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Normalerweise kann man die Phrase

Das ist Artikel Adjektiv Substantiv.

umstellen zu

Das Substantiv ist Adjektiv.

Also zum Beispiel

Das ist ein rotes Auto.
Das Auto ist rot.

Beim Nachdenken über diese Frage ist mir aufgefallen, dass dies nicht für das Adjektiv spät gilt:

Wer klopft da?
Das ist ein später Gast.
Das ist ein Gast, der spät ist.

Diese Einschränkung gilt nicht nur in Verwendung mit Personen, sondern ebenso auch mit Gegenständen:

Dieses Bild ist ein spätes Werk von XY.
Dieses Bild von XY ist spät.

Meine Fragen:

  • Warum ist das so?
  • Hat das Phänomen einen Namen?
  • Gibt es (neben dem naheliegenden früh) noch weitere Adjektive, auf die das zutrifft? Wenn ja, hat es dort denselben Grund?

(Zur letzten Teilfrage: Ich bin mir nicht sicher, ob links/rechts hierzu zu zählen wären. Die Tür ist links kann man zwar sagen, wird aber m.E. mit etwas anderer Bedeutung gebraucht als die linke Tür.)

  • 2
    Arm wäre noch so ein Fall, und zwar nicht arm im Sinne von mit wenig Geld, sondern von bedauernswert. Wie bei spät geht es wieder mit dran: Das arme Kind friert. Das Kind ist arm dran. – chirlu May 25 '15 at 10:54
  • 2
    @chirlu Das Beispiel hat mir sofort gefallen, aber damit das "wie bei spät" andere nicht auf die falsche Fährte führt: in beiden Fällen wird der Satz durch das "dran" grammatikalisch richtig, aber nur bei "arm" behält er die Bedeutung der attributiven Verwendung. – Matthias May 26 '15 at 9:19
  • 1
    Zur Tür: Eine linke Tür ist eine Tür, bei der sich die Angeln, Bänder oder Scharniere auf der linken Seite der Tür befinden, wenn man auf der Seite der Tür steht bei der diese Beschläge sichtbar sind. Siehe auch: de.wikipedia.org/wiki/Öffnungsrichtung_von_Türen Es könnte aber auch eine Tür sein, die sich links von etwas anderem befindet. – Hubert Schölnast May 26 '15 at 13:32
  • 1
    @Matthias: Ich weiß es nicht wo das steht. Wenn du das schriftlich von einer anderen Quelle als von mir haben möchtest, musst du selber googeln. Ich kann dir aber versichern: Wenn du in einem einschlägigen Fachgeschäft nach einer linken Tür fragst, wird man dich ganz sicher in diesem Sinn verstehen. Ich habe auch Handwerker und Wohnungsmakler mehrfach in diesem Sinn von linken und rechten Türen (und nicht von »Linkstüren«) sprechen hören. – Hubert Schölnast May 26 '15 at 14:04
  • 1
    @HubertSchölnast: Und wenn man dasselbe in kleinerem Maßstab betrachtet, kommt man bei Lego-Türen an, und findet zumindest für den stellenweisen tatsächlichen Gebrauch in der von dir beschriebenen Form Beispiele. – O. R. Mapper May 26 '15 at 20:37
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Die Duden-Grammatik (4. Auflage 1984, herausgegeben und bearbeitet von Günter Drosdowski u.a.) bezeichnet Adjektive, die nicht nach Belieben attributiv, prädikativ und adverbial verwendet werden können, als defekte Adjektive.

Die Frage richtet sich konkret auf Adjektive, die attributiv, aber nicht prädikativ gebraucht werden können, jedenfalls nicht in allen ihren Bedeutungen. Diese ordnet die Duden-Grammatik folgenden Kategorien zu:

  1. Adjektive, die die räumliche oder zeitliche Lage beschreiben: der obere Rand, das hiesige Theater, der gestrige Tag;
  2. Adjektive, die Besitz, Herkunft, Bereich, Gebiet oder Stoff angeben: die ärztliche Praxis, orientalische Teppiche, der städtische Beamte, die wirtschaftliche Sicherheit, ein hölzerner Griff;
  3. sogenannte Zahladjektive: die ganze Bevölkerung, in den siebziger Jahren, der erste Besucher, der letzte Mohikaner, andere Menschen;
  4. bestimmte Partizipien in festen Verbindungen wie in schwindelnder Höhe, in betrunkenem Zustand, wo die Tätigkeit nicht tatsächlich dem Substantiv zugeschrieben wird (nicht der Zustand hat sich betrunken);
  5. Adjektive, die eine Wiederholung in bestimmten Abständen bezeichnen: die monatliche Sitzung;
  6. Adjektive in Verbindung mit Tätersubstantiven, die nicht die Person an sich, sondern die Tätigkeit näher beschreiben: ein schlechter Koch, eine gute Rednerin.

Die Adjektive der 5. und 6. Kategorie können im Gegensatz zu den anderen immerhin noch adverbial verwendet werden:

Die Sitzung findet monatlich statt. Er kocht schlecht.

Zu beachten ist, daß die eingeschränkte Verwendung dieser Adjektive bedeutungsspezifisch ist. Werden sie in anderer, beispielsweise übertragener, Bedeutung benutzt, kann die Einschränkung entfallen:

Die Schublade hat einen hölzernen Griff. Der Griff ist aus Holz. (nicht: ist hölzern)
Er hat eine hölzerne Rede gehalten. Die Rede war hölzern.

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    Hm, ich überlege selbst, ob das eigentlich (noch?) für alle Fälle aus der 6. Kategorie zutrifft. Ich glaube, ich könnte sagen Die Rednerin ist gut, und man würde es auf ihre rhetorischen Fähigkeiten beziehen. Andererseits, bei Der Raucher ist stark würde man wohl an Körperkraft denken und nicht an jemanden, der viel raucht, also ein starker Raucher ist. – chirlu May 25 '15 at 15:30
  • Ich würde nicht verstehen, was mit "ein starker Raucher" gemeint ist und habe diese Formulierung noch nie (bewusst) wahrgenommen. Ich würde das eher als "Kettenraucher" ausdrücken, wobei sich die Problematik nicht ergibt. Unter einem "starken Raucher" würde ich ebenso einen physisch kräftigen Raucher verstehen. – O. R. Mapper May 26 '15 at 8:00
  • Danke für die ausführliche und aufschlußreiche Antwort. "Spät" würde dann in die erste Kategorie fallen, oder? --- Die Konstruktion "Die Rednerin ist gut" wird m.E. heutzutage durchaus benutzt. "Wie war's in der Oper"? "Die Solistin war richtig gut, aber sonst war es ziemlich langweilig." – Matthias May 26 '15 at 9:13
  • @O.R.Mapper: Mach mal bitte eine Google-NGram-Suche nach 'starker Raucher'. – user unknown Feb 24 '16 at 3:00
  • 1
    @Ralph: Defekt ist nur insofern defekt, als es nicht adverbial gebraucht werden kann; das hat aber einfach inhaltliche Gründe (es ergibt keinen Sinn, zu sagen, daß etwas „auf defekte Weise“ passiert). Attributiver und prädikativer Gebrauch sind dagegen beide möglich. – chirlu Mar 3 '16 at 9:51
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"Das ist ein Gast, der spät ist. " ist absolut korrekt und diesen Ausdruck würde jeder verstehen. Da man mit diesem Satz betonen möchte, wer denn an der Tür klopft (nämlich ein Gast), ist diese Form des Satzes eher unüblich, da man so die Eigenschaft "spät" in den Vordergrund rücken würde.

"Spät" im Nebensatz wird in der Regel in Bezug auf die zeitliche Ankunft verwendet. Beispielsweise sagt man "Der Bus, der zu spät kommt, ist auch noch überfüllt.", wenn man mit dem Nebensatz ausdrücken will, dass die Ankunft des Busses sich verzögert.

Und genau das ist das Problem mit den anderen Sätzen: Mit "Dieses Bild ist ein spätes Werk von XY" meint man nicht, dass das Bild irgendwo zu spät ankommt, sondern vielmehr, dass das Bild gegen Ende der Schaffenszeit von XY gemalt wurde.

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Da ist - meiner Auffassung nach - schon in der Prämisse der Wurm drin.

»Der späte Gast« ist für mich nämlich genauso undeutsch wie »der frühe Vogel« der seit wenigen Jahren durch die deutsche Sprache geistert. Da wird englische Grammatik in einem deutschen Kontext angewandt. Ein Gast kann nicht spät sein. Er kann spät kommen oder spät dran sein.

Das Spät-sein ist im Deutschen keine Eigenschaft einer Person, sondern eine Eigenschaft des gerade gezeigten Verhaltens der Person.

Möglicherweise unterliegt die deutsche Sprache in diesem Punkt auch gerade einem Wandel, und es wird bald als korrekt gelten, z.B. die Arbeitskollegen nicht nur als »der faule Bernhard«, »die hektische Erika«, »die allwissende Anna«, usw. zu bezeichnen, sondern vielleicht auch als »der frühe Walter« und »die späte Barbara«. Ich glaube aber, dass das noch nicht der Fall ist.

  • 2
    Mal ganz davon abgesehen, dass "the late guest" oder "the late Barbara" auf Englisch etwas vollkommen anderes heißt, als dass die Person (zu) spät ankommt. – O. R. Mapper May 26 '15 at 8:03
  • 1
    -1 Auch wenn Du das vielleicht so wahrnimmst - die Phrase "ein später Gast" ist mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurück im deutschen Schriftgut zu finden. – Matthias May 26 '15 at 8:27
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    @Matthias: Soweit ich das sehe, bedeutet "später Gast" aber auch in den über den Suchlink auffindbaren Beispielen (zumindest in der ersten Handvoll) wiederum etwas leicht anderes: Während ein Gast, der "spät dran" ist, relativ zur geplanten Ankunftszeit "spät" ist (was durchaus auch morgens um 8 sein kann, wenn die Ankunft eigentlich für 7:30 geplant oder angekündigt war), handelt es sich bei den "späten Gästen" in den Suchergebnissen, soweit ich das sehe, praktisch ausschließlich um Gäste, die gemessen an der absoluten Tageszeit "spät" ankommen, also zum Beispiel kurz vor Mitternacht. – O. R. Mapper May 26 '15 at 8:47
  • 2
    @O.R.Mapper Das ist mir schon klar. Um die Wendung "spät dran sein" geht es aber in dieser Frage überhaupt nicht. Sollte irgendjemand glauben, dass "spät sein" oder "ein später XY" neuerdings im Sinne von "being late" benutzt werden, möge er bitte eine eigene Frage aufmachen. Ich wollte wissen, warum ich jemanden, der zu später Stunde an die Tür klopft, nicht bezeichnen kann als "ein Gast, der spät ist". – Matthias May 26 '15 at 9:09
  • 1
    @O.R.Mapper Ah, stimmt. In dem Beispiel von chirlu wird durch das "dran" der Satz grammatikalisch richtig und behält die Bedeutung der attributiven Verwendung. Bei "spät" ändert sich hingegen die Bedeutung. – Matthias May 26 '15 at 9:17

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