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Warum ist die Stellung des Doppelpunktes in folgendem Satz richtig?

"Es ist immer offensichtlicher, dass die unkontrollierte klandestine Immigration, besser: die organisierte Invasion, nichts Gutes bringt."

(È sempre più evidente che l'immigrazione clandestina fuori controllo, anzi l'invasione organizzata, non porterà nulla di buono.)

Ich musste zwei Mal den Satz lesen, weil mich der Doppelpunkt gebremst hat. Bricht etwa die höhere Hierarchie dieses Doppelpunktes nicht den Nebensatz entzwei?

Der obige Satz ist ein Zitat von der taz zum Thema Rassismus in Italien. Fettschrift vom OP.

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    Womit belegst du die Annahme, dass der Doppelpunkt "eine höhere Hierarchie" als die Kommas des Nebensatzes (wenn es denn einer ist) hat? Ich finde den Doppelpunkt schon OK, aber hätte statt der Klammerung durch Kommas (um den Einschub ab besser:) lieber eine mit Klammern oder Gedankenstrich gesehen - Einschübe mit Kommas sind nicht so gut als solche zu erkennen und ich denke das ist eher, worüber ich bei diesem Satz stolpere. – tofro Jul 7 '16 at 14:43
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    @tofro Die Hierarchie habe ich vielleicht irrtümlich aus dem Spanischen (und Englischen) importiert. Da bremsen Doppelpunkte mehr als Kommata. Die Sache ist, es gibt ein Assoziativitätsschema in der Deutschen Sprache und dieser Satz hat mir meine Vorstellung von dem Schema gebrochen, daher will ich wissen wo ich falsch liege. – c.p. Jul 7 '16 at 14:47
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    Ich habe diese Verwendung des Doppelpunkts schon öfter gesehen und mir nichts dabei gedacht. Ich denke, Regel 34 (duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/doppelpunkt, angekündigte Erläuterung) passt. Für eine "höhere Hierachie des Doppelpunktes" kenne ich keine Regel. – dirkt Jul 8 '16 at 6:09
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    Dem Doppelpunkt folgt m.W. immer ein neuer Satz, der daher groß zu schreiben ist, womit die Prämisse, dass der Satz richtig sei, falsch ist. – user unknown Jul 8 '16 at 6:15
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    Die Unsicherheit der Groß-/Kleinschreibung nach einem Doppelpunkt ergibt sich daraus, dass er kein Schlusszeichen, sondern ein Übergangs- und Ankündigungszeichen ist. Dementsprechend schreibt man nach einem Doppelpunkt das erste Wort eines vollständigen Satzes groß, aber klein, wenn es sich um einen Satzteil oder Einzelwort handelt, das kein Substantiv ist. Beispiele: Das Sprichwort lautet: Morgenstund hat Gold im Mund. Eines fand ich merkwürdig: dass niemand davon gewusst haben wollte. Verhalten: sehr gut. (Quelle gfds.de/doppelpunkt-gross-kleinschreibung-nach) – Ingmar Jul 8 '16 at 6:21
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§81 des Regelwerks befasst sich mit dem Doppelpunkt. Canoo.net hat dann auch noch einen Beitrag zum Doppelpunkt "mit eigenen Worten".

Zusammenfassend wird der Doppelpunkt verwendet bei:

  1. wörtlich wiedergegebene Äußerungen oder Textstellen / Zitat
  2. Aufzählungen, spezielle Angaben, Erklärungen
  3. Zusammenfassungen des vorher Gesagten oder Schlussfolgerungen

Was dein Beispiel angeht, greift hier wohl (2): spezielle Angabe bzw. Erklärung.

Bevor ich darauf weiter eingehe, halten wir aber erstmal fest:

  • Nach einem Doppelpunkt und dem entsprechenden (1) Zitat, der (2) Aufzählung oder der (3) Zusammenfassung ist ein Satz nicht zwangsläufig zu Ende, wenn auch üblich. Es gibt aber meines Wissens keine Regel, die dies erforderlich macht.
    Ein Beispiel dafür genommen von der oben verlinkten canoo.net Seite:

    Er rief: „So spät!“ und legte beleidigt den Hörer auf.

  • Nach einem Doppelpunkt muss nicht zwingend groß geschrieben werden. Nur wenn es sich um einen Ganzsatz handelt, so ist das erst Wort nach dem Doppelpunkt groß zu schreiben. Siehe dazu §54.

    Wird die nach dem Doppelpunkt folgende Ausführung als Ganzsatz verstanden, so schreibt man das erste Wort groß.

    Ich habe im Regelwerk keine Aussage gefunden, die besagt, dass immer groß geschrieben werden muss und demzufolge ist dies nicht gegeben. Canoo.net fasst auch zusammen, dass nach dem Doppelpunkt in der Regel klein geschrieben wird. Man findet auf den oben verlinkten Seiten auch haufenweise Beispiele, wo eben nicht großgeschrieben ist. Wachsame Augen haben auch bemerkt, dass ich in dieser Antwort auch zweimal nach dem Doppelpunkt nicht groß geschrieben habe.

Zurück zu deinem Satz. Ich denke, dass der Satz absolut in Ordnung ist. Zum besseren Verständnis wäre der Einschub "besser: die organisierte Invasion" sinnvoller mit Gedankenstrichen abgetrennt oder in Klammern eingefügt worden, aber der Verwendung von Kommas ist nichts einzuwenden. Eine weitere Variante wäre gewesen, Anführungszeichen um "die organisierte Invasion" zu setzen. Jede dieser Variante hätte dir geholfen, den Satz auf Anhieb zu verstehen.

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Im genannten Satz wirkt der Doppelpunkt klar mit niedrigerer Hierarchie als die Kommata; eine allgemeingültige Hierarchiestufe für Doppelpunkte im Deutschen gibt es meines Wissens nicht. Doppelpunkte geben bei der Aussprache ebenso wie Kommata kurze Pausen an.

Statt der Konstruktion mit dem Doppelpunkt könnte auch oder besser gesagt, die organisierte Invasion eingeschoben werden. Dadurch würde die Komplexität des Satzes jedoch noch etwas steigen; auch hier könnte das Komma durch einen Doppelpunkt ersetzt werden, weshalb sich der Schreiber offenbar für die kürzere Form entschieden hat.

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