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Ist die Form mein Gutster als liebevolle Anrede akzeptabel und korrekt auch in der hochdeutschen Sprache? Hier in Dresden habe ich das ziemlich oft so gehört.

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    Als Steigerung von "Gut"? Dann "mein Bester". Oder was soll es bedeuten? – Em1 Oct 1 '15 at 11:00
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    Steht doch da, liebevolle Anrede. Ich habe es öfter gehört, hier in Sachsen. – Bartłomiej Zalewski Oct 1 '15 at 11:01
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    Grad gegooglet und gesehen, dass es anscheinend sächsiger Dialekt ist. Hab mich nämlich auch gefragt, warum da "auch" steht, weil es imho immer falsch ist. Also im Hochdeutschen: Mein Guter, meine Gute, meine Guten, mein Bester, meine Beste, meine Besten. That's it. – Em1 Oct 1 '15 at 11:03
  • Tommy Jaud lässt eine seiner (fränkischen) Figuren in »Resturlaub« diese Formel verwenden. Ein schwacher Hinweis, dass es Regiolekt(en) entstammt, aber vlt. nicht nur Sächsisch. Hochdeutsche Umgangssprache okay, Schriftsprache wahrscheinlich eher „mein Bester“. – dakab Oct 1 '15 at 11:25
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    Habe ich hier in Berlin auch schon öfter gehört, ebenfalls als liebevolle oder leicht ironische (aber nicht negative) Anrede. – Lennart Oct 1 '15 at 14:20
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Nein, diese Anrede ist im Standarddeutschen nicht akzeptiert. Natürlich ist sie möglich, natürlich wird sie verstanden, aber verwendet wird sie in der Regel nicht.

Laut den Kommentaren unter der Frage scheint sie aus dem Sächsischen und verwandten Dialekten zu stammen. In allen Dialekten, die ich besser kenne (Süden bis Südwesten Deutschlands), ist sie mir noch nicht begegnet.

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    In .. Dialekten, die ich besser kenne ... ist sie mir noch nicht begegnet. Vielleicht ist das ja eine Idee für die nächste Reise? Als Antwort auf die Frage ist das aber dennoch schwach. – harper Oct 1 '15 at 14:38
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    @harper Wieso? Muss man notwendigerweise über jeden Dialekt Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Luxemburgs, Süddänemarks, Südtirols, Rumäniens, der Tschechei, Polens, Belgiens, Frankreichs und der Niederlande Bescheid wissen, um hier eine Antwort zu formulieren? Die Frage hat explizit nach dem Standarddeutschen gefragt, erst durch Kommentare hat sich aufgeklärt, dass es anscheinend in Sachsen benutzt wird. Ich habe lediglich Zusatzinformationen zu weiteren Dialekten geliefert. Willst du mir ankreiden, dass ich noch nich lang genug in Sachsen war? – Jan Oct 1 '15 at 17:38
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Nein.

Das ist in einem standarddeutschen Kontext nicht akzeptabel.

Das zweisilbige Wort »Gutster« (ohne e nach gut) habe ich noch nie gehört. Für meine Ohren klingt es schlichtweg falsch. Den anderen Antworten und Kommentaren zufolge scheint es Regionen in Deutschland zu geben, in denen dieses Wort zur Umgangssprache oder zu einem Dialekt gehören.

Das dreisilbige Wort »Gutester« (mit e nach gut) wird dort wo ich lebe (Wien) zwar auch nicht verwendet, aber ich glaube es in alten österreichisch-deutschen Film-Komödien (mit Peter Alexander, Gunther Philipp, Theo Lingen usw.) in der Floskel »mein Gutester« bereits als scherzhafte Verballhornung von »mein Bester« gehört zu haben.

Aber nachdem Verballhornungen per Definition kein Standard-Deutsch sind, haben sie in einem rein standardsprachlichen Kontext nichts zu suchen.


Exkurs zu »Hochdeutsch«:
Der Begriff »Hochdeutsch« ist nicht klar definiert. Er bezeichnet ...

  • (a) ... den Gegensatz zu Niederdeutsch. Hochdeutsch ist eine Gruppe von Dialekten, die im Süden (oben, auf den Bergen), gesprochen werden, und sich in vielen Eigenschaften vom Niederdeutsch (unten, im nördlichen Flachland) unterscheidet. Die geographische Grenze zwischen den beiden Dialekt-Familien stellt die Benrather Linie dar, die man auch die Appel/Apfel-Linie nennt.
  • (b) ... den Gegensatz zu allen deutschen Dialekten. Hochdeutsch ist die standardisierte Dachsprache, die an Schulen gelehrt wird, und für die es - im Gegensatz zu Dialekten - verbindliche Regeln gibt.

Um eine Verwechslung zu vermeiden, sollte man im Fall von (a) ausdrücklich von hochdeutschen Dialekten und im Fall von (b) besser von Standarddeutsch sprechen.

  • Es ist keine Verballhornung von Bester, meine ich. Könnte einen Gutshalter oder ähnliches bezeichnen, vgl En Trickster, Prankster, Lobster ... – vectory Nov 7 at 11:38
  • @vectory: Nein, und zwar aus zwei Gründen: 1. Das Wort »Gutshalter« kommt im deutschen Wortschatz nicht vor. 2. Selbst wenn es dieses Wort gäbe: Es gibt im Deutschen keinen Mechanismus, der »Gutshalter« zu »Gutster« oder »Gutester« verkürzen würde. – Hubert Schölnast Nov 8 at 2:23
  • Und nocheinmal zu »Gutster«: In deutschen Wörtern kann vor »ster« nur ein Vokal (Laster, Schwester, Geschwister, Kloster, Muster, Schweinemäster, Tröster, Küster, ...) oder einer der folgenden sonoren Konsonanten stehen: L (Polster), M (Hamster), N (Fenster), R (Förster) oder der Digraph CH (Nächster). Wörter, in denen etwas anders davor steht (*Hipster, Youngster, Gangster, Dragster, Trickster) sind Fremdwörter, die aus der englischen Sprache importiert wurden. – Hubert Schölnast Nov 8 at 2:31
  • dann habe ich es wohl eben erst analog zu Haushalter gebildet; Ich habe auch nicht die Behauptung aufgestellt, das sei die Vorlage für Gutster gewesen, denn es war nur ein wagemutiger, beispielhafter Deutungsversuch. Der Regelmäßigkeit der Bildungsregel wäre recht einfach beizukommen, wenn ein zusammengezogenes e eingefügt wird, mein Gutester, Gut'ster. Dass es als Verballhornung von "Bester" aufgefasst wird und wohl auch schon länger derart verwendet worden sein mag, wollte ich übrigens gar nicht bestritten haben. – vectory Nov 8 at 23:19
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Im Standarddeutschen gibt es das nicht.

Hier, im sächsischen Raum, wird zumindest "meine Gutste" meist für "meine Freundin" (Partnerschaftsverhältnis) verwendet.
"mein Gutster" habe ich noch nicht so oft gehört, daher bin ich mir nicht sicher, ob es auch dafür gilt.

Für die freundschaftliche Anrede wird eher "mein Guter" verwendet.

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Hochdeutsch ist ein Formalismus, die Anrede ist aber Informell, also stellt sich die Frage eigentlich überhaupt nicht. Die Bildungsregel für Steigerungsformen ist prinzipiel hochdeutsch und die Bildung als solche auch klar verständlich. Zwar wird die Steigerungsform von gut regelmäßig besser sein. Das lässt den Schluss zu, dass es sich bei Gutster nicht um eine Steigerung handelt.

  • Vergleiche Eng trickster und weitere

    *-ster ist ein altgermanisches Agens-Suffix, Genaueres ungeklärt

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