8

Ja, ich weiß - es heißt Trompeter. Aber für nahezu alle gängigen (mit Planstelle in einem normalen Sinfonieorchester vertretenen) Instrumente gibt es für die Musiker, die sie spielen, Bezeichnungen, die auf -ist enden: Fagottist, Cellist, Posaunist... Manchmal existiert noch eine zweite Bezeichnung wie Geiger, manchmal ist diese sogar üblicher (jedenfalls kannte ich bis vor kurzem nur Bratscher, aber nicht Bratschist und Violist).

Nur für Trompeter (und evtl. Schlagzeuger, wenn man diese nicht als Perkussionisten bezeichnen will) fehlt eine solche Variante. Ist das Zufall, weil Sprache eben nicht ganz logisch ist, oder hat es einen tieferen Grund?

  • 2
    Eigentlich müsste es dann schon "Trompetist" sein. Dafür findet man auch einige Fundstellen. "Violist" kenn ich nur als "Violinist" (und ich hab Musik studiert). – Emanuel Jul 9 '15 at 9:41
  • 1
    Die Bezeichnung für diese Art Blechbläser braucht eben nicht so filigran zu sein :-D (sorry, das musste ich als Holzbläser loswerden - ich fände Trompetist auch logisch, habe es aber wirklich noch nie gehört). – Thorsten Dittmar Jul 9 '15 at 10:12
  • 3
    @Emanuel Laut dem verlinkten Wikipedia-Artikel spielt der Violist Viola (also Bratsche), und nicht etwa Violine. – Uwe Jul 9 '15 at 10:14
  • 1
    Violist spielt Viola (Bratsche), Violinist spielt Violine (Geige). – Em1 Jul 9 '15 at 10:17
  • 1
    @Matthias Filigran liegt ja im Ohr des Hörers :-D – Thorsten Dittmar Jul 9 '15 at 11:34
6

Trompeter ist von trompeten abgeleitet, nicht von Trompete. Die von Uwe im Kommentar genannten Trommler und Pfeifer haben ihre Herkunft auch in den Verben. Das gilt weiterhin auch für den Geiger, der sich vom Verb geigen ableitet.
Die Kette ist wie folgt:

Trompete -> trompeten -> Trompeter
Trommel -> trommeln -> Trommler
Pfeife -> pfeifen -> Pfeifer
Geige -> geigen -> Geiger

Die Endung -er ist die gängigste Endung bei der Verb-zu-Nomen-Suffigierung (Vergleiche: rauchen -> Raucher / laufen -> Läufer).

Zusätzlich sind das alles germanische Wörter. Die Endung -er ist wohlbemerkt ein heimisches Suffix.

Für die folgenden nicht-germanischen Wörter (weitestgehend aus dem Italienischen übernommen) gibt es keine Verben und die Musiker sind direkt vom Musikinstrument abgeleitet.
Hierbei wird das Fremdsuffix -ist für die Nomen-zu-Nomen-Suffigierung verwendet. Fremdsuffixe werden – wie der Name andeutet – in aller Regel auf Wörter fremdsprachlicher Herkunft angewendet.

  • (Kontra)Bass -> (Kontra)Bassist
  • Fagott -> Fagottist
  • Cello -> Cellist
  • Violine -> Violinist
  • Viola -> Violist
  • Gitarre -> Gitarrist
  • Mandoline -> Mandolist

Interessant ist eine Ausnahme: Der Bratschist wird auch als Bratscher bezeichnet, und das obwohl es weder das Verb bratschen gibt, noch die Bratsche germanischen Ursprungs ist.

Eine kleine Ausnahme ist auch noch der Schlagzeuger. Das Verb schlagzeugen gibt es nicht. Das Wort ist direkt vom Schlagzeug abgeleitet. Hier greift also nur die Theorie der germanischen Wortherkunft.


Alle Wortbildungen kann man auf canoo.net nachzuschlagen. Als Beispielreferenz hier der Trompeter und der Fagottist.

  • 1
    +1, auch wenn noch einige Fragezeichen bleiben: Es gibt das Verb flöten, trotzdem spricht man nur vom Flötisten (früher Flötenisten). Harfe ist ein altes deutsches Wort, das schon früh (15./16. Jh., wenn ich die Quelle bei Grimm richtig lese) das Suffix -ist bekam. Und den inzwischen gelöschten Einwand von @Takkat, dass zumindest die Grimms nicht sicher waren, ob Trompeter von Trompete oder trompeten stammt, möchte ich stehen lassen. – Matthias Jul 9 '15 at 11:24
  • Und dann wäre auch noch zu (er)klären, warum man heute nur noch vom Posaunisten spricht, obwohl man früher auch Posauner verwendet hat und das Verb posaunen existiert und alle zusammen einen deutschen Stamm haben - und warum Trompeter keine vergleichbare Entwicklung gemacht hat. – Matthias Jul 9 '15 at 11:57
  • @Matthias Gute Einwände. "Posaunist" scheint genau so eine Ausnahme zu sein wie Bratscher, nur halt genau andersrum. "Flötist" kommt aus dem französischen und ist von "Flöte" abgeleitet. Laut DWDS war es früher "Flötenist" und noch weiter zurück "Flöter". Bzgl. "Harfe" ist die Herkunft laut DWDS weitesgehend ungeklärt, aber "Harfenist" ist vom Nomen abgeleitet. – Soweit scheinen Bratscher, Posaunist, Flötist und Harfenist die Ausnahmen zu bilden und man müsste diese untersuchen. Trompeter ist dagegen voll im Muster. – Em1 Jul 9 '15 at 13:00
  • @Em1 Soweit d'accord, nur was_Harfe_ angeht, sehe ich bei DWDS nur Unklarheiten hinsichtlich der "Ursuppe", aber eine klare Aussage zu einer bis ins Althochdeutsche reichenden Wurzel. Was etwas kurios ist, denn Harfenist scheint bislang sogar die älteste all dieser Musikerbezeichnungen zu sein, obwohl, wie Du ja selbst schreibst, die Suffixierung eher mit Fremdwörtern passiert. – Matthias Jul 9 '15 at 13:31
  • @Matthias Sorry, hatte den Link nicht verfolgt, daher klang es zunächst für mich nach dem Schema nach Harfist. Besonders gut finde ich übrigens den Grimmschen Zusatz "der nit darzu singt" :-D – Thorsten Dittmar Jul 9 '15 at 13:37
-1

Warum sollte da ein tieferer Grund vorliegen? Es gibt eben Wörter, wo das Wortbildungselement -er nicht so gut passt. Bass + er hat nicht gefallen. Und Saxophon+er auch nicht.

  • 3
    Wenn wir unser ganzes Leben lang schon "Saxophoner" sagen würden, hätte deine Antwort gelautet, dass "Saxophonist" einfach nicht gut klingt. – Em1 Jul 9 '15 at 14:41

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.