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Es gibt wie in den meisten Sprachen auch im Deutschen eine Vielzahl von Synonymen für den Vollzug des Geschlechtsaktes.

Verben

Einige der Synonyme sind metaphorisch umschreibend (vögeln, rammeln, nageln, pudern, knallen, bürsten) oder nur regional gebräuchlich (pudern, schnackseln), manche wirken ironisch (poppen) oder harmlos (pimpern), andere derb (bumsen/bimsen) bis vulgär (ficken) bzw. hochgestochen (koitieren, kohabitieren, kopulieren). Zum Teil funktionieren sie nur mit einem (meist mänlichen) Aktör (beschlafen, flachlegen, vernaschen), der (meist weibliche) Geschlechtspartner bleibt sprachlich inaktiv/passiv, zu einem anderen Teil sind sie reflexiv und nur im Plural gebräuchlich ([Geschlechts-]Verkehr haben, verkehren), andere sind (inzwischen) auf verschiedene Arten verwendbar (jmd./miteinander ficken, bumsen, vögeln). Einige Verben basieren auf fremden Substantiven (koitieren < Koitus) oder werden mit einer Vorsilbe aus einem Verb für eine andere Tätigkeit gebildet (beschlafen, nicht *beischlafen), und daneben gibt es diverse meist verklemmt umschreibende Phrasen aus Substantiv und Verb (Nummer schieben, Liebe machen, Sex / Geschlechtsverkehr / Beischlaf haben / machen / ausüben / vollführen, Ehe vollziehen, horizontal Tango tanzen) oder Adjektiv und Verb (intim werden, körperlich lieben). Manche betonen den Zeugungszweck (begatten) oder soziale Konventionen (ehelichen Pflichten nachkommen). Einige sind sehr altmodisch ((er-)kennen (im biblischen Sinne)) oder heute völlig ungebräuchlich (minnen, zwirnen) und andere kommen nur (evtl. vorübergehend) in einer Subkultur vor (klarmachen, knacken, knattern?).

Interessanterweise gibt es abseits der Fachsprache kaum Fremdwörter (z.B. *sex(ier)en, *bängen, *shaggen), allerdings sind einige Metaphern auch in anderen Sprachen üblich (nageln ~ nail), sodass es sich mitunter um Lehnübersetzungen in die eine oder andere Richtung handeln könnte.

Frage

Welches Verb kann man verwenden, wenn man sich weder vulgär noch übertrieben gehoben ausdrücken möchte und keine mehrteilige Umschreibung verwenden will sowie bevorzugt ein „symmetrisches“ einvernehmliches Miteinander vermitteln möchte? Das heißt, welche der oben genannten (oder vergessenen) Alternativen ist im Allgemeinen am neutralsten – am wenigsten markiert?

Beispiellückensätze

……… macht Spaß!
Lass uns ………!
Willst du ………?
……… ihn doch! / doch mit ihm!
Er hat noch nie ……….
Sie ……… nur abends und nur im Bett.
In einer durchschnittlichen Beziehung wird x-mal pro Monat ……….

  • 5
    Sex haben oder einfach Sex lässt sich in die meisten dieser Lücken einbauen und ist IMHO ziemlich neutral und alltagstauglich - kommt aber nicht in Frage, weil Du unbedingt nach einem Verb suchst, wenn ich Dich richtig verstanden habe? – Matthias Jan 20 '16 at 21:14
  • 6
    Ziemlich neutral und verbreitet ist mit jemandem schlafen bzw. miteinander schlafen. Es ist aber auch mehrteilig und weniger geeignet, wenn keine zweite Person genannt werden kann, etwa in den beiden letzten Beispielsätzen. – chirlu Jan 20 '16 at 21:50
  • 4
    Ich bin nicht qualifiziert, diese Frage zu beantworten, aber ich möchte noch zwei Synonyme hinzufügen: "es tun" und "es machen". Beide sind meines Erachtens neutral, obwohl vielleicht nicht so eindeutig, weil sowohl "es" als auch "tun" und "machen" sehr allgemeine Worte sind. – Fabio Turati Jan 21 '16 at 0:54
  • 2
    Das Wort »budern« wird häufig (so auch hier) falsch geschrieben. Es hat nichts mit »pudern« (Puder auftragen) zu tun, sondern stammt von »buttern« ab. Buttern bedeutet Butter herstellen. In vielen alpinen Gegenden kommt der Rahm in ein Fass, das mit einem Deckel verschlossen wird. Der Deckel hat ein Loch, durch das der Butter-Stößel geführt wird. Diesen Stößel bewegt man so lange in schnellen Bewegungen ein und aus, bis aus dem Rahm Butter geworden ist. Da mal hier einen dicken Stab durch ein passendes Loch ein und aus bewegt, war es kein Wunder, dass mit »buttern« auch Sex bezeichnet wurde. – Hubert Schölnast Jan 21 '16 at 7:23
  • 2
    @FabioTurati: "Es tun" ist oberverklemmt. Fehlt nur noch dazu mit den Fingern Anführungsstriche in die Luft zu malen. Ich behaupte mal, es gibt kein neutrales Verb dafür. – user unknown Jan 21 '16 at 9:45
2

Auch wenn "Liebe machen" mehrteilig ist, glaube ich dennoch, dass es für den Anwendungsfall der am besten geeignete Ausdruck ist. "Liebe machen" verletzt nur diesen einen Constraint, da es

  • weder vulgär noch übertrieben gehoben ausdrücken
  • ein „symmetrisches“ einvernehmliches Miteinander vermittelt
  • und allgemein gängig ist
  • 3
    "Liebe machen" finde ich durchaus verklemmten Sprachgebrauch. Miteinander zu schlafen hat mit Liebe oft nichts zu tun. – user unknown Jan 21 '16 at 9:43
  • 5
    Liebe machen wird wohl eher benutzt, um "verkindlicht" über die Sache zu sprechen. In einem rational sachlichen Gespräch, ist dieser Ausdruck, finde ich, nicht angebracht. – jera Jan 21 '16 at 9:51
  • @userunknown: Dass der Ausdruck verklemmt ist, finde ich auch, aber da es anscheinend nur ordinäre/vulgäre oder übermäßig hochgestochene Begriffe gibt ist dies meiner Meinung nach der am besten geeignete Ausdruck (auch wenn das nicht bedeutet, dass er gut ist). – BenSower Jan 21 '16 at 10:15
  • @jera: Hier ging es nicht um ein rational sachliches Gespräch, sonst würde ja wahrscheinlich ein eher "hochgestochener" Begriff gewählt werden. Für die Beispielsätze finde ich "Liebe machen" von den genannten Möglichkeiten die beste, wenn auch keine gute. – BenSower Jan 21 '16 at 10:15
  • 1
    @BenSower ja, das ist mir schon bewusst, ich woltle es allerdings noch anmerken. Auch, weil ich gerade für den letzten Satz Liebe machen nicht gut finde. "In einer durchschnittlichen Beziehung wird x-mal pro Monat Liebe gemacht." – jera Jan 21 '16 at 10:16
2

Es ist keine eigentliche Antwort auf meine eigene Frage, aber die Häufigkeit mag einen gewissen Hinweis auf die Akzeptanz geben.

Derewo

Unten aufgeführt ist die Position der einteiligen Verben im Derewo-Korpus mit ca. 327 000 Grundformen.

Ganz oben stehen Verben, die auch (und vor allem) eine nicht sexuelle Bedeutung haben. Übrigens kommen budern und schnackseln darin nicht vor, dafür aber beischlafen und sogar minnen. Zusammensetzungen wie durchknallen (Position 66 219), verficken, verpoppen, herumvögeln, durchficken und rumficken (alle jenseits 235 000) habe ich nicht mit aufgenommen.

  4 826. verkehren
  6 113. knacken
  7 830. knallen
  8 860. klarmachen
 18 288. nageln
 24 460. poppen
 27 780. knattern
 29 459. vögeln
 31 557. ficken
 35 529. bürsten
 50 373. vernaschen
 62 674. pudern
 65 546. kopulieren
 73 081. bumsen
 73 493. rammeln
 94 143. begatten
 99 977. bimsen
114 900. flachlegen
120 093. minnen
175 666. beschlafen
209 318. zwirnen
219 479. pimpern
251 518. koitieren
276 110. beischlafen
291 530. kohabitieren

Google Ngram Viewer

Um auch einen historischen Überblick zu bekommen, habe ich die halbwegs unzweideutigen Verben auch im Bücherkorpus von Google suchen lassen. Da nur maximal 12 Linien gleichzeitig dargestellt werden, habe ich einige Verben zusammengefasst.

Ein Ergebnis dieses groben Vergleichs ist, dass begatten bis ins 19. Jahrhundert deutlich häufiger und (zumindest unter den heute noch gebräuchlichen) der bevorzugte (eindeutige einteilige) Begriff war. Zwischen 1820 und 1835 hatte vögeln eine Hochphase, von der ich nicht sagen kann, ob sie evtl. mit der Kleinschreibung des Plurals von Vogel oder einem ähnlichen Effekt zusammenhängt. Die hochsprachlichen Verben ko-…-ieren scheinen vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in gedruckten Werken verbreitet gewesen zu sein. Die häufige Verwendung von minnen, das um 1940 und von 1965 bis 1985 sogar die Spitze übernimmt, hat mich sehr überrascht, denn selbst in der Bedeutung ‘lieben, anbeten’ schätze ich es als selten ein – ich vermute einen OCR-Fehler oder sehr aktive Literaturwissenschaftler/Mediävisten. Interessanterweise taucht ficken erst Mitte der 1960er auf und übernimmt ab 1990 die klare Vorherrschaft vor vögeln.

Auch Google findet keine Treffer für die regionalen Begriffe budern und schnackseln. Dabei erinnere ich mich an ein Skandälchen in den 90ern, als eine damals wohl halbwegs bekannte (weil reiche) Bayerin etwas von „schnackselnden Negern“ faselte.

Es lässt sich auch nach Gruppen von n-Grammen suchen, aber die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen (v.a. bzgl. _VERB_). Interessanterweise tauchen Wendungen mit Geschlechtsverkehr erst um 1880 signifikant auf, während Verkehr haben (mglw. in nicht sexueller Bedeutung) schon deutlich länger vorkommt. Die Zusammensetzungen mit Sex setzen etwas später ein als ficken, erstmals um 1970 und dann zunehmend ab 1985. Die Zusammensetzungen mit schlafen sind ebenfalls sehr frequent.

Man beachte, dass ich bei Google Ngrams nicht nach flektierten Formen gesucht habe. (Das Suffix _INF_ kann nur einmal pro Anfrage verwendet werden.)

  • 1
    Ich habe mal die Belege für minnen überflogen; so weit ich sehe, sind das alles mittelhochdeutsche Zitate (wo es dann auch kein Verb ist), und eine Reihe von schwedischen Ergebnissen hat sich auch hineingemogelt (minnen = Erinnerungen). – chirlu Jan 21 '16 at 16:42

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