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Das Wort Spatz hat (mindestens) zwei Bedeutungen:

  • der umgangssprachliche Name des Vogels Sperling
  • ein Kosename für Kind, Partnerin, Partner, etc.

Duden (sowohl online als auch Druckausgabe) und Wiktionary listen für beide Bedeutungen den Plural Spatzen auf. Dass der Plural des Vogels Spatzen lautet, stelle ich nicht in Frage. Aber mir kommt es ungewöhnlich vor, Spatzen auch als Plural des Kosenamens zu verwenden. Hier würde ich intuitiv zum Wort Spätze greifen.
Bei einer kleinen Internet-Recherche fand ich im englischen Wiktionary, dass der Plural des Kosewortes analogisch zum Reimwort Schätze Spätze laute. Auf der Diskussionsseite des deutschen Wiktionarys behauptet ein Schreiber ähnliches. [Beide Einträge stammen nicht von mir]. Googelt man nach "meine Spätze" oder "Dreckspätze" findet man ein paar hundert Ergebnisse.

Um meine Frage herunterzubrechen auf eine konkrete Situation:
Man stelle sich eine Mutter vor, die Zwillinge bekommen hat und Spatz als Kosename verwenden möchte. Welche Variante wird die Mutter dann eher wählen:

Ihr seid meine Spatzen.

oder

Ihr seid meine Spätze.

?

(Falls es eine Rolle spielt: Gibt es regionale Unterschiede?)

  • Warum soll die Sprache für Mütter Ausnahmen machen? Und hat nicht der Kosename nicht die Vögel zum Ursprung, wie Mäuschen? – user unknown Dec 12 '14 at 6:39
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    Gerade in Zusammensetzungen wie Dreckspatz wird deutlich, dass du recht hast: Dreckspätze ist die einzige Form, die sich für mich richtig anhört (und da ich Muttersprachler bin, heißt das – ganz ohne Größenwahn – zwangsläufig, dass es zumindest eine akzeptable Form ist), auch wenn mir das Wort hier rot unterstrichen wird. Es ist auch völlig normal, dass sich scheinbare Homonyme in mindestens einer Form des Paradigmas unterscheiden (können). – Crissov Dec 12 '14 at 7:38
  • 3
    @Crissov "Dreckspätze" hört sich für mich noch falscher an als "Spätze", und die Zahl der Google-Treffer für die beiden Begriffe spricht auch für "Dreckspatzen". Aber vielleicht gibt es da auch regionale Prägungen - wo kommt ihr her? Abgesehen davon: Kosenamen soll jeder gebrauchen, wie er will. Ich habe auch meine Antwort entsprechend erweitert. – Matthias Dec 12 '14 at 9:14
  • 3
    @userunknown: Ich beharre nicht trotzig, sondern wollte mir eine dritte Meinung von Sprechern einholen, weil die Wörterbuchangabe meinem eigenen Sprachgefühl entgegensteht. Die "doofe Mutter" ist potentiell meine, weshalb ich dieser Aussage widerspreche. – Chris Dec 13 '14 at 22:03
  • 3
    Spätze hab ich noch nie gehört, das ist kein Deutsch. – rogermue Dec 15 '14 at 19:31
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Ich sehe keinen Grund, warum der Duden hier nicht Recht haben sollte. Auf die Schnelle fällt mir auch kein anderes Wort ein, das 1:1 als Kosename gebraucht werden kann, aber einen anderen Plural bildet als der Ursprung. Als Alternative zu "Spatzen" käme noch der Diminutiv in Frage: Spätzchen.

Andererseits: wo, wenn nicht beim Ersinnen von Kosenamen, herrscht Freiheit im Umgang mit der Sprache? Da wird mit der Sprache gespielt und auch mal eine Regel gebrochen. Von daher:

Welche Variante wird die Mutter dann eher wählen?

Die, die ihre Gefühle gegenüber ihren Kindern am besten zum Ausdruck bringt. Und wenn das "Spätze" ist, dann ist es das zwar falsch hinsichtlich der Normen der Grammatik, aber trotzdem richtig in Bezug auf den Zweck, dem Sprache letztlich dient: zu kommunizieren und sich mitzuteilen.

  • 2
    +1 für den Diminutiv - ich denke so wird es meist gemacht (im Schwabenland sowieso "mein/e Schätzle/Spätzle"). – Takkat Dec 12 '14 at 7:12
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    @Chris Nun ja, Kosenamen sind für mich etwas individuelles und von daher eher Singular, "Spatz" wäre da auch nicht meine erste Wahl, und ich würde, wenn schon, zum Diminutiv tendieren. Aber abgesehen davon: ja, auf jeden Fall. – Matthias Dec 12 '14 at 9:09
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    @userunknown: Wenn ein Wort verwendet wird, dann ist es ja (aus deskriptiver Sicht) eine gültige Variante. Wenn man sich nur auf eine Autorität (hier: Duden) beruft, hat das für mich weniger Gewicht, als wenn man aus erster Hand sagen kann: "Wird so verwendet." - Nun hat Matthias letzteres ja in den Kommentaren nachgeholt, womit ich zufrieden bin: Plural "Spatzen" als Kosewort wird also - entgegen meiner anfänglichen Annahme - verwendet. – Chris Dec 12 '14 at 18:21
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    @userunknown: Für mich gibt's da einen Unterschied zwischen Spatzen/Spätze und seid/seit: Bei letzterem geht's um Rechtschreibung, bei ersterem um Formenlehre. Ich wäre bereit, "Mobilteleföne" als korrekte Variante anzusehen, wenn es denn nicht nur individuell verwendet wird (und werfe noch ein "Mobiltelefons" in die Runde). ("Spätze" wird übrigens nicht nur von mir verwendet, sondern wenn man nach "meine Spätze" und "Dreckspätze" googelt, gibt es dutzende Treffer.) - Was ich aus der Frage mitnehme: (Auch) "Spatzen" wird als Plural des Kosewortes verwendet. Das hätte ich anfangs nicht gedacht. – Chris Dec 13 '14 at 21:58
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    @userunknown Es handelt sich hier gar nicht um eine "Frage danach, was richtig ist", wie Du behauptest. Chris hat ziemlich eindeutig danach gefragt, welche Version tatsächlich verwendet wird. Und nach meinem Eindruck hat er eine zufriedenstellende Antwort bekommen. Abgesehen davon war es mir auch wichtig, deutlich zu machen, daß es Bereiche des Sprachgebrauchs gibt, in denen die Sicht des Deutschlehrers nicht die allein maßgebliche Instanz ist. Kosenamen gehören für mich dazu, Lyrik wäre ein weiteres Beispiel. – Matthias Dec 13 '14 at 23:12
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Nachdem auch regionale Unterschiede nachgefragt wurden:

Zur Situation in Österreich (zumindest Ost-Österreich):

Die Form »Spätze« habe ich noch nie gehört. In Fall der Vögel steht das Paar »der Spatz, die Spatzen« ohnehin außer Streit.

Doch auch als Kosenamen kenne ich nur dieses Paar:

der Spatz, die Spatzen

Als Kosename wird in Österreich aber bevorzugt das österreichische Diminutiv (gebildet durch Anfügen der Endsilbe -erl) verwendet, und davon auch der Plural gebildet:

das Spatzerl, die Spatzerln

Dabei ist auch zu erwähnen, dass »das Spatzerl« neuerdings (seit grob geschätzten 20 Jahren) auch als Synonym für den Penis verwendet wird, weswegen die Verwendung als Kosename aus der Mode gekommen ist. (Die Verwendung als Synonym für Penis geht auf den österreichischen Karikaturisten Manfred Deix zurück, ähnlich wie Schniedelwutz auf Otto Waalkes zurückgeführt werden kann)

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