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Wenn man die Laute/Lautkombinationen pf und ff des Deutschen sprachgeschichtlich zurückverfolgt, stößt man auf folgende Lautentwicklung:

  • Das indogermanische *b entwickelt sich beim Übergang zum Urgermanischen zu einem p. (Teil der Ersten (Germanischen) Lautverschiebung)
  • Das germanische p entwickelt sich beim Übergang zum Althochdeutschen je nach Position zu pf oder ff. (Teil der Zweiten (Hochdeutschen) Lautverschiebung)

Die meisten deutschen Wörter mit pf und ff gehen auf ein Wort zurück, das zu germanischer Zeit beispielsweise aus dem Lateinischen entlehnt wurde (z. B. lat. piper, dt. Pfeffer).

Der indogermanische Laut *b war vergleichsweise selten, sodass auch der germanische p-Laut selten auftrat. Dies zeigt sich zum Beispiel auch in der Seltenheit der germanischen Rune, die für p stand.


Frage:
Meine Frage ist verwandt mit dieser Frage hier auf Stack Exchange, ist aber davon verschieden:

Welche Erbwörter des heutigen Neuhochdeutsch gibt es, die ein pf oder ff enthalten und direkt auf indogermanisches *b zurückgehen, ohne aus einer anderen Sprache (Latein, Griechisch...) entlehnt worden zu sein?


Bisher habe ich nur ein Beispiel gefunden:

nhd. tief < ahd. tiof < germ. *deupa- < idg. *dheub-

Dabei wurde das geminierte ff am Wortende gekürzt zu f.


Eine Möglichkeit, wie man die Beantwortung meiner Frage angehen könnte:
Hat man eine Liste aller rekonstruierten indogermanischen Wurzeln, die ein *b enthalten, könnte man für jede individuell nachprüfen, ob sich ein davon abstammendes deutsches Wort mit pf/ff finden lässt. Da *b recht selten sein soll, sollte sich eine endliche Liste ergeben.
Leider fehlen mir zu diesem Unterfangen die nötigen Ressourcen.

  • Es wird schwierig werden, nachzuweisen, dass solche Wörter wirklich nicht aus einer anderen Sprache entlehnt worden sind, wenn das Wort auch in der in der anderen Sprache vorkommt (d.h., sowohl Deutsch wie die andere Sprache das Wort aus dem Indogermanischen übernommen haben). Wenn die Lautverschiebung nicht stattgefunden hat, wird das ja gerade als Indiz für die spätere Entlehnung gewertet. – dirkt Dec 9 '14 at 11:04
  • Wenn Du sagst, dass *b zu p, p zu pf oder ff wurde, dann muss das ja mal jemand an deutschen Wörtern demonstriert haben. – Veredomon Dec 9 '14 at 12:52
  • @Veredomon: Naja, es gibt viele Beispiele, die den Wandel germ. p zu ahd. pf/ff demonstrieren; leider stammen die, die ich finden konnte, alle aus dem Lateinischen/Griechischen oder haben eine dunkle Etymologie. Für den Wandel idg. *b zu germ. p habe ich nur wenige Beispiele gefunden, z. B. das engl. peg (Stift, Pin, Zapfen...), das aber keine deutsche Entsprechung mit pf hat. (Der Übergang *b zu p ist außerdem phonologisch analog zu "*d wird zu t" und "*g wird zu k"; er ist halt nur total selten, weil idg. *b so selten war.) – Chris Dec 9 '14 at 14:38
  • @dirkt: Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wenn ich mich recht entsinne, bleibt idg. *b z. B. im Lateinischen ein b. Wenn man also ein neuhochdeutsches Wort fände, das pf/ff hat und mit einem lateinischen Wort verwandt ist, das b hat, wäre dies ein Hinweis darauf, dass beide Wörter von idg. *b abstammen würden. (Ähnlich mit griechischem Kognat, etc.) Nachweismöglichkeiten für die jeweilige Herkunft von germ. p müsste es also geben. – Chris Dec 9 '14 at 14:51
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Sind das Kandidaten?

abōn -> Affe
ablu -> Apfel: mhd apfel, ahd apful, germ. *apluz idg. *ab(e)l Wiktionary
blou -> Floh (laut Wiktionary aber von fliehen)

  • @Chris: Finde ich auch! – Veredomon Dec 18 '14 at 21:15
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+50

Hier ist eine Liste mit indogermanischen Worten, die mit ‘b’ beginnen.

Hier das gesamte Wörterbuch.

Es ist leider nicht sehr leserlich, aber besser als nichts.

Freilich eine Menge Arbeit, das Ganze aufzuarbeiten; aber hier hast du zumindest einen guten Ansatz, um alle/viele Worte zu finden, die du suchst, und damit die nötige Ressource.

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Ich glaube, dass die modernen deutschen Wörter, die auf -umpf enden, Erbwörter sind:

  • stumpf (Adjektiv)
  • der Stumpf (Substantiv)
  • der Strumpf (Substantiv)
  • der Rumpf (Substantiv)

Beispiel der Stumpf:

  • mittelhochdeutsch: stumpf, stumpfe
  • althochdeutsch: stumph

Das Etymologiewörterbuch von Duden vermutet, dass dieses Wort eine gemeinsame indogermanische Wurzel mit dem Wort »Stab« haben könnte (mhd »stap; ahd stab, idg stebh)

Das mit diesen Wörtern verwandte

stampfen (Verb)

hat sogar in der althochdeutschen Version bereits ein pf:

  • mhd: stampfen
  • ahd: stampfon

Interessant ist auch, dass der

Stempel

sein pf, das er in seiner mittelhochdeutschen Version noch hatte, verloren hat:

  • mhd: stempfel
  • spätahd: stemphil

Laut Duden wird vermutet, dass auch stampfen und Stempel auf das indogermanische stebh zurückgehen.

Bei stampfen wird auch auf eine Verwandtschaft mit dem griechischen stembein (stampfen, misshandeln, schmähen) hingewiesen, allerdings ohne darauf einzugehen, ob das griechische Wort aus der germanischen Sprachfamilie entlehnt wurde, oder ob es einen Einfluss in die entgegengesetzte Richtung gab.

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Das Wort hüpfen scheint deine Bedingungen zu erfüllen. Auf dem englischen Wiktionary zum Kognat hop steht:

From Middle English hoppen, from Old English hoppian ‎(“to hop, spring, leap, dance”), from Proto-Germanic *huppōną ‎(“to hop”), from Proto-Indo-European *kewb- ‎(“to bend, bow”). Cognate with Dutch hoppen ‎(“to hop”), German hopfen, hoppen ‎(“to hop”), Swedish hoppa ‎(“to hop, leap, jump”), Icelandic hoppa ‎(“to hop, skip”).

Auf der entsprechenden Seite von *huppōną steht dann eine lange Liste von Kognaten Germanischer Sprachen, darunter hüpfen.

Weitere Hinweise gibt DWDS.de, wo sich unter Anderem auch der folgende Eintrag des etymologischen Wörterbuchs Pfeifers findet:

hüpfen Vb. ‘kleine Luftsprünge machen, in kleinen Sprüngen laufen’, auch ‘springend tanzen’, mhd. hüpfen, mnd. nd. hüppen, mnl. nl. huppen, mhd. hupfen, hopfen, (md.) hoppen, nd. huppen, hoppen, aengl. hoppian, engl. to hop, anord. schwed. hoppa setzen teils ein germ. jan-Verb, teils (mit Intensivgemination) ein ōn-Verb voraus (s. dazu die lautlich und semantisch nahe stehenden Verben hoppeln und hopsen). Verwandt sind Hüfte, Haufen (s. d.) sowie anord. hopa ‘zurückweichen’ und lat. cubāre ‘liegen’. Zugrunde liegt ie. *keub-, *kūb-, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen’, auch ‘den Körper, sich in den Gelenken biegen’ und ‘Wölbung, Höhlung’. Zur gleichen Wurzel gehören Haube, Hobel, hoch, Hügel, Hocke (s. d.).

Das von mir hervorgehobene lateinische Kognat cubāre sowie die Rekonstruierte Wurzel *keub-, *kūb- scheinen mir ausreichend zu belegen, dass hüpfen von einem indogermanischen Stammwort mit *b abstammt.

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