gemäß den Regeln« bzw. »im Einklang mit den Regeln« habe. Tatsächlich bedeutet aber etwa der Begriff »Regelrechte Lordose« jene Krümmung der Wirbelsäule, die als normal und gesund angesehen wird. In diesem Beispiel wird also die Krümmung den Regeln gerecht, sie ist daher regelrecht.

Folgender Satz wurde als Beispiel dafür genannt, dass »regelrecht« auch eine andere Bedeutung haben kann:

Der Zoopfleger wurde vom Elephanten regelrecht an die Wand geschmiert, als dieser einen Schritt zurücktrat.

Ganz offenbar wird hier »regelrecht« in der Bedeutung von »gewissermaßen«, »gleichsam« oder »quasi« verwendet.

Ich verstehe den Satz so, dass der Zoowärter vom Elefanten an die Wand gedrückt wurde, während der Elefant sich parallel zur Wand bewegte. Der Zoowärter dürfte daher nicht nur Quetschungen, sondern auch Schürfwunden erlitten haben. Möglicherweise hinterließ er auch Blutflecken an der Wand. Ich glaube aber nicht, dass sich danach der ganze Zoowärter als Fleck an der Wand befunden hat.

Ich verstehe den Satz nämlich nicht so, dass vom Zoowärter nach dem Vorfall nur eine Schicht auf der Wand übrig geblieben wäre. Der Zoowärter wurde also nicht tatsächlich an die Wand geschmiert, aber die Tätigkeit des Elefanten wäre geeignet gewesen etwas anderes (z. B. Butter) sehr wohl an die Wand zu schmieren.

Wie ist zu erklären, dass das Wort »regelrecht«, dessen ursprüngliche Bedeutung – wie ich vermute – eben »gemäß den Regeln« bzw. »im Einklang mit den Regeln« ist, auch diese andere Bedeutung hat, die zumindest auf den ersten Blick nichts mit »Regeln gerecht werden« zu tun hat?

Sinngemäß dieselbe Frage wirft das Wort »gewissermaßen« auf.

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    Es beantwortet nicht unbeding tdie Frage, aber es gibt ja viele Adjektive mit positiver oder bestätigender Bedeutung, die im übertragenen Sinne auch als Verstärkung verwendet werden können. Im Satz "Er wurde regelrecht an die Wand geschmiert!" könnte statt regelrecht z.B. auch wirklich, echt, wahrhaft, tatsächlich und förmlich stehen. – jarnbjo Nov 12 '14 at 18:21
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    Wie ich in der Frage bereits ausgeführt habe, wurde der Zoowärter eben NICHT wirklich, NICHT echt, NICHT wahrhaft und NICHT tatsächlich an die Wand geschmiert. Der Zoowärter befindet sich nach dem Vorfall ja eben NICHT an der Wand, sondern wird vermutlich verletzt am Boden liegen. Daher kann man »regelrecht« in diesem Beispiel eben NICHT durch diese Wörter ersetzen. – Hubert Schölnast Nov 12 '14 at 21:28
  • Doch, weil "geschmiert" auch im übertragenen Sinne mit der Bedeutung "geschlagen" verwendet wird (Ich habe ihm eine geschmiert). – jarnbjo Nov 12 '14 at 22:47
  • »Jemandem eine schmieren« bedeutet »jemandem eine Ohrfeige geben«, also »jemandem ins Gesicht schlagen«. Das hat der Elefant aber nicht getan. Der Elefant hat den Wärter an die Wand geschmiert. – Hubert Schölnast Nov 13 '14 at 7:05
  • Woher weißt du, dass der Elefant den Wärter keine Ohrfeige gegeben hat? – jarnbjo Nov 13 '14 at 10:10
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Es bedeutet nicht "gleichsam", "gewissermaßen" oder "quasi". Nach dem Eintrag im Duden ist die erste Bedeutung "vorschriftsgemäß", "gemäß der Regel", und die zweite Bedeutung (um die es in der Frage geht)

ausgesprochen, buchstäblich, direkt, echt, förmlich, geradezu, im wahrsten Sinne [des Wortes], praktisch, rein, richtig[gehend], wahrhaft, waschecht; (umgangssprachlich) leibhaftig

Warum es zu dieser zweiten Bedeutung kam, kann ich nicht beantworten; Grimms Wörterbuch enthält nur die erste Bedeutung, also muss es eine recht neue Entwicklung sein.

  • Die Wörter »buchstäblich«, »echt«, »im wahrsten Sinn« und »wahrhaft« würden in dem vorgebrachten Beispiel aussagen, dass der Zoowärter tatsächlich vom Elefanten vollständig an die Wand geschmiert worden wäre. Der Zoowärter wird aber höchstwahrscheinlich nach dem Vorfall verletzt am Boden liegen, also nicht als Schmierfleck an der Wand kleben. Daher stimmen diese Bedeutungen nicht mit der Bedeutung des Wortes im Beispielsatz überein. – Hubert Schölnast Nov 12 '14 at 21:35
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    @Hubert Schölnast: Nein, die Wörter bedeuten nicht "vollständig". Wie immer bei Synomymen, versucht man das Bedeutungsfeld zu umschreiben. Es ist eine intensivierende Beschreibung des Vorgangs (hier: "an die Wand schmieren"). Natürlich wird der Wärter nicht wirklich an die Wand geschmiert und dabei in einen flachen Brei zerlegt, es ist eine farbige Metapher, und "regelrecht" (also "geradezu") unterstützt diese. Und wenn du mit der Erklärung des Dudens unzufrieden ist, wende deine Beschwerden bitte an die Duden-Redaktion, nicht an mich. :-) – dirkt Nov 13 '14 at 10:06
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regelrecht - der Regel entsprechend, richtig

Es gibt eine ganze Reihe gleichfalls umgangssprachlich verstärkend eingesetzter Wörter mit einer ganz ähnlichen Grundbedeutung:

Sie findet dich richtig lieb.
Er ist ordentlich erkältet.
Das ist echt fies von dir!
Wir sind tatsächlich pünktlich gekommen.

Allen und auch dem vielleicht etwas vornehmer klingenden "regelrecht" gemein ist, dass sie einer Aussage eine zusätzliche Wahrhaftigkeit (der Ordnung, den Regeln entsprechende) verleihen sollen. "Regelrecht" ist dabei ein recht (sic) neues Wort, das erst mit Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung gewann, zunächst wohl in der ursprünglichen Bedeutung "einer Regel folgend" benutzt wurde, was heute zunehmend auch durch regelhaft ersetzt wird.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass recht (und nebenbei auch richtig) schon im Mittelhochdeutschen auch als verstärkendes Adjektiv gebraucht wird:

iuch hât rehte gotes haʒ dâ her gesendet beide zallem iwerme leide.
Iwein 1203

  • Ich würde dem zustimmen, wenn der Zoowärter tatsächlich und wahrhaftig an die Wand geschmiert worden wäre. Die von dir genannten Beispiele drücken alle aus, dass etwas tatsächlich genau so ist wie es da steht. Die fett hervorgehobenen Worte sind Verstärkungen. Genau das ist aber im Beispiel aus meiner Frage nicht der Fall. Der Zoowärter klebt nach dem Vorfall eben NICHT an der Wand. Er wurde eben NICHT an die Wand geschmiert. Er liegt höchstwahrscheinlich verletzt am Boden. – Hubert Schölnast Nov 12 '14 at 21:41
  • Nun ja, wenn ich mir so einen Zoowärter neben einem Elephanten vorstelle... und wenn da noch eine Wand im Spiel ist: das geht nicht unblutig. Man müsste ein wenig mehr Kontext wissen. So wie ich regelrecht kenne, ist es verstärkend. – Takkat Nov 12 '14 at 21:57
  • Klar, dass das eine blutige Sache ist. Aber einen Blutfleck an der Wand zu hinterlassen und einen Menschen tatsächlich an die Wand schmieren sind doch zwei recht (!) unterschiedliche Dinge. – Hubert Schölnast Nov 12 '14 at 22:16
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    Man könnte sich regelrecht darüber streiten (wenn eine umgangssprachliche Verwendung nicht sowieso ohne genaue Regeln erfolgen würde) ;) – Takkat Nov 12 '14 at 22:18
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Nur mal kurz meine Gedanken dazu:

Wenn ich dich richtig verstehe, das, was dich an den Kommentaren und Antworten stört, ist, dass der Zoowärter danach nicht mehr an der Wand klebt und somit ja nicht an die Wand geschmiert wurde.
Nun gut, der Vergleich hinkt vielleicht ein wenig, aber wenn du Kreide an die Wand schmierst, bleibt ja auch nicht gleich die ganze Kreide an der Wand. Oder du musst halt lange schmieren.

Anyway, ich verstehe den Satz sowieso, dass in dem Moment, wo der Elefant einen Schritt zurücktritt, er den Pfleger an die Wand drückt. Und ich glaube, ein Elefant schwankt auch ein wenig in der Bewegung, wodurch quasi eine Bewegung in Richtung Wand als auch parallel zur Wand durchgeführt wird. Eine Wischbewegung. Ungefähr, wie du die Kreide an die Wand drückst, während du die Wand beschmierst.

Beides hinterlässt Spuren, aber sowohl die Kreide als auch der Zoowärter sind noch heil. Wobei das natürlich strikt genommen noch darauf ankommt, wie feste und ausdauernd denn nun geschmiert wird. Auf jeden Fall ist nicht notwendig, dass der Zoowärter anschließend wortwörtlich an die Wand geschmiert wurde.

Insofern ist regelrecht tatsächlich nur ein Intensifier. Der Zoowärter wurde also regelrecht/im wahrsten Sinne des Wortes/geradezu an die Wand geschmiert.

Über die Herkunft bzw. über die Bedeutungsänderung des Wortes kann ich nichts sagen. Ich denke, hierzu wäre es nötig, sich intensiv damit zu beschäftigen und die Verwendungen über die Jahre hinweg zu analysieren. Zumindest die gängigen Online-Tools bieten dazu nämlich rein gar nichts.

  • Obwohl ich 'geradezu' als gutes Synonym für 'regelrecht' bewerten würde, würde ich keines der beiden Wörter als Verstärker verwenden. M.E drücken beide Wörter etwas ähnliches wie 'gleichsam' aus. Eine Ähnlichkeit im weiteren Sinne des Wortes, sozusagen – Vogel612 Nov 12 '14 at 23:50
  • Wenn man mit Kreide an der Wand schmiert hast du recht, denn dabei verbraucht man nicht die ganze Kreide. Auch wenn man mit einem Stück Butter an der Wand schmiert hat man danach noch ein abgeschliffenes Stück Butter in der Hand. Aber der Elefant schmiert nicht mit dem Wärter an der Wand. Er schmiert ihn an die Wand. Wenn ich gesehen habe, dass Karl mit einem Eimer voll Kuchenteig ins Klassenzimmer ging, und mir danach berichtet wird, dass er den Teig an die Wand geschmiert hat, dann glaube ich nicht, dass der Eimer noch fast voll ist. Ich glaube dann eher, dass er leer ist. ... – Hubert Schölnast Nov 13 '14 at 7:31
  • ... Ich glaube also, dass er alles an die Wand geschmiert hat. Um dasselbe mit Kreide machen zu können müsste man sie zuvor aufschlämmen um eine streichfähige Paste zu bekommen, die man an die Wand schmieren kann. Das verstehe ich unter »die Kreide an die Wand schmieren«. Man müsste an dem armen Zoowärter schon sehr unschöne Veränderungen vornehmen, wobei der Einsatz eines Fleischwolfs vorteilhaft wäre, um ihn tatsächlich, ... – Hubert Schölnast Nov 13 '14 at 7:31
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    @Vogel612 Ich hab jetzt mal "gleichsam" nachgeschlagen, wo es auch OP schon verwendet hatte. Ich kenne das Wort übrigens nicht, die von Wiktionary vorgeschlagenen Synonyme "gewissermaßen" und "sozusagen" unterscheiden sich in diesem Kontext aber meiner Ansicht nach nicht von "regelrecht" oder "geradezu". – Em1 Nov 13 '14 at 9:12
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    @HubertSchölnast Ich glaube es ist ersichtlich, dass das ganze unterschiedlich aufgefasst wird / werden kann. Ich sehe hier überhaupt kein Problem mit dieser Verwendung, für dich drückt es anscheinend etwas anderes aus. Manchmal darf man Wörter auch einfach nicht auf die Goldwaage legen, denke ich. – Em1 Nov 13 '14 at 9:16

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