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Ich habe gesehen, dass die amerikanische "Bill of Rights" laut Wikipedia feminin ist und musste mich fragen, warum das so ist. Die meisten von anderen Sprachen stammenden Wörter sind sächlich und die Bill of Rights ist ein Gesetz und das ist auf Deutsch auch sächlich. Vielleicht wäre die Antwort von manchen "es ist einfach so", aber wenn so, werden alle Deutschen das richtige Genus benutzen?

Eine andere Frage: Wie kann man das Genus von solchen Wörtern herausfinden? Im Duden sind solche Wörter nicht zu finden, und Wikipedia ist nicht wirklich autoritativ.

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Für das Genus von Fremdwörtern gibt es keine verbindlichen Regeln, sondern nur Anhaltspunkte, die mal das eine, mal das andere nahelegen. Wenn sich zwei solche Anhaltspunkte widersprechen, kann es auch durchaus ein paar Jahrzehnte zwei korrekte Geschlechter geben, bis sich eines allgemein durchgesetzt hat. Zum Beispiel ist crêpe im Französischen feminin und deshalb die Crêpe richtig. (Anhaltspunkt: Genus in der Ursprungssprache.) Andererseits ist eine Crêpe einfach nur ein dünner Pfannkuchen, und deshalb auch der Crêpe richtig. (Anhaltspunkt: Genus verwandter deutscher Wörter.)

Im Fall von Bill sprechen folgende Anhaltspunkte für feminin:

  • Es gibt ein verwandtes deutsches Wort die Bulle, ebenfalls abgeleitet von lateinisch bulla/billa; beide sind feminin.
  • In der häufigen Anwendung auf Geldscheine (dollar bill) wurde bill früher in der Regel mit die Note, die Geldnote übersetzt. (Heute verwendet man eher Geldschein, aber in Zusammensetzungen immer noch Note: Dollarnote.)

Der Online-Duden hat durchaus einen Eintrag für Bill, dem man auch das Genus entnehmen kann.

PS: Wie die Edit-History dieser Antwort und die Diskussion dazu zeigt, gibt es auch bei deutschen Muttersprachlern manchmal Unsicherheit über das Genus eines Worts. Davon sind auch nicht immer nur Fremdwörter betroffen. In manchen Familien hat ein Wort ein anderes Genus als im Duden; es gibt aber auch Unterschiede, die sich im Duden niederschlagen, darunter regionale Abweichungen. Diese scheinen besonders häufig zwischen deutschem und österreichischem Deutsch aufzutreten.

PPS: In meiner Antwort kommen nicht alle Arten von Anhaltspunkten vor, die eine Rolle spielen können. Eine wichtige, die noch fehlt, sind Klassen von gleichartigen Substantiven, die in der Regel dasselbe Genus haben. Eine Aufzählung vieler solcher Klassen gibt es z.B. hier. Beispiele: Himmelsrichtungen sind maskulin, Bäume meist feminin und Metalle meist Neutra.

Besonders häufig ist, glaube ich, Unklarheit darüber, ob ein Wort maskulin oder neutral ist. Den Unterschied kann man schon in der Schriftsprache nicht immer erkennen. In der Umgangssprache kann er dann noch weiter verwischen. („Für mich bitte auch ein’ Crêpe, aber zu meinem Crêpe Apfelmus“ klingt, als wäre Crêpe neutral.)

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    @Gerhard das Krepp(papier) spricht gegen Neutrum für die französischen Pfannkuchen (Unterscheidung von Homonymen durch Genus). Kurzer Vokal und einfacher Auslaut in einem einsilbigen Wort sprechen auch eher für Maskulinum als für Femininum – wie bei Bill, wo ich auch der heute fast unbekannten Bulle die Genusverantwortung zuschreiben würde. – Crissov Oct 7 '15 at 9:49
  • Ich möchte anmerken, das »neutral« weder eine deutsche, noch eine fachsprachliche Bezeichnung für ein grammatisches Geschlecht ist. Üblich sind diese Trippel: »männlich, weiblich, sächlich« oder (für Deutsch) »maskulin, feminin, neutrum« (In anderen Sprachen gibt es noch weitere Geschlechter mit anderen Namen, z.B. »utrum« in Schwedisch) – Hubert Schölnast Oct 9 '15 at 8:04
  • @Hubert Schölnast: Das sehe ich anders, und der Duden auch (Bedeutung 4). Deine Bearbeitung ist daher eine Verschlimmbesserung, weil jetzt lateinische und deutsche Begriffe durcheinandergehen. – chirlu Oct 9 '15 at 8:19
  • @Crissov Interessantes Argument (Unterscheidung von Homonymen durch Genus), klingt für mich völlig logisch. Deswegen würde z.B. der Bill rausfallen, oder? – Wolf Oct 9 '15 at 11:22
  • @Wolf Ja, das kann auch bei Bill durchaus ein Teilgrund sein. Gerade bei Namen würde ich dieses Phänomen aber nicht überbewerten wollen. – Crissov Oct 9 '15 at 11:58

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