8

Diese Frage wurde auch hier (auf Englisch) beantwortet:
Why is the -ow in place names pronounced the way it is?

Warum wird in Orts- und Familiennamen wie Pankow, Treptow und Bülow der Buchstabe w üblicherweise nicht ausgesprochen?

  • Den Grund kann ich nicht sagen, aber ich traf schon Leute, die haben die mitgesprochen. – frlan Sep 17 '15 at 11:23
  • 1
    Das scheint ein sehr Berlin spezifisches oder lokales Phänomen zu sein so weit ich das als Nicht-Deutscher beurteilen kann. -> Bülow ist der Name folgender Gebietskörperschaften in Mecklenburg-Vorpommern: Bülow (bei Crivitz), Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein Ortsteil der Gemeinde Gutow, Landkreis Rostock ein Ortsteil der Gemeinde Schorssow, Landkreis Rostock ein Ortsteil der Gemeinde Königsfeld (Mecklenburg), Landkreis Nordwestmecklenburg -> Vielleicht hilft das beim Einkreisen des Problems... – mramosch Sep 17 '15 at 12:00
  • 4
    de.wikipedia.org/wiki/Namen_auf_-ow – Iris Sep 17 '15 at 12:01
  • Das eigenartige ist, daß, obwohl diese Namen slawischen Ursprungs zu sein scheinen, das w nicht gesprochen wird. Denn in russischen Namen und anderen Wörten, wie z. B. Попов, Громов, часов, ... wird das w immer gesprochen. – Martin Peters Sep 17 '15 at 12:28
  • 7
    @mramosch Krakau liefert einen besseren Vergleich, da es auf Polnisch auf /-uf/ bzw. ‹-ow› endet, während Warschau /-ava/ und Breslau /-af/ ausgesprochen werden. Wären die Beispielnamen aus der Frage stärker germanisiert worden, könnten sie heute also auch *Pankau, *Treptau und *Bülau o.ä. lauten. /-o/ und /-au/ sind im deutschen Phoneminventar schon recht nahe beieinander. – Crissov Sep 17 '15 at 14:23
5

Sehr passend zu diesem Thema gibt es den Wikipedia-Artikel Namen auf -ow. Vereinfacht gesagt, sieht die Lage ungefähr so aus:

  • Im Mittelalter hatten viele Orte am Wasser Namen germanischen Ursprungs, die auf -ow oder -owe endeten. Diese Endung ist mit den Wörtern Au und letztlich auch aqua verwandt und wurde im Rahmen des Lautwandels meist zu -au.
  • Viele Orte vor allem im Nordosten des deutschen Sprachraums haben noch slawische Namen aus der Zeit der frühesten (bekannten) Besiedlung. Wenn diese auf -ow enden, dann ist das in der Regel ein slawischer Genitiv Plural. Beispiele: Grabow = [Ort der] Buchen, Buckow = [Ort der] Rotbuchen, Burow = [Ort der] Bauern. Das w in dieser Genitiv-Endung wird wohl in den meisten slawischen Sprachen heute noch mitgesprochen. Laut Takkat in einer Antwort zu derselben Frage auf Englisch ist das aber im vor allem relevanten Sorbischen heute nicht mehr der Fall. (Ich hab versucht, eine Bestätigung dafür zu finden, aber die Online-Quellenlage zum Sorbischen ist nicht so toll.) Jedenfalls wird es in Ortsnamen heute im Deutschen in der Regel nicht gesprochen.
  • Familiennamen auf -ow sind meistens ebenfalls slawischen Ursprungs und bedeuten Sohn des .... Mir ist nicht ganz klar, warum diese Endung wie ein Genitiv Plural aussieht. (Evt. bezieht sich das auf beide Eltern, identifiziert durch den Vater?) Hier wird das w in der Regel mitgesprochen, weshalb auch vor allem in neuerer Zeit häufig Schreibweisen mit -ov/-off verwendet werden. (Bei Transkriptionen kyrillischer Namen hat man ja die Wahl.)
  • Es gibt Übergänge zwischen diesen drei Formen. In Gegenden mit vielen Namen auf -ow liegt eine Umdeutung auf -au nah und umgekehrt. Außerdem werden immer wieder mal Orte nach Personen benannt und umgekehrt.

Ganz klar scheint mir, dass es wegen der großen Zahl von Orten und Familien einen großen Regularisierungsdruck gibt und dass hier der Standard lautet: "Die Endung -ow wird in Ortsnamen wie -oh und in Familiennamen wie -off ausgesprochen."

Daneben gibt es aus phonetischen und historischen Gründen Durchlässigkeit zwischen den Schreibungen und Aussprachen der Ortsnamensendungen -au und -ow (mit stummem w) in beide Richtungen. Und andererseits werden von Familiennamen abgeleitete Ortsnamen und von Ortsnamen abgeleitete Familiennamen natürlich zunächst in für ihre Klasse untypischer Weise ausgesprochen, was auch hier eine Durchlässigkeit bewirkt.

Irgendwann im Mittelalter dürften die drei Klassen von Namen im Wesentlichen alle gleich ausgesprochen worden sein. Lautverschiebungen, die es in den meisten slawischen Sprachen nicht gab, haben dann in weiten Teilen Deutschlands aus -ow das heutige -au gemacht, im Norden und Osten aber eher -ow (gesprochen -oh). (Grund für die unterschiedliche Entwicklung war vermutlich, dass -ow in manchen Regionen mit einem richtigen w und in anderen mit einem u ausgesprochen wurde. Falls das stimmt, wurde -ou zu -au und -ow zu -oh.) Evt. wurde diese letztere Lautverschiebung sogar vom Sorbischen mitgemacht. Da sie (zumindest größtenteils) vor der größeren Verbreitung von Familiennamen stattfand, sind aber die meisten Familiennamen auf -ow spätere slawische Importe und deshalb nicht davon betroffen. (Sorbische Familiennamen auf -ow scheinen kaum ins Gewicht zu fallen. Ich hab auch den Eindruck, dass diese meist transparent von Ortsnamen abgeleitet sind und zumindest deshalb vermutlich mit stummem w ausgesprochen werden.)

Der Zustand dürfte stabil sein, weil die Ortsnamen auf -ow wohl etwa gleich großen Einflüssen in entgegengesetzte Richtungen ausgeliefert sind: Einerseits in Richtung Aussprache -au und andererseits in Richtung Aussprache -off. Die übliche Aussprache -oh kann man wohl als einen Kompromiss dazwischen ansehen.

0

Die Endung -ow wird im Deutschen lang gesprochen mit geschlossenem o (z.B. Treptow), im Slawischen dagegen kurz mit offenem o (z.B. Pawlow). Aus dem Grund reduziert sich das w phonetisch einfach weg zum stummen w, da die Betonung auf dem langen o liegt. Im Slawischen klingt das w dann schon fast wie ein f.

  • Na ja, in Bahnhof ist der Konsonant ja auch nicht geschwunden. Die pauschale Aussage über "das Slawische" überzeugt mich auch nicht richtig; im Russischen unterliegt ein -v der Auslautverhärtung, im Polnischen eher nicht. Interessant wäre, ob die Aussage aus der Parallelfrage zutrifft, wonach das -v im Sorbischen stumm sei. – chirlu Oct 7 '15 at 11:40
  • Es endet auch nicht auf f wie bei Bahnhof, sondern auf w, was zum Weglassen führt. – äüö Oct 7 '15 at 12:14
-4

Weil diese Begriffe nicht aus dem Deutschen, sondern aus anderen Sprachen kommen und somit nicht den deutschen Ausspracheregeln folgen muessen.

  • Gibt es einen tatsächlichen Grund, warum du auf ue bestehst? Das "because it's a valid way to write in German language" ist kein besonders gutes Argument; abgesehen davon, daß ü zumindest auch ein "valid way" ist, sehen die Schreibregeln ue usw. nur für den Fall vor, daß keine Umlautbuchstaben zur Verfügung stehen. Und das ist hier ja nicht der Fall. – chirlu Oct 10 '15 at 23:35
  • 3
    Nun, ü entspricht den Rechtschreibregeln (und ue nicht; einzig für ss statt ß gibt es in § 25 E2 eine eingeschränkte „Erlaubnis“) und außerdem dem üblichen Gebrauch in Zeitungen, Büchern usw. Es steht dir natürlich frei, anders zu schreiben; allerdings steht es anderen frei, deine Antworten wegen schlechter Lesbarkeit weniger gut zu bewerten. – Nach deinem Maßstab hast du in german.stackexchange.com/revisions/26005/1 übrigens einen Fehler gemacht (weiß). – chirlu Oct 11 '15 at 15:59
  • 2
    Die Schweizer leben recht gut ohne ß, selbst dann, wenn sie den Lenkern von Bussen Bussen erteilen. Mehrdeutigkeit hast du bei äöü ebenso (individüll, Michäl). – Zur Frage der Richtigkeit: Ich habe oben schon auf die Rechtschreibregeln verlinkt. In § 1 ist die grundsätzliche Zuordnung von Vokallauten zu ihrer Schreibung festgelegt; dort steht für die entsprechenden Laute „ü“, nicht „ü oder ue“. Wenn du also etwa Kueste schreibst, bewegst du dich nicht auf dem Boden der amtlichen Regeln. – chirlu Oct 12 '15 at 14:42
  • 2
    Das e wird in manchen Ortsnamen auch als Dehnungs-e verwendet , z.B. Oer Erkenschwick, Soest. Es als Umlaute zu verwenden ist untypisch. Und warum alles gleich machen? Auch in anderen Sprachen gibt es Sonderzeichen:Die Akzente im Französichen, der Kringel über dem a im Dänischen, so ein schnörkel unter dem c in ich weiß nicht welcher Sprache....... – antonia Aug 23 '18 at 9:38
  • 2
    "e" gibt es auch als Dehnungs-e: Soest, Oer, Oldesloe. Sonderzeichen sind auch in anderen Sprachen gebräuchlich: Akzente im Französichen, dieser Kringel über dem a im Dänischen, ein Schnörkel unter dem c in ich-weiß-nicht-welcher Sprache..... Diese Besonderheiten sollten erhalten werden und nicht wegen Tastaturtauglichkeit abgeschafft werden. – antonia Aug 23 '18 at 9:43

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.