1

Ich will sagen: "There are many certificat(ion)s, which I would take".

Es gibt viele Zertifikate, die ich machen will/wollte.

Oder

Es gibt viele Zertifikate, deren ich machen will/wollte.

Mein Problem liegt bei den Wörtern "die"/"deren". Geht hier Plural Genitiv oder Akkusativ?

  • Willkomme bei German Language. Bitte achte darauf, dass der Titel Deiner Frage immer auch die eigentliche Frage enthält. Nur so können auch nachfolgende Besucher noch von der Frage profitieren. Danke. – Takkat Apr 29 '16 at 7:54
4

Der grammatische Fall wird vom Verb bestimmt, und dieses fallbestimmende Verb ist »wollen«. Jenes Argument von wollen, welches beinhaltet was gewollt wird (Das Ziel des Wollens) muss im Akkusativ stehen:

Er will dich.
Hans wollte den Ball.
Der König wird dein Land wollen.

Anstelle des Akkusativobjekts kann auch ein Verb im Infinit stehen. In diesem Fall drückt dieses Verb eine Tätigkeit aus, die vom Subjekt gewollt wird:

Er will schlafen.
Hans wollte weggehen.
Der König wird essen wollen.

Wenn sowohl ein Akkusativobjekt als auch ein Verb im Infinitiv vorhanden sind, drücken diese beiden gemeinsam nicht nur eine Tätigkeit (durch das Verb) aus, sondern geben auch an, worauf sich diese Tätigkeit bezieht (durch das Akkusativobjekt):

Er will ein Haus bauen.
Hans wollte seine Blumen gießen.
Der König wird den Feind besiegen wollen.

Genau in eben dieses Schema fällt auch der Satz:

Ich will die Zertifikate machen.

  • Ich = Subjekt
  • will = Prädikat
  • die Zertifikate = Akkusativobjekt
  • machen = Infinitiv-Verb

Der Teil »die Zertifikate« kann unterteilt werden in:

  • die = Artikel (Plural, Akkusativ)
  • Zertifikate = Nomen (Plural, Akkusativ)

Das Akkusativobjekt »die Zertifikate« kann ersetzt werden durch ein Pronomen:

Ich will die machen.
Ich will diese machen.
Ich will jene machen.

Beachte, dass im ersten Satz »die« kein Artikel ist, sondern ein Pronomen.

Die drei hier verwendeten Pronomen sind Demonstrativpronomen. Man kann stattdessen aber auch Relativpronomen verwenden, die dann einen Relativsatz einleiten. Um aus einem Hauptsatz einen Relativsatz zu machen, muss die Reihenfolge der Wörter geändert werden (Pronomen an die erste, Verb an die letzte Position), und vor allem muss es davor einen anderen Satz geben, der nun der Hauptsatz ist:

Es gibt viele Zertifikate, welche ich machen will.
Es gibt viele Zertifikate, die ich machen will.

»Es gibt viele Zertifikate« ist der Hauptsatz, »die/welche ich machen will« ist der Relativsatz, der von einem Relativpronomen (»die« oder »welche«) eingeleitet wird. Dieses Relativpronomen ist ein Stellvertreter für etwas anderes, in diesem Fall für »viele Zertifikate«.

Der grammatische Fall von »viele Zertifikate« wird durch das Verb »gibt« bestimmt, das den Akkusativ verlangt. Der Fall des Pronomens wird von »will« bestimmt, das ebenfalls den Akkusativ verlangt. Diese Übereinstimmung ist zufällig, wie dieses Beispiel zeigt:

Es gibt viele Zertifikate, derer ich mich bemächtigen will.

Hier ist »derer« ein Realtivpronomen im Genitiv, das Stellvertreter für die Zertifikate ist. Ersetzt man dieses Pronomen durch das wofür es steht, dann kann man den Relativsatz in einen Hauptsatz umformen:

Ich will mich der Zertifikate bemächtigen.

Wie schon oben beschrieben, verlangt »will« für sein Objekt den Akkusativ. Dieses Objekt ist das Personalpronomen »mich«, und das steht tatsächlich im Akkusativ:

Ich will mich.

Als weitere Ergänzung gibt es das Verb »bemächtigen«, das im Infinitiv steht, was ich weiter oben schon ausgeführt habe:

Ich will mich bemächtigen.

Aber nicht nur »will« kann durch ein Objekt ergänzt werden, auch an »bemächtigen« kann man ein weiteres Objekt anfügen, jedoch verlangt »bemächtigen« für dieses zweite Objekt nicht den Akkusativ, sondern den Genitiv:

Werner bemächtigt sichAkkusativ des GeldesGenitiv.
Ich bemächtige michAkkusativ der ZertifikateGenitiv.

In der Konstruktion von oben:

Ich will mich der Zertifikate bemächtigen.

Und wieder als Relativsatz:

Es gibt viele Zertifikate, derer ich mich bemächtigen will.

  • Ich finde "bemächtigen" in diesem Kontext eher unglücklich gewählt. – Burki Apr 29 '16 at 8:27
  • Vielen Dank für diese umfassende Antwort. – Neven Apr 29 '16 at 12:36

Your Answer

By clicking “Post Your Answer”, you agree to our terms of service, privacy policy and cookie policy

Not the answer you're looking for? Browse other questions tagged or ask your own question.