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In einer Fernsehsendung wurde behauptet, dass der Spruch

Das geht ab wie Schmidts Katze!

aus dem Mittelalter stammt, wo angeblich der Schmied auf den Amboss schlägt und die Katze erschreckt. Das halte ich schlichtweg für falsch.

Des Weiteren halte ich es einfach für einen Mode-Spruch, der in der Jugendsprache der späten 80er Jahre entstand und keinen tieferen Hintergrund hat.

Kann mir jemand glaubhafte Belege liefern, dass der Spruch doch vorher entstand?

  • Oha, ich sehe das gerade zum ersten Mal geschrieben. Bisher dachte ich immer, dass es Schmitz' Katze heißt - mein Irrglaube ist wohl auf die Medienpräsenz von Ralf Schmitz zurückzuführen. :-) – Chris May 4 '15 at 15:33
  • @Chris: Da warst du nicht der Einzige. ;) – raznagul May 5 '15 at 8:45
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+500

Schmidts Katze war definitiv schon vor 1980 auf sehr flinken Pfoten unterwegs. Neueren Ursprungs scheint nur die Kombination mit dem Verb abgehen zu sein, jedenfalls habe ich dafür keine älteren Belege gefunden.

Hingegen:

Die Fundstellen zeigen meines Erachtens allesamt – mal mehr, mal weniger deutlich – die Bedeutung eines sehr schnellen oder plötzlichen Verschwindens. Das passt zumindest zu der Deutung mit dem Schmied. Ich fände es auch plausibel, wenn das dann irgendwann in den 80ern oder 90ern auf das Verb abgehen und die allgemeine Bedeutung einer rasanten Bewegung übertragen worden wäre, sprich: hier wurde eine existierende Redeart adaptiert. Einen richtigen Beleg dafür habe ich leider nicht, nur eben das Indiz, dass die Variante mit weg/fort sich über einen längeren Zeitraum belegen lässt, ohne dass parallel die Variante mit abgehen auftauchen würde.

Nebenbei – des Schmieds Katze kommt noch in einer weiteren Redewendung vor: „Von Danken starb des Schmieds Katze“ (oder alternativ auch die des Henkers). Quelle: Deutsches Sprichwörter-Lexicon von Karl Friedrich Wilhelm Wander (Eintrag Dank 47, auch 11 und 23). Hilft uns hier zumindest noch als Beleg dafür, dass die Schmiede wohl tatsächlich Katzen von sprichwörtlichem Rang beherbergten.

  • 1
    Tiere "stadtbekannter Leute" werden offenbar gern verwendet. Gibt es im verwendeten Schema evtl. Zusammenhänge zu Müllers Esel, Müllers Kuh, Nachbars Lumpi usw.? Es ist bei solchen Trivialitäten durchaus möglich, dass es gar keine Verbindung zum Deutungsversuch eines Ambossschlags in der Schmiede gibt, und das einfach eine Überinterpretation ist... – äüö May 11 '15 at 11:23
  • 1
    @falkb Was genau willst Du mit diesem Kommentar sagen? Insbesondere: Du hast mMn gar nicht gefragt, ob die Amboßtheorie stimmt, sondern nur, ob der Spruch älter ist als von Dir angenommen. – Matthias May 11 '15 at 11:26
  • Habe einfach den Faden nur mal noch weiter gesponnen, lautes Denken... Die Kernfrage ist irgendwie, ob es den Übergang von "weg wie" zu "geht ab wie" wirklich in dieser Weise gegeben hat oder ob die Verbindung eher zufällig so aussieht. – äüö May 11 '15 at 11:42
  • Deine Nachforschungen haben vor allem mehrfach belegt, dass "weg/fort" früher schon gebräuchlich war. Das "geht ab wie" ist wahrscheinlich wirklich eine moderne Adaption davon. Es erscheint jedenfalls überzeugend. Vielen Dank für deine Arbeit. – äüö May 13 '15 at 7:17
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In „Der Erzketzer: ein Roman vom Leiden des Wahrhaftigen“ von Ernst von Wolzogen aus dem Jahr 1910 findet sich folgender Dialog.

»I, was war denn das?« empfing sie ihn ganz gemütlich. »Hat's en Krach gegäb’n? Die is ja, haste nich gesehn, fort wie Schmidts Katze.«

Schmidts Katze scheint also tatsächlich schon älter zu sein, auch wenn die Bezeichnung ihres plötzlichen Abgangs als Abgehen wahrscheinlich neuer ist. In der Zeitschrift für Mundartforschung, Band 13-14, 1937, findet man in einem Aufsatz, den ich leider nicht näher benennen kann, die Variante „weg wie Schmieds Katze“ als gängige Redewendung. Der Schmied ist hier also zumindest keine neue Deutung.

  • Ich finde irgendwie ganz wenig zu "weg wie Schmieds Katze". War das wirklich so gängig früher? – äüö May 8 '15 at 10:29
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    Es gibt bei Google Books nur diesen einen Hinweis. Das macht "gängige Redewendung", das auch noch im anderen Zusammenhang steht (nämlich mit "weg wie" anstelle von "geht ab wie"), irgendwie unglaubwürdig. Der Textschnipsel aus dem Erzketzer-Buch könnte auch eine zufällige Übereinstimmung sein, d.h. in dem Buch könnte als Romanfigur eine Katze von einem Schmidt vorkommen... – äüö May 8 '15 at 11:57
  • 1
    "Weg wie Schmidts Katze" habe ich auch noch nie gehört. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass das ausgestorben war und es gar keine wirkliche Verbindung zu "geht ab wie" gibt. – äüö May 8 '15 at 12:05
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    Wer mir das alles noch in einer ausfühlichen Antwort berücksichtigt, kann den Bounty auch kriegen. – äüö May 8 '15 at 12:15
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    Dass "geht ab wie Schmidts Katze" eine ältere Idee der forteilenden Katze Schmidts mit "geht ab wie eine Rakete" verbindet, ist zumindest plausibel. Und in dem Roman kommt ansonsten kein Schmidt vor, und eine Katze anscheinend nur noch in einer anderen Redewendung (eine Fundstelle kann ich nicht sehen). – Carsten S May 8 '15 at 12:22
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Mir ist Schmidts Katze erst in den letzten Jahren häufiger begegnet. Der mittelalterliche Schmied ist die einzige Referenz, die eine schnelle Google-Suche liefert, wobei sich hier jeder auf den anderen zu berufen scheint.

Das lässt den Verdacht zu, dass Du recht haben könntest.

NB: In meinem Umkreis war Nachbars Lumpi für so etwas zuständig.

  • 1
    Verwechselst du da nicht was? Nachbars Lumpi ist spitz. Die Katz hingegen geht rasant ab. Zwei Redensarten, zwei komplett unterschiedliche Bedeutungen. Ich glaube nicht, dass in deinem Umkreis Lumpi der Katz' seine Eigenschaften geerbt hat. – Em1 May 8 '15 at 10:42
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    Darüberhinaus weiß ich nicht, inwiefern deine Antwort eine Antwort ist. Du vermutest, dass die Referenz zum Schmied falsch ist, bietest aber nicht mal eine Theorie auf der deine Vermutung basiert. Geschweige denn Belege. Das ist ein Kommentar wert, aber keine Antwort. – Em1 May 8 '15 at 10:44
  • @Em1 Ich vermute, dass die Referenz falsch sein könnte, da ich nur eine Quelle gefunden habe (wo erklärt wird, jemand hätte das so gesagt) und einige andere Stellen sich auf diese eine Quelle bezogen. Dass Du das mit dem Lumpi nicht glaubst, steht Dir natürlich frei. – Burki May 8 '15 at 12:11
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Die ältesten Belege für "Schmidts Katze", die ich finden konnte, beziehen sich genauer gesagt auf "Bidder und Schmidts Katze": die Katze, deren Stoffwechsel Friedrich Bidder und Carl Schmidt im Jahr 1851 in einem berühmten (1852 als Teil eines Buchs veröffentlichten Versuchs) 18 Tage lang in einer Apparatur beobachteten, während sie nur Luft und Wasser bekam.

In diesen frühen Belegen ist die Katze zwar nicht auf der Flucht, aber man muss kein Katzenliebhaber sein, um sich ungefähr vorzustellen, wie sich Bidder und Schmidts Katze verhielt, als der Versuch beendet und die Apparatur geöffnet wurde. Es wäre also denkbar, dass "[Bidder und] Schmidts Katze" lange genug ein Objekt von drastischen Schilderungen in Vorlesungen und Vorträgen war, um den Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch zu finden.

Ein Indiz für diese Erklärung wäre es, wenn sich in dem Buch "Die Verdauungssäfte und der Stoffwechsel. Eine physiologisch-chemische Untersuchung" (Bidder und Schmidt, Dorpat 1852) eine Erwähnung der Flucht der Katze fände.

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    Stimmt, man muss kein Katzenliebhaber sein, um sich eine verhungerte Katze vorzustellen... – Matthias May 11 '15 at 16:11
  • Oha! Dass sie es so weit getrieben haben, habe ich in meinen Recherchen nicht gefunden. Das spricht wohl eher gegen meine Theorie. – user2183 May 11 '15 at 17:12

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