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Der Duden (Das Aussprachewörterbuch, 2005) gibt folgende Aussprache von Boston an:

[ˈbɔstɔn]

mit [ɔ] wie in Post [pɔst]. Im Onlineduden findet man stattdessen die englische Variante

[ˈbɔstən]

Erstere habe ich bisher im deutschen Sprachraum noch nie gehört. Stattdessen kommt mir hin und wieder die englische Originalaussprache unter, aber viel häufiger wird Boston als

[ˈbɔstn]

ausgesprochen, insbesondere auch von Nachrichtensprechern (z. B. hier).

Das scheint konsistent mit der deutschen Aussprache von Washington zu sein (Original [ˈwɔʃɪŋtən], laut Duden Aussprachewörterbuch [ˈvɔʃɪŋtn], in der Praxis auch [ˈwɔʃɪŋtn] mit englischem [w]). Die Schwa-Elision wird gerne auch auf London angewandt ([lɔndn]), obwohl es im Original [‘lʌndən] und im Deutschen [‘lɔndɔn] heißt. Im Falle von Boston und Washington scheint die Schwa-Elision aber im Deutschen (!) üblich zu sein, und eine deutsche Aussprache dieser Namen zu definieren.

Meine Frage: Gibt der Duden eine falsche (d. h. in der Praxis unübliche) Aussprache von Boston an?

  • Man beachte allerdings, dass bei Ableitungen, etwa Washingtoner Artenschutzabkommen, das (hintere) o doch wieder als /o/ oder /ɔ/ gesprochen wird, seltener als Schwa. Zu Boston fällt mir (außer der Bezeichnung für die Bewohner) gerade kein gutes Beispiel ein – Boston-Marathon, Massaker von Boston, Boston Tea Party … – Crissov Jan 7 '16 at 20:56
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Die deutsche Sprache wird nicht einheitlich ausgesprochen. Im Duden Band 6 – Aussprachewörterbuch wird die sogenannte Standardlautung (Standardaussprache) verwendet.

Laut Aussprachewörterbuch sind die wesentlichen Merkmale der Standardlautung:

  1. Sie ist eine Gebrauchsnorm, die der Sprechwirklichkeit nahekommt. Sie erhebt jedoch keinen Anspruch darauf, die vielfältigen Schattierungen der gesprochenen Sprache vollständig widerzuspiegeln.

  2. Sie ist überregional. Sie enthält keine typisch landschaftlichen Ausspracheformen.

  3. Sie ist einheitlich. Varianten (freie Varianten und Phonemvarianten) werden ausgeschaltet oder auf ein Mindestmaß beschränkt.

  4. Sie ist schriftnah, d. h., sie wird weitgehend durch das Schriftbild bestimmt.

  5. Sie ist deutlich, unterscheidet die Laute einerseits stärker als die Umgangslautung, andererseits schwächer als die zu erhöhter Deutlichkeit neigende Bühnenaussprache.

Insbesondere der vierte Punkt erklärt, dass die Aussprache [ˈbɔstɔn] weitgehend durch das Schriftbild „Boston“ bestimmt wird.

Allerdings ist Boston kein deutsches Wort, sondern ein englischer Eigenname. Laut Aussprachewörterbuch hängt die Aussprache nichteingedeutschter fremder Wörter – besonders Eigennamen – von verschiedenen Umständen ab:

  1. Verbreitung einer Fremdsprache

  2. Nachbarschaft einer Fremdsprache

  3. Länge der Textteile

  4. Wichtigkeit und Geltungsdauer der Wörter

  5. Gesprächsgegenstand und das Verhältnis zwischen Sprecher und Hörer

Insbesondere der erste Punkt, d. h. die Verbreitung von Englisch als Fremdsprache im deutschen Sprachgebiet, führt dazu, den Namen Boston eher echt fremdsprachlich auszusprechen.

Folgerichtig findet man im Aussprachewörterbuch unter Boston neben der Standardlautung auch eine fremdsprachliche Aussprache:

Bọston [ˈbɔstɔn] engl. [ˈbɔstən]

  • Vielen Dank, das ist sehr hilfreich. Allerdings scheint sich im Falle von Boston statt der originalen Aussprache eine halb-deutsche Variante durchgesetzt zu haben, siehe auch den Kommentar von @Hubert Schölnast oben. – painfulenglish Dec 13 '14 at 10:34
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Falls im Duden tatsächlich [ˈbɔstɔn] stünde, würde ich deine Frage mit "ja" beantworten, aber das ist meinen Recherchen nach gar nicht der Fall. In meiner Ausgabe des Duden steht:

1 Bos|ton [...tn̩] (Stadt in England und in den USA)
2 Bos|ton, das: -s (ein Kartenspiel)
3 Bos|ton, der: -s, -s (ein Tanz)

Quelle:

DUDEN
Die deutsche Rechtschreibung
23. Auflage (2004)

  • Interessant. Im Aussprachewörterbuch von 2005 (und online) steht genau was ich oben geschrieben habe. Es scheint also, als ob der Duden in sich nicht konsistent ist. Danke für die Recherche. – painfulenglish Dec 13 '14 at 10:23
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    In der 21. Auflage von "Die deutsche Rechtschreibung" steht [ˈbɔst(ə)n]. – painfulenglish Dec 13 '14 at 10:41
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Wer nicht Englisch kann, wird / boston/ (meine vereinfachte Lautschrift) sagen, ohne im Duden nachzuschauen, da aber viele Deutsche Englisch können, werden sie die englische Aussprache benutzen, mit oder ohne schwachem e am Ende. Und Radiosprecher benutzen heute meistens die landesübliche Aussprache. Ich würde sagen, einen Fehler kannst du bei der deutschen Aussprache von Boston nicht machen, da gibt es keine Norm.

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