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Ich entdeckte soeben bei Werner Bergengruen diese Formulierung. Hier ein Bild der Passage:

Aus *Die Sultansrose* von Werner Bergengruen

Ich wüsste nun sehr gern ob diese Verwendung des Verbs "vermögen" einmal üblich war. Falls wir zur Annahme neigten, dass sie nie weit verbreitet war, so würde mich interessieren, ob sie unter den Deutschen des Baltikums verbreitet war. Ein solcher war schließlich Bergengruen. Besonders interessiert bin ich, wie immer, an Passagen aus der Deutschen Literatur, welche etwa diese Verwendung belegten.

Selbstverständlich habe ich in neueren Ausgaben des Duden ohne Erfolg gesucht.

  • "Versichern" verwendet man so heutzutage auch nicht mehr. – Em1 Aug 17 '16 at 13:37
  • @Em1 das ist für mich noch völlig normal, aber von der Tendenz her haben Sie Recht. – Ludi Aug 17 '16 at 13:47
  • 1
    Ich schätze, hier fehlt einfach ein zu bringen/veranlassen. In Brockhaus und Meyer aus dem 19. Jahrhundert und bei Zeno.org habe ich zahlreiche vermocht gefunden, aber alle folgen entweder dem Muster zu [Verb im Infinitiv] vermocht (etwa 95%) oder so gut er es vermochte (5%). – guidot Aug 18 '16 at 7:03
  • 1
    @guidot jmd zu etwas vermögen hieß damals ganz einfach jmd zu etwas bringen/veranlassen. Es fehlt nicht, wir verstehen es nur nicht mehr. Siehe meine Antwort. – tofro Aug 20 '16 at 7:39
  • @tofro Die ersten Werke Bergengruens entstanden 80 Jahre nach Grimm, daher finde ich das Grimm-Argument nicht zwingend, zudem es zu dessen Zeit anscheinend schon veraltet war. Es könnte natürlich sein, dass Bergengruen den Sprachstil der erzählten Zeit nachempfunden hat, also bewusst historisierend formuliert hat. Das kann ich anhand des knappen Schnipsels ohne Quellenangabe aber nicht erkennen. – guidot Aug 20 '16 at 16:41
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Sucht man nach solchen früheren Bedeutungen, hilft oft das Grimm'sche Wörterbuch von 1840. Das weiß zu "vermögen" in der zitierten Form:

2) trans., macht haben über etwas, in älterer zeit gern mit dem persönlichen accus. ohne weiteren zusatz. heute accus. meist durch satz mit zu ergänzt. in älterer zeit und mundartlich hat die construction mit absolutem accus. mancherlei bedeutungen: einen vermögen, einen in seiner gewalt haben, eines habhaft werden: welcher freund den andern vermag, der steckt jn in sack. Luther 5, 271; einer von seinen fürnehmen bedienten, der ihn wohl vermochte. pers. rosenth. 1, 21; der den andern vermag, der steckt denselben in sack.

Es scheint sich also um eine gebräuchliche Form des Verbs zu handeln, die nicht nur innerhalb regionaler Grenzen verwendet wurde.

Die Kurzfassung deines Beispielsatzes lautet meiner Ansicht nach allerdings (erleichtert um alle Ausschmückungen und Anhängsel):

Er hat seinen Feind zu einer Zusammenkunft vermocht

im Sinne von "er hat ihn dazu bringen (oder auch zwingen) können". Mit einer "räumlichen Richtung", wie in deiner Überschrift vermutet, hat das nichts zu tun.

  • Diese Antwort überzeugt mich sehr, obwohl das Grimm'sche Wörterbuch die möglichen Bedeutungen sehr im unklaren lässt. Gibt es davon eine online-Fassung? – Ludi Aug 17 '16 at 13:52
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    @Ludi Ja, und das ist gut so: woerterbuchnetz.de/DWB – tofro Aug 17 '16 at 13:53
  • 2
    Im Schwedischen haben wir immernoch diese zweite Bedeutung von vermögen ("förmå"), = jmd zu etwas bringen – Beta Aug 17 '16 at 17:19
  • Mittlerweile habe ich die Formulierung auch in Schopenhauers geschmackloser Schrift Über die Weiber gefunden. Mit den Mädchen hat es die Natur auf Das, was man im dramaturgischen Sinne, einen Knalleffekt nennt, abgesehen, indem sie dieselben, auf wenige Jahre, mit überreichlicher Schönheit, Reiz und Fülle ausstattet, [...] damit sie [...] der Phantasie eines Mannes sich in dem Maße bemächtigen könnten, daß er hingerissen wird, die Sorge für sie [...] zu übernehmen; zu welchem Schritte ihn zu vermögen, die bloße vernünftige Ueberlegung keine hinlänglich sichere Bürgschaft zu geben schien. – Ludi Aug 31 '16 at 20:50

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