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Die Bedeutung ist mir schon klar. Aber ich wollte fragen, was die Abkürzung dran ersetzt und ob sie immer nötig ist?

Hat ich bin spät nicht dieselbe Bedeutung?

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"Ich bin spät" ist Englisch mit deutschen Wörtern (I'm late). Im Deutschen ist so eine Formulierung aber ungebräuchlich. Üblicherweise sagt man

  • Ich komme zu spät

  • Ich bin spät dran

Dabei ist nicht recht klar, was "dran" eigentlich ersetzt. Es ist einfach eine feste Wendung.

  • dran (ursprünglich daran) kann manchmal an der Reihe ersetzen – Walter Tross May 25 '15 at 11:49
  • Reihe paßt hier nicht so recht. Vom Sinn her müßte das "dran" mal so was wie "am Gehen/Hingehen/Heimgehen" gewesen sein. – rogermue May 25 '15 at 12:37
  • Vielleicht von dabei/daran sein, etwas zu tun. – 355durch113 May 26 '15 at 19:55
  • Ja, wäre eine Möglichkeit: Ich bin spät daran, zur Kirche zu gehen. Ich muß mich beeilen. – rogermue May 26 '15 at 19:58
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Des Rätsels Lösung ist eigentlich ganz einfach.

Wiktionary sagt, das dran

eine direkte räumliche Berührung ausdrückend

bedeutet.

Das heißt man könnte auch sagen.

Ich berühre das Ziel spät.

Oder: Ich bin spät da.

Oder: Ich komme zu spät am Ziel an.

Also:

Ich werde zu spät da (wo ich hin will) an(kommen). = Ich bin zu spät dran.

Beziehungsweise:

Nach aktueller Lage bin ich im Zeitverzug da wo ich in will pünktlich ran zu kommen. (dran zu kommen.)

Dran ist also eine Verkürzung von da ran zu kommen. Oder da hin zu kommen.

Einfach zu sagen ich bin spät, reicht nicht, weil noch gesagt werden muss, wozu man spät ist. Im Englischen kann man zwar sagen I’m late. Aber normalerweise gehört dazu noch, die Aussage zu was man zu spät kommt.

I’m late — for a meeting.

  • 1
    Sehr schön, das macht es so viel logischer! In dem Sinne ist spät dran sein verwandt mit dran kommen in der Schule. +1 (würde mehr geben) – Jan May 26 '15 at 16:45
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Die Wendung "spät dran sein" ist schon recht lange in Gebrauch. Google Books findet einige Belege (in der heute noch aktuellen Bedeutung) aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der älteste, wenn ich nichts übersehen habe, stammt aus dem Jahr 1849

... daß ich mit meiner Gratulation so spät dran bin ... Hieroglyphen oder Magisches Gedenkbuch des ehrlichen Michels

Richtig populär wurde sie aber erst seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, wie Google Ngram eindrucksvoll zeigt.

Hinsichtlich der Bedeutung des "dran" (was ja eine Verkürzung von "daran" darstellt) glaube ich, dass hier eine Verallgemeinerung von Wendungen der Form "an etwas + Verb" vorliegt, also z.B. "an etwas denken" oder "an etwas arbeiten". Insbesondere gibt es einen sehr frühen Beleg für die Verwendung "spät dran sein" in der Bedeutung "zu später Stunde an etwas arbeiten", nämlich

Also ein Schmid / der mus bey seinem Ambos sein / vnd seiner Schmitte warten / vnd wird mat vom fewr / vnd erbeit sich müde vber der Esse
Das hemmern schlegt jm die Ohren vol / vnd sihet drauff / wie er das Werck recht mache
vnd mus dencken / wie ers fertige / vnd früe vnd spat dran sein / das ers fein auserbeite.

Das ist aus dem Buch Sirach, Kapitel 39, in der Luther-Bibel von 1545

Wer "spät dran ist", arbeitet (oder denkt) also noch spät an etwas; ein naheliegender Grund dafür ist ein heranrückender Termin.

Warum "Ich bin spät" nicht geht und welche sonstigen Alternativen es gibt, ist in den anderen Antworten bereits hinreichend erklärt.

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Spät ist kein Adjektiv, das auf einen selbst zutreffen könnte – insbesondere nicht, wenn man selbst verspätet ist. Spät kann sich auf die Uhrzeit beziehen:

Zu später Stunde
Der späte Abend

Oder aber auf etwas, was zu einer späten Uhrzeit stattfindet,

Der späte Zug ist derjenige, der spät am Abend fährt.
Die späte Feier beginnt erst recht spät in der Nacht.

oder jemanden, der zu einer späten Uhrzeit auftaucht.

Die Party läuft zwar schon zwei Stunden, aber ich erwarte noch zwei späte Gäste.

Daraus erkennt man schon, dass ein Mensch schwerlich spät sein kann. Sie kann zwar verspätet sein oder Verspätung haben, aber eben nicht nur spät sein.

Da beide Ersatzausdrücke recht lang sind, hat sich die verkürzte Form spät dran sein eingebürgert.

Alternativ bietet sich das Adverb spät an:

Ich komme spät.


Nachtrag: Wie Matthias zurecht in Kommentaren bemerkt, und dann auch in einer weiteren Frage weiter ausgeführt hat, kann spät nicht prädikativ gebraucht werden – es kann also grundsätzlich nicht mit dem Verb sein an ein Substantiv gekoppelt werden.

Der späte Zug;
Aber nicht: Der Zug ist spät

Erlaubt ist wiederum:

Es ist spät.

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