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Es gibt die Nachspeise und die Vorspeise vom gleichen Rang.

Zur Nachspeise gibt es dann noch das Synonym Nachtisch, aber das Äquivalent Vortisch gibt es laut einer groben Google-Suche nur als Familienname.

Yahoo Clever hat eine passende Frage, aber keine guten Antworten.

  1. War Vortisch jemals in der Bedeutung Vorspeise in verbreitetem Gebrauch?

  2. Wie kam es, dass es im Gegensatz zum Nachtisch nicht überlebt hat?

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    ad 1) Jein, in Gebrauch, aber wohl nicht verbreitet (DWB). – chirlu Feb 24 '16 at 1:52
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    wohlgemerkt gibt es auch keinen Haupttisch. Also scheint eher Nachtisch eine besondere Etymologie aufzuweisen. – Chieron Feb 24 '16 at 12:39
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    Wer weiß. War eine Vermutung, auch weil es halt im Wörterbuch nicht drin steht. – Janek Bevendorff Feb 24 '16 at 16:31
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    Eine wilde Vermutung: Die Vorspeise wird am Esstisch genossen. Die Nachspeise zuweilen "am Kamin". Man ist dann also nicht mehr "bei Tisch". – Burki Feb 26 '16 at 14:34
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    Möglicherweise hat man ja in früherer Zeit gar keinen Bedarf für das Wort gehabt - Man kann den Deutschen ja viel nachsagen, aber ausgeprägte Esskultur wie z.B. in Frankreich gehört eher nicht dazu - zumindestens nicht historisch. Da hat man, wenn überhaupt, Suppe vorweg gegessen, also reichte das Wort dafür. Fragt man nach einer "typisch deutschen" Vorspeise, fällt einem eben höchstens die Suppe ein – tofro Feb 26 '16 at 22:21
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Mit Google NGram kann man die Verbreitung von Worten und Phrasen über die Zeit visualisieren, und dann in den Listen nach Exempeln schauen, was hier dazu führt, dass man nur den Namen Vortisch findet, auch wenn das Wort im Vergleich zu Vorspeise, Nachspeise und Nachtisch nicht abgehängt wird.

Eine Suche im Wörterbuchnetz fördert nur 2 Treffer zutage, was die Vermutung, der Begriff sei je verbreitet gewesen, in Zweifel zieht.

Vielleicht findet jmd. eine plausible Erklärung, wieso sich der Begriff nicht durchgesetzt hat. In der Regel dürften sich solche Fragen schlecht beantworten lassen, da man dazu i.d.R. große Menschenmengen befragen müsste, die auch noch lange tot sind. Allgemein weist die Sprache oft keine Symmetrie auf. Der zweite Graph zeigt, dass auch die Vorspeise erst in jüngerer Zeit weitere Verbreitung findet - wohl weil ein Nachtisch verbreitet, eine Vorspeise aber selten war.

Es gibt auch Vollmond und Vollpfosten sowie Neumond, jedoch keinen Neupfosten. So ist Sprache.

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    Alles richtig, aber: Es gab die deutsche Sprache schon vor Google... – tofro Feb 26 '16 at 17:13
  • @tofro: Google NGram ist eine Auswertung auch historischer Bücher und greift bis ins Jahr 1500 zurück. Diei Wörterbücher des Wörterbuchnetzes sind auch alt bis uralt bzw. berücksichtigen alte Quellen. Deine Kritik verstehe ich daher nicht. – user unknown Feb 26 '16 at 17:31
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    Das war nur begrenzt als Kritik gemeint - NGram kann halt nur die Bücher untersuchen, die auch in digitalisierter Form vorliegen. nGram kann zwar Hinweise liefern, aber eine vollständige Abdeckung historischer und vor allem deutscher Bücher dürfte es nicht leisten. Über die anderen Fallstricke an NGram gibt's hier einen netten Artikel: wired.com/2015/10/… . Muss also eine Prise Salz dazu. – tofro Feb 26 '16 at 17:37
  • @tofro: Eine gute NGram-Kritik, bei der noch fehlt, dass Zeitungen und Magazine m.W. nicht erfasst werden wie natürlich auch nicht private oder geschäftliche Korrespondenz, Bedienungsanleitungen, Beipackzettel usw., und dass der mündliche Sprachgebrauch auch vollkommen fehlt. Das kann man aber schlecht bei jeder Verwendung von NGram wiederholen. – user unknown Feb 26 '16 at 22:02
  • Das Accept für den bequellten Inzidenznachweis, vielen Dank! – hiergiltdiestfu Mar 4 '16 at 7:56
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Ich hatte eine Intuition, dass es etwas mit der früher verbreiteten Wendung nach Tisch zu tun haben könnte. Mir war nämlich nicht bewusst, dass es auch vor Tisch gibt. Der n-gram-Viewer hat mich eines Bessern belehrt. Ergebnis:

Bis ca. 1860 waren bei Tisch und nach Tisch etwa gleich häufig. In letzter Zeit dominiert allerdings bei Tisch (etwa Faktor 6). Daneben ist aber durchaus auch vor Tisch gebräuchlich, und zwar mit rund einem Drittel der Häufigkeit von nach Tisch.

Eine Suche in älteren deutschen Büchern nach vor Tisch und nach Tisch hat dann aber doch noch eine Spur ergeben. "Nach Tisch" wird dort typischerweise die Geselligkeit gepflegt, getrunken oder Spazieren gegangen. Der Verzehr von Süßem scheint da ganz gut dazu zu passen. "Vor Tisch" wird ebenfalls Spazieren gegangen, Disziplin unter den Kindern hergestellt, nichts Süßes gegessen (weil es den Appetit verdirbt), und, ganz wichtig, gebetet.

Mir scheint deshalb, dass hier zu Lande, anders als bei den Römern und ihren direkteren kulturellen Nachfahren, der Grundsatz "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen" galt: Erst die Moral, dann die Sättigung, dann das Vergnügen. Da bleibt dann, wie auch schon von user unknown vermutet, kein Raum für Vorspeisen. Das deckt sich übrigens auch durchaus mit meinen eigenen Erfahrungen. Im deutschen Sprachraum hab ich außer dem im Restaurant häufig zuerst servierten Beilagensalat selten Vorspeisen erlebt. In Frankreich, Italien und Spanien ist das aber sehr häufig.

Fazit soweit: Ein Vortisch wäre im Deutschen wohl eher so etwas wie ein Tischgebet. Das wäre aber eine überflüssige und unpassende Bezeichnung und war deshalb wohl nie üblich.

Eine andere Sichtweise: "Tisch" bezieht sich im Kontext von "vor/bei/nach Tisch" wohl auf das soziale Ereignis, zu dem alle Familienmitglieder versammelt sind. (Das ist der Hauptunterschied zu "Speise" im Kontext der Frage.) "Nach Tisch" bedeutet dann, dass das Ereignis im Prinzip vorbei ist. Wer will, kann schon mal gehen - er verpasst dann aber u.U das Beste (den "Nachtisch"). "Vor Tisch" ist der Zeitraum bevor alle versammelt sind. Vor dem für alle obligatorischen Tischgebet wurde aber nichts verzehrt. Selbst wenn es doch mal Vorspeisen gab, wurden sie wohl erst nach dem Tischgebet serviert und waren damit "bei Tisch", nicht "vor Tisch".

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    Super Train-of-thought, Danke :-) – hiergiltdiestfu Feb 28 '16 at 23:52
  • Die Bounty für die ausführliche Argumentation und das offensichtliche Brüten-über-dem-Problem, vielen Dank. – hiergiltdiestfu Mar 4 '16 at 7:56

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