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Eine Frage zu Mädchen und Fräulein bzw. eine Antwort darauf brachte mich (ähnlich wie bei einer vorherigen Frage zur feministischen Sprachkritik) zum Grübeln. In der mir bekannten feministisch-sprachkritischen Literatur werden die geschlechtsbestimmten generischen Personenbezeichnungen im Deutschen und ihr Verhältnis zueinander aus verschiedenen Gründen kritisiert, aber ich kann mich außer der Abschaffung von Fräulein nur an eine andere Forderung erinnern: die Gleichbehandlung der Geschlechter, also bspw. Frauen und Männer statt Männer und Mädchen.

Gab es in den vergangenen ca. 40 Jahren weitere ernstgemeinte Vorschläge zur Reform geschlechtsbezogener Begriffe, um die Bezeichnungen (Substantive und Adjektive) symmetrischer und damit gerechter zu machen?

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(Bei Bedarf können Antworten natürlich auch andere lexemische Bezeichnungen berücksichtigen, z.B. Vater : Mutter, Tochter : Sohn, Bruder : Schwester, Mädchen/Mädel/Maid/Dirn : Junge/Bube/Knabe, Onkel/Oheim : Tante/Muhme, Kusine/Base : Cousin/Vetter, aber bitte keine Bildungsmuster wie +er/+(er)in, +e/+in, +eur/+euse, +∅/+ess.)

Kritikpunkte

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Bewertung)

  • Dame: in Komposita häufig euphemistisch verwendet, z.B. Bardame, Animierdame, nicht einsilbig wie der (nativ germanische) Rest; als Spielfigur (Schach, Karten) nicht gleichwertig zum männlichen Pendant (König)
    • dämlich: scheinbar verwandt (Volksetymologie), negativ besetzt
    • (rum-)dameln: scheinbar verwandt (Volksetymologie), negativ besetzt
  • Herr: beschreibt eher sozialen Status als Geschlecht
    • herrlich: scheinbar verwandt (Volksetymologie), positiv besetzt
    • herrisch: kann seltsam wirken, wenn für Frauen verwendet
    • herrenlos: kann seltsam wirken, wenn für „Frauenprodukte“ (Handtasche, Rock, Lippenstift, Tampon, Damenfahrrad, …) verwendet
    • Herrchen: keine äquivalente Ableitung für Herrin, stattdessen Frauchen
    • Herrin: ausschließlich für sozialen Status, übliche Derivations-/Markiertheitskritik
  • Leute: wird teils als umgangssprachlich wahrgenommen, versteckt Geschlecht
  • Frau: kurz für Ehefrau, als Anrede neben Herr sonst meist neben Mann
    • fraulich: kann anders als männlich nicht einfach nur das Geschlecht bezeichnen, sondern nur für herausgehobene Attribute, → fräulich?
    • Frauchen: parallel zu Herrchen statt Männchen gebildet, obwohl keine Anrede, → Fräuchen?
    • Fräulein: nicht parallel zu Männlein oder Herrlein, kein männliches Pendant, über Geschlecht hinausgehende Bedeutung, sozial abwertender Gebrauch
    • Jungfrau: kein echtes männliches Pendant (Jüngling, Junker, Jungkerl?)
  • Mann: ähnlich zu und etymologisch verwandt mit Mensch und man, kurz für Ehemann
    • Männchen: abseits der Tierwelt vielfach geschlechtslos/-übergeifend verwendet, z.B. Ampelmännchen, Strichmännchen, Männchen machen
    • Männlein: nicht parallel zu Fräulein
    • männlich: ?
    • -männisch: inkonsequent geschlechtsbezogen in Adjektiven zum Tripel Frau/Mann/Leute, z.B. kaufmännisch, fachmännisch
    • Männin: möglich, aber selten, z.B. Landsmännin, Hauptmännin, ggf. wenn -frau schon anders kosnotiert ist, doch wirkt selbst dann seltsam bis anstößig
    • Pl. Mann / Mannen: schwierig von Männer abzugrenzen, daher kann geschlechtsneutrale/-übergreifende Verwendung seltsam wirken, z.B. Blaumann, Schneemann, Heiermann, Mannjahr und …
    • Mannschaft: kann vor allem in Verbindung mit Damen- oder Frauen- seltsam wirken, zumal Herren- oder Männer- meist impliziert und weggelassen wird
  • Weib: neutrales Genus, heute nur noch abwertend verwendet, viele geschlechtsspezifische abwertende Komposita wie Klatschweib, Weibergewäsch
    • weiblich: von Weib abgeleitet, damit theoretisch aber nicht praktisch abwertend
    • weibisch: abwertend wie das Substantiv
    • Weibchen: abwertend wie das Grundwort, zumindest für Menschen

Verwendung

(ebenfalls ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  • Dame – Herr: förmlich, z.B. als Anrede ohne Namen (sgDuH), im Sport und bei getrennten Kabinen; X des Hauses, aber Hausherrin
  • Herr – Herrin: wenn nicht Geschlecht, sondern sozialer Status bzw. leitende Funktion entscheidend ist, z.B. Bauherrin, hingegen Ratsherrin ≈ Ratsfrau ≈ Ratsdame, aber nicht *Ratsmann
  • Herr – Frau: Anrede mit Name, teils alternativ zu Herr – Dame oder Mann – Frau
    • Herrchen – Frauchen: verantwortliche Bezugsperson von Haustieren
  • Frau – Leute – Mann: Regelfall für Substantive
  • Mann – Männin: selten, v.a. wenn analog gebildetes Kompositum auf -frau schon mit (abwertender) Bedeutung belegt ist, z.B. Hauptmännin wegen Haupt(ehe)frau, oder wenn ein verwandtes Derivat zu mann gebräuchlich ist, z.B. Landsmännin wegen Landsmannschaft
  • Mann – Weib: für Menschen nur noch in männlich – weiblich
    • Männchen – Weibchen: Fauna
  • Weib – Kerl: äußerst selten, Teufels-X
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    »als Spielfigur (Schach, Karten) nicht gleichwertig zum männlichen Pendant (König)« – stimmt. Die Dame ist im Schach stärker als der König, den die anderen immer beschützen müssen. Und im Doppelkopf sind die Damen sogar die höchsten Trümpfe, die Könige bloß unteres Beiwerk; die männlichen Trümpfe sind »nur« Buben. Wie geschlechtergerecht doch das Schafkopf ist: Es gibt nur Ober und Unter. (Nagut, und Säue, aber das sind ja Viecher, auch wenn sie viel wert sind.) ;) – Jan Nov 18 '15 at 13:10
  • @Jan Beim Schach ist sie zwar die stärkste, aber nicht die wichtigste Figur, bei Dame hingegen beides. Es ging allerdings allein um die Bezeichnung, vgl. engl. King und Queen. Im französischen Blatt gibt es ja sogar 2 männliche Karten pro Farbe und je nur 1 weibliche; im Skat liegt sie wertmäßig zwischen den beiden, und unterliegt bei Stichen immer dem König. – Crissov Nov 18 '15 at 13:44
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    Warum dieses Pseudo-Problem bedienen? – SchcS Nov 20 '15 at 8:28
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    @SchcS Die Frage betrifft die deutsche Sprache. Mit den aufgeführten Kritikpunkten sollte klar sein, warum manche Menschen alternative Wörter sinnvoll finden (sollten). Mich faszinieren solche sprachlichen Asymmetrien und darum interessiert mich auch, wie Menschen, die sich daran stören, sich ein geschlechtergerechteres Sprachsystem vorstellen. Dazu muss ich die Kritik nicht teilen und du auch nicht. Eine Antwort könnte ja durchaus lauten, dass es keine Vorschläge gibt, weil sie alle, die das fordern könnten, nur mit Grabenkämpfen um die beste Kurzschreibweise für Beidnennungen aufhalten. – Crissov Nov 20 '15 at 12:38
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    Alter Schwede. Wer geschlechtsneutrale Sprache haben muss kann ruhig nach Ungarn, Estland oder in die Türkei, in den Iran, Afghanistan, Zentralasien, China, Japan usw ziehen, um zu sehen was für Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung sowas bringt. Es ist völlig Wurst. – Adam Bittlingmayer Nov 22 '15 at 0:06
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Es gibt sprachfeministische Bestrebungen man durch mensch zu ersetzen, eine ahistorische Forderung, die auf der falschen Annahme beruht, dass das man Frauen ausgrenze, unsichtbar mache, benachteilige. Die echte Etymologie des Wortes wird ignoriert um die falsche Forderung aufrecht zu erhalten - insofern kann von Sprachwissenschaft nicht wirklich gesprochen werden.

Weitergehende Dogmatiker möchten auch Ersatz für jemand, niemand u.ä. etablieren - die naheliegenden ad-hoc-Lösungen jemenschd, niemenschd klingen aber vielleicht doch zu albern, jemand oder jefraud ist wohl selbst denen, die sich mit Studierendenwerken anzufreunden entschlossen sind, zu bürokratisch. Exremere Abseitigkeiten werden aber nicht mehr entziffert und nur von Insidern verstanden.

  • Quellen? Und evtl. Objektivität? – jona Nov 23 '15 at 17:09
  • @jona: bitte schön. – user unknown Nov 23 '15 at 22:27

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