9

Auf Facebook-Seiten wird dem Benutzer vorgeschlagen:

Freunde einladen, um diese Seite mit „Gefällt mir“ zu markieren

Mir ist nicht klar, warum hier um … zu verwendet wird. Ich verstehe diesen Satz so, als würde er im Englischen bedeuten: „Invite friends in order to ‘like’ this page“. Also „Freunde einladen, damit du diese Seite mit ‚Gefällt mir‘ markieren kannst“.

Canoo.net nach:

Das zum Infinitiv gehörende Subjekt kann sich nicht auf das Objekt des Hauptsatzes beziehen:

NICHT: Der Hauswart rief einen Klempner, um den Abfluss zu reparieren.
NICHT: Die Eltern schicken das Kind zur Schule, um etwas zu lernen.

Ist der Satz bei Facebook einfach falsch? Wäre nicht der richtige:

Freunde einladen, um diese Seite mit „Gefällt mir“ zu markieren

?

4

Ja, ein offensichtlicher Grammatikfehler. Es ist ein typischer Fehler von englischen Muttersprachlern; wahrscheinlich wurde dieser Satz von jemandem übersetzt, der den Tag über mehr Englisch als Deutsch benutzt. (Das trifft bei Facebook wahrscheinlich auch auf manche deutsche Muttersprachler zu.)

  • Ein gut bekanntes Phänomen der Zeit kaum professioneller Übersetzer, die ihren Dienst online bieten. In der hebräischsprachigen Welt ist die Katastrophe noch größer. – amirdeq Oct 24 '15 at 18:31
  • 2
    Ich sehe es nicht irgendwie als schwaches Deutsch, da das Englische ja mehrdeutig ist. Eher so ein Fall wo der Übersetzer ohne den eigentlichen Zusammenhang arbeiten musste, und ihm die richtige Interpretation nicht einfiel oder er sich halt entscheiden musste. Dumm aber so läuft es in der Tat ganz oft. – Adam Bittlingmayer Oct 24 '15 at 20:15
  • @AdamM.B.: Ja, das könnte natürlich auch sein. Dann hat der Übersetzer aber rein mechanisch gearbeitet, denn wie das liken bei Facebook funktioniert, wissen ja inzwischen sogar Verweigerer wie ich. – user2183 Oct 24 '15 at 20:30
  • 2
    Grammatikfehler? Der Satz ist grammatikalisch absolut korrekt. Das ist ein Übersetzungsfehler – Adrian Oct 24 '15 at 23:09
  • 1
    @HansAdler Sehr merkwürdige Definition. Wenn Ihnen das Ihr Linguistikprofessor so erzählt hat, dann akzeptiere ich das aber. Für mich sind Grammatikfehler nur Syntaxfehler, keine "Semantikfehler". – Adrian Oct 24 '15 at 23:20
2

Wie Hans und Canoo.net schon geschrieben haben, bedeutet die Konstruktion Folgendes:

Tu X, um Y zu verb.

Wenn du X tust, wird dir Y verben.

Also anhand der Beispiele der Frage:

Die Eltern schickten das Kind zur Schule, um etwas zu lernen.

Die Eltern haben etwas gelernt, indem sie ihr Kind zur Schule geschickt haben.

Folglich kann man den Satz nur verstehen als:

Wenn du das hier liken möchtest, musst du dafür Freunde einladen.

Ich weiß nicht, was Facebook mit diesem Satz ausdrücken möchte (ich selbst bin nicht dabei), vermute aber, dass Folgendes gemeint ist:

Teile deinen Freunden davon mit, damit sie es mit »Gefällt mir« markieren können.

Wenn das gemeint ist, würde deine Ersatzübersetzung ohne um immer noch nicht hinhauen, denn das würde eher bedeuten:

Freunde einladen, diese Seite mit »Gefällt mir« zu markieren.

Lade deine Freunde zu dir ein, damit ihr gemeinsam »Gefällt mir« drücken könnt.

Es wäre zwar ein bisschen näher dran (immerhin bist du dann nicht mehr der Gefallen Findende) aber immer noch etwas quer.

1

Freunde einladen, um diese Seite mit „Gefällt mir“ zu markieren

is perfectly normal German, it just doesn't mean what the author most likely wanted to express. It means something like

To invite friends over for the purpose of liking a page on Facebook

So it evokes the image of having a bunch of people sit around with wine and chips as if to play games or watch soccer, but instead they press the Like button on facebook. The most likely intended phrase was indeed

Freunde einladen, diese Seite mit „Gefällt mir“ zu markieren

If you wish to, I could go into why this is so - what about the (lack of the) um brings about this meaning.

  • I understand why it's so. I haven't thought of such interpretation though (see my own interpretation in the question which is just as ridiculous). – amirdeq Oct 24 '15 at 18:35
  • Of course, the question is whether phrasing a sentence which clearly doesn't express the author's original intention is a grammatical mistake although grammatically correct... – amirdeq Oct 24 '15 at 18:37
  • I would say so; it results from misusing/misunderstanding grammar, regardless of the result being grammatically applicable. In the GG branch of linguistics, this is sometimes discussed as the difference between surface vs. structural equivalence; the surface form expressed corresponds to a grammatical structure, but not to the grammatical structure that was intended. – jona Oct 24 '15 at 18:45
  • Nein, ich folge deiner Interpretation nicht. Der Satz bedeutet ganz klar »Lade Freunde ein, damit du diese Seite mit ›Gefällt mir‹ markieren kannst.« – Jan Oct 24 '15 at 22:04
  • Ja, das ist eine andere mögliche Interpretation. Bzgl. meiner, denk: Freunde einladen, um den Kuchen zu essen. Syntaktisch das gleiche. – jona Oct 24 '15 at 22:13

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.