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Als Januswort bezeichnet man laut Wikipedia

ein Wort mit mindestens zwei Bedeutungen, wobei eine Bedeutung das Gegenteil einer anderen ist („Auto-Antonymie“).

Mir ist aufgefallen, dass der Wikipedia-Artikel nur ein Adjektiv ("frugal") als Beispiel anführt, und mir sind selbst auch keine weiteren deutschen Januswörter eingefallen, die Adjektive sind.

  • Gibt es tatsächlich keine anderen? [Sollte ich völlig daneben liegen und es doch eine größere Anzahl davon geben: bitte nur ein paar Beispiele nennen und fertig. Ich möchte hier keine "große Liste"-Frage starten.]
  • Wenn es keine oder (verglichen mit Verben und Nomen) nur sehr wenige weitere gibt: Ist das Zufall, oder hat das mit bestimmten Eigenschaften der Wortart Adjektiv im Allgemeinen oder besonders im Deutschen zu tun?
  • Am Rande einer anderen Frage tauchte neulich das Beispiel schier auf (schier unmöglich = fast unmöglich, wurde aber von vielen als völlig unmöglich verstanden). Kann aber in dieser Bedeutung nur adverbial benutzt werden. – chirlu Jun 28 '15 at 21:18
  • @chirlu und "fast", also "nahezu", ist mMn auch kein echtes Gegenteil von "völlig". Aber trotzdem danke für den Hinweis. Ich werde mal über Janus-Adverben nachdenken ;-) – Matthias Jun 28 '15 at 21:25
  • Absolut richtig, aber wenn man tatsächlich auf der gegenteiligen Bedeutung beharrt, schnurrt auch die Liste bei Wikipedia schnell zusammen. – chirlu Jun 28 '15 at 21:35
  • Zwar kein echtes Gegensatzpaar, aber doch recht unterschiedlich sind die beiden Bedeutungen von »witzig«: »klug, geistreich« und »lustig, zum Lachen«. – Hubert Schölnast Jun 29 '15 at 8:42
  • 2
    @HubertSchölnast Dann eher "komisch" -> "lustig" vs "merkwürdig" – Em1 Jun 29 '15 at 9:54
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fertig

  1. frisch hergestellt, soeben vollendet
  2. abgenutzt, reif für den Müll, am Ende der Lebensdauer
  • Dabei bezieht sich "fertig" natürlich immer implizit auf einen vorausgegangenen Prozess (1. die Herstellung, 2. die Benutzung), nicht auf das Objekt selber. "fertig zum Essen" und "fertig mit dem Essen" ist auch erst mal gegensätzlich, weshalb man aus "Bist du fertig? Ich beziehe mich aufs Essen." nicht ohne weitere Kontextinformation schließen kann, ob der/die Gefragte schon gegessen haben soll oder nicht. Das Wort "fertig" selber bedeutet aber jeweils dasselbe, es bezieht sich also implizit nur auf etwas anderes. (Möglicherweise entstehen Januswörter aber auch nur auf diese Weise?) – O. R. Mapper Jul 1 '15 at 12:01
6

transparent könnte die Anforderung erfüllen, und zwar so, wie es im übertragenen Sinn zum Beispiel in Bezug auf das Innenleben von Software oder von Organisationen gebraucht wird. Dabei tauchen die folgenden zwei Bedeutungen auf:

  • vollständig mit jedem einzelnen Teilaspekt sichtbar
  • überhaupt nicht sichtbar

Wenn beispielsweise davon gesprochen wird, dass Prozesse in einem Unternehmen transparenter gemacht werden, um Missbrauch vorzubeugen, so ist damit gemeint, dass man die Prozesse besser und vollständiger sehen kann. Wird hingegen beschrieben, dass eine technische Umstellung völlig transparent abläuft, so ist damit gemeint, dass man als Benutzer überhaupt nichts davon mitbekommt, der Vorgang also vollkommen verborgen bleibt.

4

Das Wort, was mir dabei in den Sinn kommt, ist komisch. Die beiden Bedeutungen sind zwar nicht direkt antonym, aber schließen sich zumindest häufig gegenseitig aus.

Komischerweise gilt das übrigens auch für das englische Pendant funny. Ob das nun merkwürdig oder lustig ist, sei dahingestellt.

  • 1. Du solltest explizit hinschreiben, welche Bedeutungen von »komisch« du meinst (nämlich »lustig« und »merkwürdig«). 2. Das Gegenteil von »komisch« im Sinn von »lustig« ist »ernst«. Das Gegenteil von »komisch« im Sinn von »merkwürdig« ist »erwartungsgemäß«. Wenn »lustig - merkwürdig« ein Gegensatzpaar wäre, müssten »lustig - erwartungsgemäß« und »ernst - merkwürdig« synonyme Paare sein, oder wenigstens sinnverwandt. Das ist aber nicht mal annähernd der Fall. – Hubert Schölnast Jun 29 '15 at 12:36
  • Aus genau diesem Grund habe ich auch meine eigene Eingebung (»witzig«: »klug, geistreich« und »lustig, zum Lachen«) nur als Kommentar, und nicht als Antwort geschrieben, weil dieselbe Kritik, die für »komisch« gilt, auch auf »witzig« zutrifft. Weder »witzig« noch »komisch« erfüllen die in der Frage geforderte Eigenschaft der Auto-Antonymie. – Hubert Schölnast Jun 29 '15 at 12:40
  • 1
    @Matthias Ich kann Hubert nur beipflichten. Du fragst nach autoantonymen Adjektiven. In der Wikipedialiste hat bis auf Bundesstaat fast jedes Wort zumindest zwei annähernd gegensätzliche Bedeutungen. – Daniel Jun 29 '15 at 16:51
  • 1
    @Matthias. Über die Auto-Antonymie einiger Worte der Liste mag man vielleicht streiten. Die meisten können jedoch zumindest vom Sinn her antonyme Bedeutungen haben. Ausbauen (erweitern, entfernen) usw. Merkwürdig und lustig sind jedoch nicht antonym. Etwas kann ja durchaus merkwürdig und gleichzeitig lustig sein, wie Hubert auch schon angemerkt hat. Du sagtest in Deinem Kommentar, "die einander doch deutlich widersprechen" bzgl. der Bedeutungen der Worte in dem Wiki-Artikel. Das ist bei komisch und witzig (Bsp. von Hubert) einfach nicht gegeben. – Daniel Jun 29 '15 at 21:49
  • 1
    @Matthias Falls Du den Widerspruch konkret darstellen kannst, bin ich gerne bereit, meine Meinung zu ändern. Dein Beispiel mit der Mahlzeit: Du findest das Gefühl komisch, sonst würdest Du es nicht so nennen. Hier ist die Bedeutung merkwürdig. Dass Du Dir deswegen Sorgen machst, sagt doch nichts über die Bedeutung von komisch aus. Selbst wenn Du etwas lustig fändest, könntest Du Dir deswegen Sorgen machen. Selbst wenn der Bezug gleich wäre, wäre Sorgen machen nicht antonym zu lustig sein. – Daniel Jun 29 '15 at 21:53
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Ich meine zu beobachten, dass wortwörtlich eine ähnliche Entwicklung erfährt wie das Englische Gegenstück literally, bei dem mittlerweile sogar Wörterbücher angeben (z. B. dieses), dass es gegenteilige Bedeutungen haben kann, nämlich einmal im wörtlichen Sinne und einmal im übertragenen Sinne.

Zum Beispiel wird man vermutlich folgende Sätze beobachten können, in denen wortwörtlich eine entgegengesetze Bedeutung hat:

Dieses Zäpfchen musst du dir wortwörtlich in den Hintern schieben.

Diese Idee kannst du dir wortwörtlich in den Hintern schieben.

  • Das ist aber auch wieder nur adverbial verwendbar; ein wortwörtliches Zitat mag gerade noch angehen, aber das wäre die ursprüngliche Bedeutung. (Das hat sie wirklich so gesagt? – Wortwörtlich!) – chirlu Jun 29 '15 at 9:41
  • 1
    Siehe dazu auch german.stackexchange.com/questions/23164/… – Matthias Jun 29 '15 at 9:53
2

So etwas kenne ich eigentlich nur bei Negativ-Adjektiven, die auf einmal postive Bedeutung entwickeln können, wie zB irre in "Das ist irre gut". Hierzu könnte man auch "toll" zählen. Es gibt ein paar solche Adjektive, aber ihre Anzahl ist relativ gering.

Den Begriff Januswörter habe ich noch nie gehört, eigentlich kein geläufiger Begriff, aber Wikipedia hat ein Talent, die seltensten Begriffe auszukramen und zu tun, als ob das normale Begriffe wären. Man sollte schon einen Hinweis geben wie "selten gebraucht".

  • 1
    Hat irre in Das ist irre gut. denn die gegenteilige Bedeutung zu der die irre sonst hat? Die Bedeutung von irre an sich wandelt sich nicht ins Gegenteil sondern verstärkt einfach nur das gut. – Daniel Jun 29 '15 at 16:40
  • 2
    "Irre" heißt verrückt, nicht normal im Kopf und ist ein negativer Begriff. In "Das ist irre" ist es aber positiv gemeint ( entwickelt über Das ist irre gut). – rogermue Jun 29 '15 at 16:45
  • 1
    Nochmals die Frage nach dem Gegenteil: Steht irre in diesem Fall dann für "normal im Kopf, nicht verrückt"? Es geht ja nicht um eine positive oder negative Konnotation. Zum Beispiel: Köstlich ist eher positiv besetzt, teuer eher negativ. Trotzdem sind die beiden nicht gegensätzlich. – Daniel Jun 29 '15 at 16:55
  • Die semantische Entwicklung ist: Etwas is so gut, das es schon fast verrück ist. – rogermue Jun 29 '15 at 16:59
  • 1
    Das bezweifle ich doch auch gar nicht. Verrückt im Sinne von unglaublich, unnormal etc. Jetzt ist aber immer noch meine Frage offen, inwiefern dies jetzt das Gegenteil zu der ursprünglichen Bedeutung ist. Du sagst quasi "verrückt" sei das Gegenteil von "unglaublich" oder "unnormal"? Ich behaupte gar nicht, dass Dein Beispiel nicht stimmt, ich sage nur, es ist keine Auto-antonymie vorhanden, da die Bedeutungen nicht antonym sind. – Daniel Jun 29 '15 at 17:03
1

Ich kümmere mich gleich darum.

Das Wort gleich in diesem Satz kann sowohl unverzüglich/auf der Stelle/sofort ausdrücken als auch nicht sofort/zu einem späteren Zeitpunkt. Die genaue Bedeutung hängt von der Betonung und vom Kontext ab.

Oder man kann die gemeinte Wortbedeutung durch weitere Ergänzungen klarstellen:

Ich kümmere mich gleich auf der Stelle darum.

oder:

Ich kümmerer mich erst gleich darum.

  • 1
    Die Sätze mit den Ergänzungen klingen für mich etwas merkwürdig. In jedem Fall ist auch gleich aber kein richtiges Adjektiv. :-) – chirlu Jun 30 '15 at 9:18
  • 2
    Ich stimme nicht ganz zu. Der Satz ist für mich eindeutig "bald". Das kann zwar sehr unmittelbar sein ("In dem Moment, wo ich 'Der Baum fällt gleich' rief, fiel der Baum auch schon um"), aber die Kernaussage von "gleich" ist mehr "in naher Zukunft". Es kann durchaus mit "sofort" ausgewechselt werden, jedoch bedeutet "sofort" nicht zwingend "genau jetzt": "Ich kümmere mich sofort darum, ich mache das hier nur noch schnell fertig". Hier wäre "sofort" == "gleich", aber eben nicht "jetzt". Verwirrung kommt oft durch die Kombination "jetzt gleich" auf, wobei hier i.d.R. es auch klar sein sollte. – Em1 Jun 30 '15 at 12:26

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