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Es gibt folgendes Straßenschild:

Warum steht auf dem Schild »dürfen [die Traktoren] überholt werden« statt »dürfen überholt sein«?

Ich verstehe ganz klar die Sinne und die Grammatik, aber warum wird hier das Futur genutzt?

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    +1 für das 🚜 Zeichen. Hatte keine Ahnung, dass es einen code point für Traktoren gibt. Wie das Zeichen wohl in fett aussieht? Bulldozer? – Philipp Sep 26 '15 at 11:17
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    @Philipp: normal: 🚜, kursiv: 🚜, fett: 🚜 – Hubert Schölnast Sep 26 '15 at 13:52
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    Das Zeichen wird in meinem Browser nur als leeres Kästchen dargestellt. – Takkat Sep 27 '15 at 8:22
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    Erst aus Deinem Kommentar zu Stephies Antwort erschließt sich mir, was eigentlich Deine Frage ist, bzw. wie Du darauf kommst, es solle "dürfen überholt sein" heißen (wörtliche Übersetzung der englischen Phrase). Das gehört m.E. in die Frage. – user unknown Sep 27 '15 at 12:00
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    Das hängt von den installierten Schriftsätzen ab. Bei vielen Schriftarten sind obskure UTF8 Zeichen nicht dabei, bei anderen hingegen schon. – Philipp Sep 28 '15 at 8:07
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In einem Fall (überholt werden) geht es darum, was andere mit dem Traktor machen dürfen (sie dürfen ihn überholen).
Im anderen Fall (überholt sein) geht es um einen Zustand des Traktors, über den etwas ausgesagt wird. (Der Zustand wird zugelassen.) Die anderen Verkehrsteilnehmer spielen in diesem Fall keine Rolle.


Das Verb »überholen« hat zwei Bedeutungen:

  1. Bei einer Überholung einer Maschine wird die Maschine gewartet. Das heißt, defekte und abgenutzte Teile werden durch neue Teile ersetzt, alle Lager werden mit frischem Öl geschmiert, der Schmutz wird entfernt. Eventuell wird die Maschine auch poliert und neu lackiert.

Da auch ein Traktor eine Maschine ist, kann man auch einen Traktor überholen, und damit eine Wartung meinen.

  1. Das Überholen ist im Straßenverkehr jener Vorgang, bei dem ein Fahrzeug, das hinter einem anderen herfährt, nach links ausschert, beschleunigt, und an dem ehemals vorausfahrenden Fahrzeug vorbeifährt. Alternativ kann dieser Vorgang auch aus einer Annäherung eines schnelleren Fahrzeuges an ein langsameres geschehen, ohne dass eine zusätzliche Beschleunigung stattfindet. Ausschlaggebend ist, dass ein schnelleres Fahrzeug an dem langsameren vorbeifährt.

Da Traktoren nicht für hohe Geschwindigkeit gebaut sind, werden sie sehr oft überholt, wobei in diesem Fall das Vorbeifahren eines anderen Fahrzeuges gemeint ist.

Wenn nun auf einem Schild steht:

Traktoren dürfen überholt werden.

Dann kann das, ohne auf den Kontext Rücksicht zu nehmen, Folgendes bedeuten:

  1. Es ist erlaubt, abgenutzte Teile von Traktoren auszutauschen, es ist auch erlaubt sie zu schmieren, zu polieren und neu zu lackieren.

  2. Es ist erlaubt, an langsam fahrenden Traktoren vorbeizufahren.

In der Realität (steht auf einem Verkehrsschild) ist der Kontext völlig klar, und man weiß, dass man nach diesem Schild – vorausgesetzt alle anderen Bedingungen lassen es zu – mit dem eigenen Fahrzeug an einem Traktor vorbeifahren darf.

Stünde aber auf dem Schild:

Traktoren dürfen überholt sein.

Dann handelt es sich um ein Zustandspassiv. Hier wird keine Aussage darüber gemacht, was andere mit einem Traktor machen dürfen, sondern hier wird eine Erlaubnis über einen Zustand des Traktors erteilt.

Hier lässt sogar der Kontext zwei Bedeutungen zu:

  1. Auf diesem Straßenabschnitt sind auch solche Traktoren zugelassen, deren abgenutzte Teile erneuert wurden, und an denen andere Wartungsarbeiten durchgeführt wurden.

  2. Auf diesem Straßenabschnitt dürfen auch solche Traktoren (weiter-)fahren, die bereits von anderen Fahrzeugen überholt wurden.

Beide Hinweise sind absurd, daher steht dieser Satz auf keinem Verkehrszeichen.

Nachtrag:

Der Begriff »überholt sein« hat noch eine dritte Bedeutung: Mit einem Traktor, der überholt ist, kann auch ein veraltetes Model gemeint sein. In dieser Bedeutung wird die Phrase häufig mit den Worten »schon« und »längst« ergänzt:

Der Traktor von Hans ist bereits 30 Jahre alt und entspricht schon lange nicht mehr dem Stand der Technik. Er ist schon längst überholt.

Ein Traktor, der frisch aus der Werkstatt kommt, wo er gerade überholt wurde, kann ein auch längst überholtes Model sein, und auf der Straße sogar von anderen Traktoren überholt werden.

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    Für Englisch Sprechende hier noch die Übersetzungen: "Traktoren dürfen überholt werden" = "Tractors are allowed to be passed [or overhauled]". "Traktoren dürfen überholt sein" = "Tractors are allowed to have been overhauled [or overpassed]." – Hans Adler Sep 27 '15 at 8:10
  • Mal wieder in epischer Breite Punkte abgehandelt, die offenkundig gar nicht zur Debatte standen. – user unknown Sep 27 '18 at 22:27
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Das ist kein Futur, sondern Passiv:

Es ist (ja wem eigentlich?) erlaubt, die Traktoren zu überholen.

Setzt man die Konstruktion ins Passiv, dann

...dürfen die Traktoren überholt werden

und die Frage für wen diese Erlaubnis gilt wird hinfällig.

  • Aber warum nicht sein? z.B. die Traktoren dürfen überholt sein ;-) They can be overtaken. – Interface Unknown Sep 26 '15 at 9:43
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    @Interface Unknown: Weil der Text deutsch ist und nicht englisch. – chirlu Sep 26 '15 at 9:45
  • @InterfaceUnknown Because the action of overtaking a certain type of vehicle is permitted - restricting a general "no overtaking allowed" sign. It's a question of traffic safety, not of the state of the tractors. – Stephie Sep 26 '15 at 9:45
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    Du könntest vielleicht hinzufügen, dass das Schild wie ein regulärer Satz gelesen werden kann, wenn man das Traktorsymbol durch Traktoren ersetzt. – Wrzlprmft Sep 26 '15 at 10:22
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    Passive voice in the narrower sense is dynamic passive. But it's similar in meaning to stative passive, which can be assembled by using be as a copula and the past participle as an adjective. "The renovated house" → "the house is [= has been] renovated". This works the same way in German. The difference is that in English this is generalised to the dynamic passive: "Someone renovates the house" → "the house is [= gets] renovated". In German it is never done this way; werden must always be used instead of sein, whereas in English using get is optional and only done for clarity. – Hans Adler Sep 26 '15 at 12:24
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Von der deutschen Grammatik werden zwei Passivformen anerkannt: Das Zustandspassiv, das in der Regel mit sein gebildet wird, und das Vorgangspassiv, das in der Regel mit werden gebildet wird. (Und in diesen Sätzen zur Anwendung gekommen ist.)

Das Vorgangspassiv beschreibt einen Vorgang. Buidogs (»Traktoren« ist ein reichlich preußisches Wort*) werden überholt, das dauert je nach Geschwindigkeitsunterschied ein paar Sekunden. Es beschreibt, was gerade geschieht.

Das Zustandspassiv beschreibt den Zustand, der nach einem Vorgangspassiv erreicht werden kann. Nachdem ich also den Buidog überholt habe, ist er überholt. Es beschreibt also, was bereits geschehen ist.

Allein aus diesen Kontexten heraus sollte klar sein, warum dürfen überholt sein zwar grammatikalisch korrekt, aber sinnlos wäre.


*Das soll heißen, dass es in meiner Gegend Bayerns nicht verwendet wird, und wer es verwendet, sofort das Etikett »Saubreiß« aufgedrückt bekommt. Anderswo im bairischen Sprachraum mag die Verwendung anders sein (siehe Huberts Kommentar).

Gestern Abend habe ich zufällig mitbekommen, dass Bulldog ursprünglich ein Markenname der Firma Lanz war, der in Bayern generalisiert wurde. Bulldogs anderer Firmen heißen demnach offiziell Traktor.

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    +1 für den 'Bulldog', danke! – Stephie Sep 27 '15 at 3:00
  • »Traktor« ist nicht preußisch, sondern lateinisch: Das Verb »trahere« bedeutet »ziehen, schleppen«. Ein Traktor ist daher jemand (oder etwas), der etwas zieht. Wörtlich also ein »Zieher« oder »Schlepper«. Ich bin in der Steiermark aufgewachsen und lebe in Wien, also doch einige hundert Kilometer vom Land der Preußen entfernt, und ich kenne kein anderes Wort für »Traktor«, das hier in Österreich auch nur annähernd ähnlich häufig verwendet werden würde. Auf Platz zwei in der Verwendungshäufigkeit, aber bereits weit abgeschlagen, liegt »Zugmaschine«. – Hubert Schölnast Sep 27 '15 at 13:50
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    Ich wusste bislang nicht, dass »Bulldog« auch ein Synonym für »Traktor« ist. Ich kannte das Wort bisher nur als englisches Wort für jene Hunderasse, die auf deutsch »Bulldogge« heißt. Das Wort »Trecker« habe ich schon gehört, es wird von österreichischen Bauern aber nicht verwendet. Da man in Österreich bei der Aussprache von T und D in manchen Fällen keinen großen Unterschied macht, dachte ich, als ich das Wort zum ersten Mal hörte, man würde es mit D schreiben: »Drecker«, und hielt das Wort anfangs für die abwertende Bezeichnung für einen Traktor, der auf der Straße Dreck hinterlässt. – Hubert Schölnast Sep 28 '15 at 9:10
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    @ospalh, sogar noch etwas weiter bis ins Schwäbische des Nordschwarzwalds - das Gefährt heißt hier einfach Bulldog, auch wenn es die Firma so schon sehr lange nicht mehr gibt. Und wenn's laut und stinkig mit überdimensionalen dreckigen Reifen vor mir her knattert, dann denke ich noch immer instinktiv "*#!?x+*# Bulldog". – Stephie Oct 2 '15 at 17:54
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    @ChristianGeiselmann also hier (s.o.) ist es ein “Bulldog” - Schwäbisch gschwätzt halt – Stephie Sep 27 '18 at 9:35
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Das Schild ist einfach falsch.

Richtig müsste es so heißen:

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    Das wurde weder gefragt, noch steht es zur Debatte, denn das Schild ist gesetzlich geregelt und existiert genau so. Streng genommen müßte es sowieso "🚜 darf überholt werden" heißen, denn eine ganze Kolonne von Traktoren dürfte man vermutlich doch nicht überholen. – Takkat Sep 27 '18 at 9:35
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    "Gesetzlich geregelt" heißt ja nicht, dass es deshalb grammatisch-orthographisch unzweifelfhaft sein muss. - Aus der Verwendung des Plurals ergibt sich übrigens nicht unbedingt, dass zwangsläufig mehrere Traktoren in Reihe überholt werden dürfen. Der Plural wird hier ja mehr in einem generischen Sinne verwendet. Voll ausnotiert müsste das Schild wohl so heißen: "Landwirtschaftliche Zugfahrzeuge dürfen anders als andere Fahrzeuge prinzipiell überholt werden (sofern andere Gründe nicht entgegenstehen)". – Christian Geiselmann Sep 27 '18 at 9:38
  • Früher hieß es (glaube ich) ganz einfach nur 🚜 frei. – Takkat Sep 27 '18 at 9:44
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    @takkt Ich meine "Landwirtschaftliche Fahrzeuge frei" ist ein Zusatz zu Schildern, die die Wegbenützung mit Kraftfahrzeugen grundsätzlich verbieten. Ausnahme dann eben Landwirtschaftsmaschinen. – Christian Geiselmann Sep 27 '18 at 10:30
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    Der Beitrag ist hier wirklich fehl am Platze. Unabhängig von der Frage, wer sich mit welchem Recht dazu aufschwingen kann, eine alltägliche und offenbar sogar gesetzlich normierte Sprachverwendung als falsch zu bewerten, ist das hier wirklich ein obiter dictum. Die eigentliche Frage wird dabei nicht einmal gestreift. Daher gebe ich hier -1. – jonathan.scholbach Sep 27 '18 at 11:30

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